Crans-Montana Auf den Spuren von lebenswichtigem Wasser und mutigen Wallisern

Vor über 500 Jahren haben mutige Männer unter Einsatz ihres Lebens Wasserläufe entlang steil abfallender Felsen gelegt. Die Suone von Lens bewässert noch heute die Weinberge.
Wandern im Wallis, Crans Montana, Wasserläufe Schweiz
© Photo-genic.ch / Olivier Maire

Suone von Lens: Vor über 500 Jahren führten hier die ersten Wasserkännel durch. Heute gibt es einen sicheren Wanderweg entlang des Wasserlaufs.

Zuerst denkt man sich nichts Böses. Zwar ist die Postauto-Haltestelle La Giète (auf der Strasse zum Rawilpass) schon in bergigem Gelände. Doch nach dem Abstieg in die Lienne-Schlucht und dem ersten Blick auf den Weg und die Suone von Lens bleibt nur noch das grosse Staunen: Der Wasserlauf genauso wie der Wanderweg hängen wie schmale Balkone an der steil abfallenden Wand der Schlucht. Suonen sind von Menschenhand geschaffene Wasserläufe, wie sie in dieser Art nur im Wallis, in Nepal oder auf Madeira vorkommen. Die Suone von Lens ist eine der ältesten und wurde 1450 gebaut.

Keine Angst, die Konstruktion ist frisch saniert und sicher. Statt Angst hat man besser Ehrfurcht vor den mutigen Männern, die sich vor über 500 Jahren an diese Felswand gewagt haben, um dem lebenswichtigen Nass einen Weg zu bahnen. Denn nur so konnten die weiter unten liegenden Hänge fruchtbar gemacht werden. Heutige Wanderer haben das grosse Glück, diese immense Leistung sicheren Fusses zu bestaunen.

Am Ausgang der Schlucht kommt der Hügel Châtelard ins Blickfeld, auf dem die riesige Christ-Roi-Statue steht. Seit 1930 wacht der gekrönte König Christ über die Region. Dann erfasst das Auge schliesslich, was das wertvolle Nass schaffen kann: Fröhlich sprudelt das Wasser nun in seinem schmalen Kanal durch saftige Wiesen und durch die Weinberge. Seit 2010 ist die Suone von Lens wieder voll in Betrieb, kontrolliert wird sie von einem Suonenwächter. Er ist auch dafür zuständig, die kleinen Seitentüren zu öffnen, damit alle regelmässig mit Wasser versorgt werden. Lebensader für das Kulturland der Region sind auch die Suonen von Rho und von Tsittoret. Auch diese können erwandert und erfahren werden.

Die Weinberge des Gebiets um Crans-Montana tragen auch Trauben der Sorte Cornalin. Es ist eine der ältesten Walliser Rebsorten. In früheren Zeiten «Landroter» genannt, ist der Cornalin eine der wichtigen autochthonen Sorten. Sein «Heimatdorf» ist Flanthey, wo auch dieses Jahr am 17. September wieder das Fest des Cornalin stattfindet. Für 20 Franken kann man von halb elf mittags bis sechs Uhr abends den Cornalin 2015 degustieren. In Flanthey steht auch das Schloss Vaas, das «Haus des Cornalin». Hier wird die Geschichte der Rebsorte nacherzählt. DNA-Tests waren nötig, um seine Ursprünge genau zu bestimmen. Man erfährt, dass die Chorherren des Grossen St. Bernhards ihn aus dem Aostatal hierherbrachten und eine Krankheit die Sorte fast ganz dahinraffte. Wer nach einer Suonenwanderung gesehen hat, wie schwierig es war, ihn zu wässern, der geniesst den Wein dann doppelt.

Check-in
Wanderung Lang Wer gut zu Fuss ist, wählt die Variante durch die Lienne-Schlucht bis Chermignon, Dauer ca. 7 Std. Kurz  Ebenfalls spektakulär, aber kürzer ist die Wanderung von Icogne hinunter nach Chermignon, Dauer ca. 3 Std Wein degustieren Cornalin Unterhalb von Chermignon liegt Flanthey, wo am 17. September das Cornalin-Fest steigt Schloss Vaas Geschichte und Degustieren an einem Ort


 

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