Königin Beatrix Wie hält sie das Drama um Friso aus?

Seit dem 17. Februar 2012 ist nichts mehr so, wie es einmal war: An diesem Tag verunglückte Friso, der Sohn der niederländischen Königin Beatrix, im Skigebiet Lech. Für sie ist es nicht das erste Mal, dass das Schicksal erbarmungslos zuschlägt. Royal-Experte Andreas C. Englert blickt auf Beatrix' bewegtes Leben zurück.

Täglich betreten sie, aufeinander gestützt, das Klinikum in Innsbruck, in dem Prinz Friso der Niederlande, 43, ums Überleben kämpft. Bilder, die nicht nur menschliches Mitgefühl auslösen. Sondern auch Bilder aus dem Leben zweier Frauen, die immer wieder durch Tragödien erschüttert wurden: das von Frisos Mutter, Königin Beatrix der Niederlande, 74, und das seiner Ehefrau Mabel, 43.

Für die Öffentlichkeit ist Königin Beatrix eine erfolgreiche Monarchin, gebildet, kreativ, emanzipiert, politisch und strategisch souverän, mit einem privaten Vermögen in Höhe von mehreren Hundert Millionen Franken. Zwei Jahre war Beatrix alt, als sie mit ihrer Mutter, Königin Juliana, die Heimat verlassen musste – ins Exil nach Kanada, deutsche Truppen besetzten das Land. Fünf Jahre später die Rückkehr, triumphal, weil die Königsfamilie nicht mit den Besatzern kooperiert hatte. Die unbeschwerte Jugend endete, als sich Beatrix in den Diplomaten Claus von Amsberg verliebte. Der zwölf Jahre ältere Aristokrat war Deutscher – die Ablehnung gegen den Bräutigam der künftigen Königin war gross, Beatrix setzte ihre Liebe durch, heiratete 1966, bekam drei Söhne, Prinzgemahl Claus gewann an Sympathien, die Kritiker verstummten.

Ohne Not sorgte dann Beatrix’ Vater Prinz Bernhard (1911–2004) für den nächsten Skandal: Als Oberkommandierender der niederländischen Luftwaffe war er in den Lockheed-Skandal verwickelt – der Hersteller von Militärflugzeugen hatte an Bernhard 1,1 Millionen US-Dollar an Schmiergeldern bezahlt, damit er sich für den Kauf der Jets durch die Niederlande starkmachte.

1980 übernahm Beatrix den Thron – vielleicht etwas früh, aber notwendig, um das nach der Korruptions-Affäre etwas angekratzte Image ihrer Eltern vergessen zu machen. Sie agierte geschickt, der mittlerweile sehr populäre Prinz Claus stand immer an ihrer Seite – erkrankte aber an Depressionen und der Parkinson-Krankheit. Seine Beliebtheit warf er, kurz vor seinem Tod, noch einmal in die Waagschale, um seinem Sohn Willem-Alexander, 44, die Hochzeit mit Máxima zu ermöglichen: Die Zustimmung des Parlamentes war nötig, sonst hätte der Kronprinz die Thronfolge abgeben müssen – der Balanceakt war schwierig, weil Máximas Vater Minister der argentinischen Militärjunta war. Nur mit Beatrix’ guten Kontakten, der Mithilfe von Prinz Claus und der Bereitschaft von Máxima, ihre Eltern nicht zur Hochzeit einzuladen, war die Zustimmung zu erzwingen. Wieder einmal entschied Beatrix’ Herz richtig: Máxima wurde so populär wie einst Prinz Claus, der 2002 starb und an der Hochzeit wenige Monate zuvor nicht persönlich hatte teilnehmen können.

Bei der Trauerfeier für Prinz Claus kreuzten sich – zumindest offiziell – erstmals die Wege der Königin und Mabels. Die junge Frau hatte im Alter von neun Jahren ihren Vater Henk Los verloren. Später nahm sie den Namen ihres Stiefvaters, eines Bankiers, an, studierte, arbeitete für das Aussenministerium und die Uno. Eine erfolgreiche junge Frau, gebildet und engagiert. Doch als Prinz Johan Friso Mabel 2003 als seine Verlobte vorstellte, entwickelte sich ein Medienskandal, damals «Mabelgate» genannt. Enthüllt wurde eine zweijährige Beziehung von Mabel zum Amsterdamer Drogenkönig Klaas Bruinsma, der 1991 bei einer Schiesserei vor dem Hilton-Hotel getötet wurde. Dazu gab es enge Kontakte von Mabel zum zeitweiligen bosnischen Aussenminister Muhamed Sacirbey, 55, der 2003 wegen Betrugs angeklagt war. Hier konnte auch die Popularität der Königsfamilie nichts mehr ausrichten: Regierung und Parlament kündigten an, der Hochzeit auf keinen Fall ihren Segen geben zu wollen.

Beatrix fand auch hier wieder eine Lösung: Die Hochzeit fand statt. Johan Friso verlor seinen Titel Prinz der Niederlande und die offizielle Zugehörigkeit zum Königshaus, Mabel war und wurde nie Mitglied des Königshauses – und die beiden Töchter Luana, 6, und Zaria, 5, keine Prinzessinnen. Beatrix wollte niemals aus Staatsräson ihren Söhnen eine Liebesheirat verbieten. Auch diesmal entschied sie richtig – mochten Mabel und ihre Töchter auch offiziell keine Royals sein, zum Wintersport am Arlberg, zu traditionellen Familienterminen waren sie nach wie vor gerne gesehen und auch nicht von starren Protokollen in hintere Reihen geschoben oder von Fotos verbannt.

Johan Friso legte seinen ersten Vornamen Johan ab, zog mit seiner Familie nach London, übernahm verschiedene Positionen in der freien Wirtschaft, zuletzt seit 2011 als Chief Financial Officer des Nukleartechnologie-Unternehmens Urenco. Mabel tauchte nicht in den Klatschspalten auf, verzichtete auf gesellschaftliche Trotzreaktionen in den Niederlanden – stattdessen engagierte sie sich für Menschenrechte, internationale Beziehungen, Zukunftsprojekte. Wieder einmal bewies die Königin Menschenkenntnis, als sie eine Herzensentscheidung in ihrer Familie über die Staatsräson stellte.

Die Königin und Mabel haben kämpfen gelernt. Sie können Gefühle zeigen, Krisen meistern. Und sie waren immer an der Seite der Menschen, die sie liebten. Auch wenn es andere manchmal nicht verstanden.

Andreas C. Englert ist stellvertretender Chefredaktor der deutschen Illustrierten «Frau im Spiegel» und Royal-Experte.

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