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Der ganz normale Wahnsinn

6 Dinge, die ich als Mutter anders machen würde

Es «räblet» gerade Babys im Umfeld unserer Familienbloggerin. Und kürzlich stellte ihr eine dieser Neu-Mamas folgende Frage: «Wenn du nochmal von vorn anfangen könntest – was würdest du anders machen?» Hier die Antwort.

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Unsere Familienbloggerin entschied sich für Job und Familie. Sie würde das heute wieder tun – das schlechte Gewissen würde sie allerdings weglassen. 

Lucia Hunziker

Klar, am liebsten würde ich auf diese Frage «gar nichts» antworten. Und ganz grundsätzlich bin ich ja der Meinung, dass «hätte, würde, wäre» die grandioseste Zeitverschwendung überhaupt ist. Trotzdem: ja, es gibt einiges, was ich anders machen würde, kämen meine Kinder jetzt zur Welt. Zum Beispiel diese sechs Dinge:

1. Ich würde mich nicht wegen Dingen stressen, die ich nicht ändern kann.

Als klar war, dass Kind 2 per Kaiserschnitt auf die Welt kommen würde, hatte ich schlaflose Nächte. Nicht aus Angst vor dem Eingriff, sondern weil ich den Gedanken ganz furchtbar fand, dass sich das Baby nicht dann auf den Weg machen konnte, wenn es bereit dafür war. Eigentlich hätte ich da ja schon schnallen müssen, dass sich das echt nicht lohnt. Nun ja. Als Kind 1 dieses Jahr die Probezeit am Gymnasium nicht bestand, hatte ich auch schlaflose Nächte. Weil ich den Gedanken, dass sie sich so viele Gedanken machte, ganz furchtbar fand. An diesem Punkt muss ich offenbar noch etwas arbeiten.

2. Ich würde mehr auf Stereotype achten.

Es ist toll, ein Mädchen und einen Jungen zu haben – und die Gefahr, in die Stereotypen-Falle zu treten, ist riesig. Ich habe mir gar nie überlegt, ob ich meine Tochter vielleicht mal ermutigen sollte, ein Spidermankostüm zu tragen, oder meinem Sohn eine Puppe statt ein Stofftier zu kaufen. Ich weiss nicht, ob sie dann in ihren Vorlieben nicht so gendertypisch wären, wie das heute der Fall ist (er gut in Mathe, hasst Lesen, sie umgekehrt), und es spielt auch nicht so eine Rolle. Aber wer weiss, vielleicht wärs ja anders. Vor allem aber würde ich mich heute viel mehr gegen stereotype Vorurteile mir gegenüber wehren, statt Kommentare wie «deine Kinder wären sicher froh, wenn du nicht so viel arbeiten würdest» einfach kommentarlos hinzunehmen.

«Ich habe mich lange gefragt, was ich falsch gemacht habe. Heute weiss ich, dass sein Verhalten nicht eine Reaktion auf meine Erziehung war, sondern eine auf die Situation, mit der er überfordert war.»

3. Ich würde das zweite Kind nicht ständig mit dem ersten vergleichen.

Kind 1 konnte mit 10 Monaten laufen, mit 12 Monaten mehr oder weniger ganze Sätze sprechen und war mit 18 Monaten trocken. Kind 2 konnte nur verlieren im Vergleich. Besonders schlimm war es, als Nummer 2 kurz vor Kindergarteneintritt noch immer kein Interesse daran zeigte, aufs WC zu gehen. Was hab ich nicht alles versucht. Belohnen, jede halbe Stunde auf den blöden Topf setzen, einfach keine Windeln mehr anziehen. Hat alles nichts genützt. Irgendwann war er von heute auf morgen trocken. Genau dann, als es für ihn gepasst hat.

4. Ich würde die Schuld nicht immer zuerst bei mir suchen.

Selbstverständlich sind nicht immer einfach die anderen schuld. Aber gerade, wenn es um Kinder und Erziehung geht, müssen oft die Umstände zumindest mit einbezogen werden. Mein Sohn war als Kleinkind ein richtiger Spielplatz-Schreck, hat andere Kinder geschlagen, geschubst und ihnen Sachen weggenommen. Ich habe mich lange gefragt, was ich falsch gemacht habe. Heute weiss ich, dass sein Verhalten nicht eine Reaktion auf meine Erziehung war, sondern eine auf die Situation, mit der er überfordert war (zu viele Kinder, zu viel Spielzeug). Hätte ich das damals schon gecheckt, hätte ich uns beiden viel erspart.

«Ich selbst spielte für mich selbst jahrelang keine Rolle. Auch wenn es für mich so stimmte und ich nicht das Bedürfnis nach Zeit für mich hatte, ist es vermutlich eines der ganz wenigen Dinge, die ich wirklich bereue.»

5. Ich würde mir Zeit für mich nehmen.

Als mir eine Freundin vor einiger Zeit mal erzählte, sie sei schon immer regelmässig allein ein paar Tage in die Berge gefahren, konnte ich nur den Kopf schütteln – über mich. Ich hätte diese Gelegenheit auch gehabt. Es wäre mir nie in den Sinn gekommen. Meine Zeit – ich – gehörte dem Job und der Familie. Hin und wieder dem Freundeskreis. Aber ich selbst spielte für mich selbst jahrelang keine Rolle. Auch wenn es für mich so stimmte und ich nicht das Bedürfnis nach Zeit für mich hatte, ist es vermutlich eines der ganz wenigen Dinge, die ich wirklich bereue. Denn ich musste im wahrsten Sinn des Wortes wieder ein Selbst-Bewusstsein aufbauen. Und das war nicht so einfach.

6. Ich würde dieses verdammte schlechte Gewissen ab dem ersten Tag einfach weglassen.

Es gibt immer jemanden, der es besser weiss als ich. Aber am Ende des Tages bin ich genau drei Menschen auf diesem Planeten Rechenschaft schuldig: meinen beiden Kindern und mir selbst. Sie finden, so schlecht seis nicht gewesen bisher. Und ich eigentlich auch.

Mehr von Familien-Bloggerin Sandra C. lest ihr hier.

 

 

 

 

Von Sandra C. am 04.07.2020
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