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  4. Greta Thunberg: Hassreaktionen auf Klimaaktivistin sind armselig

Der ganz normale Wahnsinn

An alle Greta-Hasser: Ihr seid armselig!

Ein 16-jähriges Mädchen versetzt die Welt in Aufruhr. Weil sie das ausspricht, was alle anderen nicht einmal zu denken wagen. Und was passiert? Es schlägt ihr blanker Hass entgegen. Einem Kind! «Wie könnt ihr es wagen?», fragt Greta Thunberg. Dem kann sich unsere Familienbloggerin nur anschliessen.

greta thunberg

Die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg rüttelt die Welt wach. Und erntet dafür nicht nur Applaus, sondern auch Hass und Hohn. 

Getty Images

Liebe Greta-Hasser,

bitte verzeiht die Wortwahl, aber habt ihr eigentlich noch alle Tassen im Schrank? Ist euch bewusst, was ihr da macht, wenn ihr Greta Thunberg auf Social Media mit begrenzt lustigen Bildchen als «Klima-Gretel» verspottet und euch darüber auslasst, dass sie die Weltjugend zum Schuleschwänzen aufruft? Ihr erwachsenen Menschen lacht ein Kind aus. Noch dazu eines mit Asperger-Syndrom – aber das spielt gar keine Rolle. Es ist so oder so alleralleralleruntersterte Schublade.

Greta hält uns einen Spiegel vor

Was bewegt euch zu so etwas? Ein amerikanischer Vollpfosten, der steigende Meeresspiegel, schmelzende Gletscher und die Zunahme extremer Wetterphänomene nicht für bedenklich hält? Oder doch eher die Tatsache, dass Greta Thunberg – und man kann es nicht oft genug sagen: sie ist ein Kind – uns allen gnadenlos einen Spiegel vorhält? Und uns da trifft, wos weh tut. Bei unserem Lebensstil.

«Es geht darum, dass hier eine Generation mit einem Bewusstsein heranwächst, das wir nicht haben.»

Ich fliege. Ich fahre Auto. Ich esse Fleisch. Und ich bin nicht bereit, auf diese Dinge zu verzichten. Aber ich bin bereit, sie einzuschränken. Nicht zuletzt, weil dieses Mädchen mich wachgerüttelt hat. Und auch meine Kinder. Denn bei beiden – 15 und 13 Jahre alt – war der Klimawandel bisher kein Thema in der Schule. Soviel zur Bildung, die sie verpassen, wenn sie mal an einem Freitag zu einer Klimademo gehen.

Airplane flying over a crowded beach

«Greta Thunberg trifft uns da, wos weh tut. Bei unserem Lebensstil», schreibt Sandra C.

Getty Images

Mit dem Finger auf Kinder zu zeigen, ist armselig

Ja, auch diese Kids, die demonstrieren, steigen mal in ein Flugzeug und essen Fleisch. Darum gehts gar nicht. Es geht darum, dass hier eine Generation mit einem Bewusstsein heranwächst, das wir nicht haben. Es geht um Kinder, die es geschafft haben, ein Thema, das wir lange ignoriert haben, wieder auf die Agenda zu bringen – auch auf die politische. Als erwachsene Personen mit dem Finger auf diese Kinder zu zeigen, ist armselig.

«Wäre Greta meine Tochter, ich wäre verdammt stolz auf sie.»

Wir müssen nicht auf alles verzichten, um etwas zu ändern. Aber wir müssen bei uns selbst anfangen. Und die Aussage, als einzelne Person könne man ja doch nichts machen, ist genauso falsch, doof und feige wie die Behauptung gewisser Länder, solange andere Länder mehr Schaden anrichten, müsse man das eigene Verhalten nicht hinterfragen.

Der Spott ist Neid und Missgunst

Greta Thunberg ist etwas gelungen, was vielen Politikern verwehrt bleibt: Sie wird gehört. Der Spott und der Hass gegen sie ist nichts weiter als Neid, Missgunst und Angst davor, ein bisschen aus der eigenen Komfortzone herauskommen zu müssen. Wäre Greta meine Tochter, ich wäre verdammt stolz auf sie. Und ich bin es auch auf meine Kinder, die alles, was doppelt und dreimal verpack ist, genauso im Gestell liegenlassen wie die Erdbeeren aus Spanien. Das ist wenig. Aber millionenfach kumuliert wird aus wenig viel.

Mehr von Familien-Bloggerin Sandra C. lest ihr hier.

Von Sandra C. am 28. September 2019