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  4. Teenager in der Pubertät: So erleben sie die Corona-Krise

Der ganz normale Wahnsinn

Das Pubertier und die Krise

Krisenzeiten bieten gewisse Chancen, auch wenn man sie nicht sofort erkennt. So auch für Eltern von Teenagern – oder alternativ bezeichnet: Halterinnen und Halter von Pubertieren. Denn diese erhalten nun die einmalige Gelegenheit, diese faszinierenden Wesen unter ganz ungewöhnlichen Umständen zu beobachten.

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Corona-Krise hin oder her: Die Tochter unserer Familienbloggerin zieht sich mehrmals pro Tag um, und gibt ihr Taschengeld für Online-Shopping aus. 

Getty Images

Normalerweise ist es ja so, dass wir dazu gezwungen sind, unsere eigentlich eher nachtaktiven Pubertiere total gegen ihre Natur zu halten – das heisst, sie zu einer Zeit zu wecken und aus dem Haus zu schicken, zu der sie in freier, unkontrollierter Wildbahn noch tief schlafen würden. Nun, da sie zu Hause sind und überdies auch noch Ferien haben, können wir also beobachten wie es ist, wenn sie ganz natürlich nach ihrem eigenen Tagesrhythmus leben.

Regelmässige Ausflüge zum Kühlschrank

Es zeigt sich Erstaunliches – nämlich dass ihre Kommunikationsfähigkeit tatsächlich von der Tageszeit abhängt. Während sie frühmorgens lediglich undefinierbare Laute von sich geben – an denen sich allerdings erkennen lässt, dass ihre Laune alles andere als optimal ist – können sie sinnvoll Buchstaben aneinander reihen, wenn sie gegen Mittag zur Nahrungssuche ihre Höhle verlassen: «Hunger! Warum hats keine Cornflakes?»

«Männliche Pubertiere sind wasserscheu! Es braucht entweder ganz viele Versprechungen oder ganz harte Worte um sie unter die Dusche zu bewegen. Bei weiblichen Pubertieren ist das Gegenteil der Fall. Sie duschen dreimal pro Tag und wechseln genauso oft ihre Kleider, auch wenn sie nirgends hingehen.»

A propos Nahrungssuche: manch einem mag jetzt richtig bewusst werden, wie viel diese Pubertiere eigentlich essen! Im Normalfall finden sie sich ja nur zu den offiziellen Fütterungszeiten am Familientisch ein, dazwischen sind sie in der Schule oder sonst irgendwo unterwegs. Jetzt schleicht sich dauernd jemand zum Kühlschrank, sowohl tagsüber als auch nachts. Man kann am Montag zwölf Joghurts und genauso viele Tafeln Schoggi kaufen, am Mittwoch sind sie weg. Unglaublich.

Irgendwann reichts ja dann auch!

Des Weiteren hat sich etwas bestätigt, was ich bisher geahnt habe, aber nie richtig verifizeren konnte, da des sozialen Drucks wegen jeweils nach Trainings und Handball-Matches geduscht wurde. Aber es ist so: männliche Pubertiere sind wasserscheu! Es braucht entweder ganz viele Versprechungen («Jetzt komm schon. Ich mach dir dafür einen Coupe Dänemark.») oder ganz harte Worte («Du! stinkst!») um sie unter die Dusche zu bewegen. Bei weiblichen Pubertieren ist das Gegenteil der Fall. Sie duschen dreimal pro Tag und wechseln genauso oft ihre Kleider, auch wenn sie nirgends hingehen.» Das erklärt vielleicht ihre Faszination für Online-Shopping dieser Tage.

«Dazu kommt, dass sich mein weibliches Pubertier aus purer Langeweile alle paar Tage die Haare anders tönt, und gerade recht sauer ist auf mich, weil ich ihr für die nächsten zwei Wochen verboten habe, noch mehr Chemie auf ihren Kopf zu pappen.»

«Warum um alles in der Welt kaufst du jetzt Klamotten, die du nur zu Hause anziehen kannst?» - «Weil ich jetzt noch Taschengeld hab. Wenn ich wieder rauskann, hab ich bald keins mehr!» Pubertäre Logik. Dazu kommt, dass sich mein weibliches Pubertier aus purer Langeweile alle paar Tage die Haare anders tönt, und gerade recht sauer ist auf mich, weil ich ihr für die nächsten zwei Wochen verboten habe, noch mehr Chemie auf ihren Kopf zu pappen. Irgendwann reichts dann ja auch.

Das gilt – rein emotional – übrigens auch für diesen Lockdown. So spannend es war – ich hab genug gesehen. Mehr will ich gar nicht wissen!

Mehr von Familien-Bloggerin Sandra C. lest ihr hier.

Von Sandra C. am 18.04.2020
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