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Der ganz normale Wahnsinn

Teenager sind krisenfester als Erwachsene

Teenager haben einen schlechten Ruf, was ihre Denkfähigkeit betrifft. Egoistisch seien sie, und unlogisch, heisst es. Unsere Familienbloggerin beobachtet im Moment genau das Gegenteil. Und: ihre Beobachtungen werden teilweise von der Hirnforschung bestätigt.

Corona Demo Berlin

Corona Demonstration in Berlin – wogegen genau demonstriert wird, ist nicht ganz klar. 

Getty Images

Dass eine Krise das Beste und das Schlechteste in den Menschen an die Oberfläche spült, ist nichts Neues. Aber das, was da in den Köpfen von gewissen erwachsenen Menschen momentan vorgeht, ist wirklich haarsträubend. Von Verschwörungstheorien (ich meine, kommt schon, was will Bill Gates – oder sonst irgendjemand – mit der Weltherrschaft anfangen?) über idiotische Demonstrationen gegen Corona-Massnahmen bis hin zur vehementen Bekämpfung der Maskenpflicht.

Es gibt sinnlosere Gesetze als die Maskenpflicht

Gerade letzteres ist sowas von hohl, dass ich kaum Worte dafür finde. Es kann doch nicht sein, dass genau diese eine Vorschrift die ist, die zu viel ist für unser Rechtsempfinden. Ich hab das Gefühl, es gibt einige sinnlosere Gesetze als eine vorübergehende Maskenpflicht in den Öffentlichen Verkehrsmitteln. Und ich bin mir recht sicher, dass mir der Staat morgen nicht vorschreiben, was ich anziehen und übermorgen, was ich essen darf.

Teenager mit Corona-Maske neben Zug

Teenager (Symbolbild) nehmen die Maskenpflicht ohne grosses Murren wahr. Sie schadet schliesslich niemanden, schreibt Sandra C.

Getty Images

Meine Teenies und ihre Freunde jedenfalls machen einfach das Beste aus der Situation. «Findet ihrs nicht doof, dass ihr Masken tragen müsst?», frage ich sie. «Nö, warum auch?» – «Glaubt ihr denn, dass das wirklich was nützt?» – «Keine Ahnung. Aber schaden tuts ja nicht.» Genau das ist der Punkt. Es schadet doch niemandem – wo liegt also das Problem?

Etwas tun, was anderen mehr nützt als mir selbst? Niemals!

Das Problem liegt in unserem Egoismus. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass ich mit der Maske nicht in erster Linie mich selbst, sondern andere schütze. Etwas tun, was anderen mehr nützt als mir selbst? Niemals! Soll doch jeder selbst schauen. (Und das Argument, wir hätten viel grössere Probleme in der Welt als Corona, ist in diesem Fall auch einfach nur dämlich. Nochmal zum Mitschreiben: diese Maskenpflicht schadet doch niemandem!)

«Bei Pubertierenden ist in erster Linie das Vorderhirn aktiv. Dies weist darauf hin, dass sie Dinge und Situationen streng rational abwägen.»

Und jetzt kommen unsere Teenies, dieses unlogische Volk, und gehen viel logischer an dieses Ding heran als viele Erwachsenen. Tatsächlich ist das gar nicht so ungewöhnlich. Hirnforscher haben nämlich herausgefunden, dass zwar im Hirn von Teenagern Wachstumsschübe vor sich gehen, die mit denen im Baby- und Kleinkindalter vergleichbar sind, sich in ihren Köpfen also sozusagen eine ständige Baustelle befindet. Aber eben auch, dass bei Pubertierenden in erster Linie das Vorderhirn aktiv ist. Dies weist darauf hin, dass sie Dinge und Situationen streng rational abwägen.

Was wir von Teenies lernen können? Mehr Logik!

Warum? Weil sie nicht auf so viel Erfahrung zurückgreifen können wie Erwachsene. Wir entscheiden aufgrund von Erfahrungen gewisse Dinge intuitiv und lassen sie gar nicht erst in unsere Hirnzellen, um sie logisch zu analysieren. Je mehr schlechte Erfahrungen wir im Leben also gemacht haben, desto abwehrender reagieren wir intuitiv auf Situationen, die wir als gefährlich wahrnehmen. Das ist an und für sich nichts Schlechtes. Aber ein bisschen mehr Logik würde gerade in einer Krise nicht schaden. Da können wir von unseren Teenies noch was lernen.

Mehr von Familien-Bloggerin Sandra C. lest ihr hier.

 

 

Von Sandra C. am 08.08.2020
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