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Der «Tele»-Streaming-Tipp der Woche

«Dark» – Die letzte Zeitreise

Ihr liebt Filme und Serien, wisst aber nicht, was ihr als Nächstes schauen sollt? Kein Problem: Die Zeitschrift «Tele» stellt hier jede Woche Sehenswertes vor. Heute den dritten und letzten Teil der Mystery-Staffel «Dark».

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Welche Zeit? Welche Welt? Martha (Lisa Vicari) ist gleich mehrfach vorhanden.

Netflix

Aus welcher Zeit bist du?» – «Die Frage ist nicht, aus welcher Zeit, sondern aus welcher Welt.» Als am Schluss der zweiten Staffel die tote Martha (Lisa Vicari) – ihre Leiche liegt noch brühwarm da – plötzlich wieder vor Jonas (Louis Hofmann) steht und diese andere Welt erwähnt, fiel den Zuschauenden wohl massenhaft die Kinnlade runter.

Ein Cliffhanger mit zwei möglichen Fortsetzungsszenarien: Die Schreiber haben sich mit den verschachtelten Handlungen, Zeitebenen und Zeitreiseparadoxa völlig verzettelt und basteln sich einfach eine neue Welt. Oder: Sie tun es wirklich und verkomplizieren den Wirrwarr mit einer Parallelwelt noch zusätzlich.

Die Drehbuchautorin Jantje Friese hat selbstverständlich nicht den Weg des geringeren Widerstands gewählt und fordert in der dritten und letzten Staffel erneut die volle Aufmerksamkeit diesseits des Bildschirms.

Eine verhängnisvolle Liebesgeschichte epischen Ausmasses

Nachdem die ersten zwei Staffeln den physikalischen Zeitbegriff auf den Kopf stellten, irrt Jonas in einer spiegelverkehrten Parallelwelt herum, wo er verzweifelt den Zusammenhang zwischen dieser Welt und seinem eigenen Schicksal sucht. Die Menschen aus seiner ursprünglichen Welt streben danach, den endlosen Zyklus der Ereignisse, der sie gefangen hält, zu durchbrechen. Und irgendwo inmitten dieses Tumults spielt sich eine verhängnisvolle Liebesgeschichte epischen Ausmasses ab.

Andreas Pietschmann, der den Jonas im mittleren Alter spielt, hat inhaltlich zeitweise kapituliert, wie er gegenüber TELE augenzwinkernd zugibt: «Bis Ende von Staffel 2 habe ich alle Handlungsstränge genau verfolgt. In der dritten habe ich dann beschlossen, mich bevorzugt auf meinen Strang zu konzentrieren.» Auch Mark Waschke alias Noah räumt ein, ab und zu den Anschluss verloren zu haben.

Auf das Serienfinale angesprochen, wird Pietschmann sentimental: «Natürlich habe ich mich gefragt, wie diese immer grösser und komplexer werdende Geschichte endet. Als ich dann das Drehbuch zur letzten Staffel las, musste ich vor Rührung weinen.» Waschke ergänzt: «Ich hüte mich, hier zu spoilern, aber für mich hat das Finale etwas Zärtliches. Etwas, das dem Zuschauer erlaubt, loszulassen.»

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«Für mich hat das Serienfinale etwas Zärtliches.» Mark Waschke, 48, alias Noah.

imago images/Future Image

Die Monologe legen etwas zuviel Theatralik an den Tag

Die düstere deutsche Mysteryserie ist eine Erfolgsgeschichte sondergleichen. Das zeigen nicht nur die sensationellen Abrufzahlen, die Netflix allerdings nicht genau beziffert. Auch Rotten Tomatoes, die international renommierte Kritiker-Plattform, kürte «Dark» zur besten Netflix-Serie und verwies Knaller-Produktionen wie «The Crown» und «Stranger Things» auf die hinteren Plätze.

Völlig zu Recht: Die Familiengeschichten und -dramen, das Setting, die Dialoge, die Schauspieler und die Musik bis hin zum stampfenden Abspann sind perfekt aufeinander abgestimmt. Wenn es bei «Dark» etwas zu bemängeln gibt, dann sind es einzelne Monologe, die in der dritten Staffel mit etwas gar aufgesetzter Theatralik vorgetragen werden.

Die Darsteller haben nun internationale Popularität erlangt. Das wurde Mark Waschke bewusst, als er in Berlin eine «Tatort»-Folge drehte: Ein Reisebus mit Südamerikanern hielt in der Nähe, und ein Tourist wollte wissen, was hier gedreht wird. Als Waschke ihm erklärte, das sei sowas wie «CSI Berlin», erbleichte der Mann und stammelte: «Wait a second – YOU ARE NOAH?!» Waschke: «Danach gab’s Selfies mit der kompletten Busbesatzung …»

«Dark» (D 2020), Mysteryserie; 3. Staffel; seit 27.6. bei Netflix

Mehr Streaming-Tipps könnt ihr hier lesen.

Von Mischa Christen am 01.07.2020
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