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  4. Wechseljahre und Psyche: Depressionen sind ein Tabu

Mehr als Hitzewallungen

Wechseljahre beeinflussen auch die Psyche

Hitzewallungen, Gewichtszunahme: Meist werden diese körperlichen Symptome mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht. Dabei leiden 20 Prozent der betroffenen Frauen unter einer Depression – zwei Psychologinnen klären auf.

Depression, Frau, Wechseljahre

Hormone haben nicht nur Einfluss auf den Körper, sondern auch auf die Psyche. 

Getty Images/EyeEm

Style: Hannah Süss und Jasmine Willi, warum wissen alle, dass Frauen während der Menopause Hitzewallungen haben, aber nicht, dass viele unter Depressionen leiden?
Weil kaum darüber gesprochen wird – in der Öffentlichkeit und unter den Frauen selber. Viele schämen sich und holen keine Hilfe. Hinzu kommt, dass sich psychische Erkrankungen oftmals schleichend bemerkbar machen. Erste depressive Symptome können auch schon vor dem eigentlichen Eintreffen der Menopause auftreten.

Was macht uns in der Menopause so anfällig für Depressionen?
Es ist eine Zeit, in der viele unterschiedliche Veränderungen auf die Frau zukommen. Dabei spielen sowohl hormonelle, als auch psychosoziale Faktoren eine wichtige Rolle.

Dann sind die Hormone und die äusseren Lebensumstände gleichermassen die Ursachen?
Ja, sie beeinflussen sich gegenseitig. Man weiss zum Beispiel, dass die Hormone eine grosse Auswirkung auf die Psyche haben.

Und die sozialen Faktoren?
Die Frauen befinden sich im Übergang von der reproduktiven zur nicht reproduktiven Phase. Diese Veränderung kann eine grosse Herausforderung sein. Sie macht nicht nur klar, dass man keine Kinder mehr bekommen kann, auch Themen wie Vergänglichkeit oder Veränderungen der eigenen Rolle im Leben werden präsenter.

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Was ist in dieser Lebensphase sonst noch problematisch?
Oft ziehen die Kinder aus, man muss sich neu orientieren. Und auch körperliche Beschwerden und Krankheiten treten häufiger auf – das kann aufs Gemüt schlagen.

Wie sieht eine Wechseljahr-Depression aus?
Wenn Symptome wie Interessensverlust, Freudlosigkeit, Schlafprobleme, Konzentrationsstörungen, Appetitlosigkeit oder Traurigkeit über mehrere Wochen auftreten, wird von einer Depression gesprochen. Bei der Wechseljahr-Depression können noch typische körperliche Menopausenbeschwerden auftreten.

Können Sie das erklären?
Manche Frauen sind hormonsensitiver als andere. Sie reagieren besonders intensiv auf Hormonschwankungen. Das kann vor allem vor der Menstruation, während der Schwangerschaft, nach der Geburt oder eben in der Menopause sein.

Kann eine Frau präventiv etwas gegen die Depression während der Menopause unternehmen?
Ein gesunder Lebensstil hilft. Wichtig ist, dass man die Symptome kennt und sich Unterstützung holt, wenn diese auftreten.

Wann braucht es Medikamente?
Depressionen werden in leichte, mittlere und schwere Episoden unterteilt. Bei leichten Ausprägungen, so haben Studien gezeigt, ist die Psychotherapie am erfolgreichsten, bei mittleren und schweren Depressionen ist es eine Kombination von Psychotherapie und medikamentöser Behandlung. Bei der Wechseljahr-Depression kann zudem eine Hormontherapie helfen.

Jasmine Willi und Hannah Süss, Doktorandinnen und klinische Psychologinnen am Psychologischen Institut der Uni Zürich.

Von lm am 09.01.2021
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