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Künstliche Befruchtung – das grosse Tabu

Eine Schwangerschaft zu verhindern, kann man gut planen. Schwanger zu werden, gestaltet sich dagegen oft schwieriger. Immer mehr Paare holen sich Hilfe mit In-vitro-Fertilisation. Aber niemand spricht darüber. 

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Eine Schwangerschaft ist keine Selbstverständlichkeit.

Getty Images/EyeEm

Die amerikanischen Komikerin Amy Schumer teilte im Januar ein Foto ihres Bauches auf Instagram und damit die Nachricht, dass sie versucht, mithilfe von künstlicher Befruchtung ein Geschwister für ihren Jungen zu bekommen. Auf dem Bauch sind links und rechts blaue Flecken zu sehen. Unten sieht man die Narbe des Kaiserschnitts. Die blauen Flecken stammen von den Hormoninjektionen. Die 38-Jährige schreibt dazu: Ich fühle mich durch die Hormonbehandlung niedergeschlagen und sehr emotional.  

In den USA beginnen immer mehr prominente Frauen offen darüber zu sprechen, dass sie Schwierigkeiten haben, schwanger zu werden. Von Michelle Obama wissen wir dank ihrer Autobiografie, dass ihre Töchter Malia und Sasha durch künstliche Befruchtung entstanden sind. Auch Chrissy Teigen, Model, Kochbuchautorin und Frau von Musiker John Legend, machte keinen Hehl daraus, dass sowohl ihre Tochter als auch ihr Junge dank IVF (In-vitro-Fertilisation) zur Welt kamen.  

Selbst unter Freunden möchte man nicht darüber reden

In der Schweiz ist das Thema noch immer ein grosses Tabu. Selbst unter Freunden möchte man lieber nicht darüber reden. Denn wenns nicht klappt, kommen Versagensgefühle hoch. «Als wir frisch verheiratet waren, war ich 31, wir fühlten uns beide gesund. Wir gaben offen zu, dass wir uns an die Familienplanung machten, wir wollten beide schon immer Kinder haben. Wir dachten gar nicht daran, dass es nicht klappen könnte», erzählt Melanie Meier*.

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Jedes sechste Paar bleibt ungewollt kinderlos.

Getty Images
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Der Kinderwunsch wurde immer stärker, und mit jeder Periode, die sie hatte, wuchs die Verzweiflung. Sie sagt: «Ich war fast besessen von der Idee, schwanger zu werden. Überall sah ich nur noch Frauen mit Babybäuchen oder Väter, die Kinderwagen durch die Gegend schoben.» Weil kaum jemand offen darüber spricht, wenn es mit dem Schwangerwerden hapert, fehlt es an der Sensibilisierung für das Thema. Dabei funktioniert es bei etwa 16 Prozent aller Paare nicht auf natürlichem Weg.  

Die Meiers versuchten ein knappes Jahr, schwanger zu werden. Dies entspricht ziemlich genau der Zeitspanne, während der es in der Regel einschlagen sollte, nachdem die Verhütung abgesetzt worden ist. Selbst bei einer jungen, gesunden Frau liegt die Chance, schwanger zu werden, pro Zyklus unter optimalen Bedingungen nur bei rund 25 Prozent. Ab 35 sinkt diese Wahrscheinlichkeit auf etwa 5 Prozent. Jedes sechste Paar bleibt in der Schweiz ungewollt kinderlos. 

«Ich war fast besessen von der Idee, schwanger zu werden. Überall sah ich nur noch Frauen mit Babybäuchen.» Melanie

Melanie und Daniel Meier* liessen sich untersuchen. Insgesamt waren sie bei vier Spezialisten. Ein Jahr später dann die Diagnose: Daniel leidet an einem chronischen Infekt in der Nähe der Prostata. Das Immunsystem reagiert darauf mit körpereigenen weissen Blutkörperchen, die die Infektion bekämpfen – und leider auch die Spermien, wodurch deren Anzahl und Vitalität sinken, sodass de facto von einer Unfruchtbarkeit ausgegangen werden muss. 

Fortpflanzung als Teil der Männlichkeit

Für Daniel ein harter Schlag: «Bis dahin verstand ich die Möglichkeit zur Fortpflanzung als Teil meiner Männlichkeit. Ich benötigte Zeit, um damit umgehen zu können, hatte Versagensgefühle. Sie wurden so gross, dass ich sogar in Erwägung gezogen habe, die Beziehung aufzulösen, damit Melanie ihren Kinderwunsch mit einem anderen Mann erfüllen kann.»

Neun Prozent der Bevölkerung im zeugungs- respektive gebärfähigen Alter sind von Unfruchtbarkeit betroffen. In 40 Prozent der Fälle liegt es am Mann, in 20 Prozent an der Frau, und in 40 Prozent liegt es an beiden, oder es gibt gar keinen erkennbaren Grund, wieso es nicht klappt. 

«Meine Versagensgefühle wurden so gross, dass ich sogar in Erwägung gezogen habe, die Beziehung aufzulösen, damit Melanie ihren Kinderwunsch mit einem anderen Mann erfüllen kann.» Daniel

Wegen der Schamgefühle hatten die Meiers keine Lust, mit ihren Freunden darüber zu sprechen. Sie weihten nur die engsten Bezugspersonen ein, als sie sich entschieden, es mit einer künstlichen Befruchtung zu versuchen. Man unterscheidet zwischen der intrauterinen Insemination, das heisst, eine Selektion der beweglichsten Spermien wird der Frau direkt in die Gebärmutter übertragen, und der In-vitro-Fertilisation. Dabei werden der Frau Eizellen entnommen und die Spermien den Eizellen ausserhalb des Mutterleibs zugefügt. Erst wenn die Zellen erfolgreich befruchtet sind, werden sie wieder eingesetzt.

Weil das Leben nicht immer unseren Plänen folgt

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Eine neue Zusatzversicherung unterstützt Paare auf dem Weg zum Familienglück.

Sanitas

Die erste Kinderwunschversicherung der Schweiz 

Eine Schwangerschaft ist keine Selbstverständlichkeit. Doch auch wenn es nicht auf Anhieb klappt, ist das noch kein Grund zur Sorge. Denn es gibt zahlreiche medizinische Möglichkeiten, um die Erfolgschancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen. Sie sind allerdings kostspielig und nur begrenzt in der Grundversicherung enthalten. Die neue Zusatzversicherung Kinderwunsch unterstützt Sie auf dem Weg zum eigenen Baby. 

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Bei Melanie und Daniel Meier kam aufgrund der schlechten Spermienqualität nur die weiterentwickelte IVF infrage. Bei der ICSI-Behandlung (intrazytoplasmatische Spermieninjektion) spritzt ein Embryologe ein einzelnes Spermium mit einer sehr feinen Glaspipette direkt in die Eizelle. Normalerweise reift bei der Frau pro Zyklus eine einzige Eizelle. Um die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft zu erhöhen, stimuliert man die Hormone bei der Frau, womit zwölf oder mehr Eizellen reifen. Man konzentriert quasi die Fruchtbarkeit eines ganzen Jahres auf einen Zyklus.

Stress und unzählige Termine beim Spezialisten

«Als die Eibläschen wuchsen, hatte ich ein starkes Ziehen im Unterleib. Aber das war nicht das Problem», erzählt Melanie. «Die grosse Belastung war der zeitliche Stress. Ich musste mir während zweier Wochen täglich selber die Hormone spritzen. Das muss alles genau zu einem bestimmten Zeitpunkt erfolgen. Gleichzeitig wurde das sehr eng mit Bluttests und Ultraschall begleitet. Ich hatte unzählige Termine beim Spezialisten – für mich als Lehrerin nicht so einfach, jedes Mal aus der Schulstunde zu gehen. Dazu fühlte ich mich während dieser Zeit aufgedunsen.»  

«Ich versuchte, nicht zu viel Hoffnung in diese Behandlung zu stecken, da ich wusste, dass die Enttäuschung bei einem Misserfolg umso grösser ist.» Melanie

Die Strapazen haben sich gelohnt. Der Arzt konnte 25 Eizellen entnehmen, 13 davon konnte er weiterverwenden und mit Daniels Spermien befruchten. In der Schweiz ist es seit der Gesetzesänderung von 2017 möglich, 12 Embryonen einzufrieren. Es ist nicht erlaubt, das Geschlecht des Kindes zu wählen. Bei den Meiers schlug der erste Versuch der künstlichen Befruchtung fehl, und das war ein emotionaler Tiefschlag.

Je älter die Frau, desto höher die Chance einer Fehlgeburt

«Ich versuchte, nicht zu viel Hoffnung in diese Behandlung zu stecken, da ich wusste, dass die Enttäuschung bei einem Misserfolg umso grösser ist. Trotzdem war es ein herber Rückschlag», sagt Melanie. Professor Christian De Geyter, Chefarzt der Reproduktionsmedizin am Universitätsspital Basel, sagt: «Mit IVF werden bei uns ungefähr 65 Prozent der Frauen schwanger. Die Geburtenrate liegt tiefer – im Jahr 2018 war sie bei etwa 48 Prozent.»  

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Endlich schwanger.

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Je älter die Frau ist, desto höher ist die Chance einer Fehlgeburt. In der Schweiz ist es erlaubt, zwei Eizellen gleichzeitig einzusetzen, womit sich die Chancen einer erfolgreichen Schwangerschaft erhöhen. Das riet der Arzt den Meiers dann auch als Nächstes. «‹Eines ist keines›, waren die Worte unseres Spezialisten. Und da die Statistik zeigt, dass zwei Eizellen eher zum Erfolg führen, machten wir diesen nächsten Schritt», erzählt Daniel.  

Unendlich glücklich und dankbar 

Und prompt, dieses Mal klappte es. Im März 2016 kamen Zwillinge zur Welt. Eine Erfolgsgeschichte: «Wir sind unendlich glücklich und dankbar für unsere gesunden Buben», sagen die beiden. Das Paar verschweigt aber auch nicht, dass besonders die ersten Monate mit den Zwillingsbabys eine enorm anstrengende Zeit war. Dennoch sahen sie immer den Vorteil: Ihre Jungs haben ein Geschwister.

Die übrigen Eizellen liess das Paar nach drei Jahren entsorgen, denn das Einfrieren kostet jedes Jahr zweihundert Franken. «Ich habe sehr mit mir gerungen, um diese Entscheidung zu treffen», erinnert sich Melanie. «Eigentlich war uns klar, dass wir keine weiteren Kinder mehr wollten. Aber wenn ich meine Jungs anschaute, dachte ich mir, dass auch aus den eingefrorenen Eizellen solche Kinder entstehen könnten.» Sie überlegten sich, die Eizellen bei einem Baum im Garten zu vergraben. Das ist aber rechtlich nicht erlaubt, weshalb sie am Ende von dieser Idee absahen.

40'000 Franken – und ein zerbrochene Freundschaft

Heute kann das Paar offener über die künstliche Befruchtung sprechen. Aber ihren Namen möchten sie in dem Zusammenhang trotzdem nicht in einer Zeitschrift lesen. Sie haben ein Freundespaar verloren, weil dieses nicht damit umgehen konnte, dass es nicht eingeweiht war. «Als sie über andere von unserer IVF erfuhren, stellten sie uns als Lügner dar – der Kontakt ist abgebrochen», erzählen sie. 

Die Behandlung kostete insgesamt 40'000 Franken. Diese Kosten sind durch die Grundversicherung nicht gedeckt, weshalb die Krankenkasse nichts übernahm. In der Schweiz lassen sich jährlich knapp 6000 Paare mit In-vitro-Fertilisation behandeln. Tendenz steigend.  

*Namen von der Redaktion geändert 

am 23.04.2020
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