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Schoggi-CEO Laura Schälchli: «Jede Niederlage ist eine neue Chance»

Sie ist so etwas wie die Slow-Food-Päpstin der Schweiz und mischt mit ihrer Schokoladen-Manufaktur La Flor die hiesige Schoggi-Tradition auf. Im Interviewformat «12 Frauen, 12 Fragen» erklärt Laura Schälchli, weshalb sie süchtig nach kalten Duschen ist und mit welchen Tricks sie stets positiv bleibt.

Essen ist ihre Leidenschaft. In den Workshops ihrer Firma Sobre Mesa vermittelt Laura Schälchli Teilnehmenden die Schönheit des bewussten Genusses. 2018 hat sie zusammen mit drei weiteren Gründern die Schokoladenmanufaktur La Flor in Zürich eröffnet. Dort zelebriert sie den Schweizer Klassiker nicht als Massenware, sondern als charaktervolles Lebensmittel, das dank fairer und nachhaltiger Produktion gleich doppelt zart auf der Zunge zergeht.

Welche Menschen inspirieren die 38-Jährige? Was macht sie als Chefin aus? Und woran misst sie ihre Zufriedenheit? Wir haben ihr zwölf Fragen gestellt. 

1) Was ist das Mutigste, das du je gemacht hast?

Mit 19 direkt nach der Handelsschule von Küsnacht für meine Design-Ausbildung nach New York zu ziehen. Drei Wochen vor 9/11 kam ich an. Im Gegensatz zu vielen meiner Mitstudenten, die nach der Terrorattacke nach Hause reisten, zog ichs durch und erlebte die Geschehnisse hautnah mit. Das brauchte Mut. Aber nur wenn man aus der Komfortzone ausbricht, kommt man weiter. Ich versuche mich deshalb auch im Alltag immer wieder herauszufordern. Das geht schon am Morgen los: Ich bin süchtig nach Kaltwasserduschen.

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Laura Schälchli misst ihre Zufriedenheit nicht an To-Do-Listen.

Marlies Seifert

2) Was sind deine Prinzipien als Unternehmerin?

Zuverlässigkeit und Aufmerksamkeit für Details. Ich bin davon überzeugt, dass es die Leute merken, wenn man in allem sauber und schön arbeitet. Zum Beispiel schicken wir mit jeder Online-Bestellung einen handgeschriebenen Brief mit. Das ist ineffizient, aber eine Wertschätzung, die den Kunden in Erinnerung bleibt. Ich bin jedoch keine Perfektionistin. Wenn man an einem Projekt arbeitet, darf man sich nicht in Kleinigkeiten verlieren. Es braucht beides: Das Seinlassen und das Beharren auf Dingen.

3) Welche Menschen inspirieren dich? 

Produzenten. Mich inspirieren Menschen, die gute Lebensmittel herstellen und dabei nicht den Profit als Hauptmotivation sehen. Diese versuche ich in meiner Arbeit widerzuspiegeln. Ich sehe mich als Vermittlerin zwischen den Produzenten und den Kunden. Ich möchte Menschen dazu inspirieren, mehr Freude an guten Lebensmitteln zu haben. Dazu gehört die Wertschätzung, wenn man ein Restaurant besucht und erkennt, wie viel Arbeit hinter dem Essen steckt. Oder wenn man einen Markt besucht und versteht, wieso die Produkte einen gewissen Preis haben. 

12 Frauen, 12 Fragen – in Partnerschaft mit Toyota Hybrid

Sie haben eine Vision, denken quer und scheuen sich nicht vor grossen Herausforderungen. 2020 stellen wir im Interview-Format «12 Frauen, 12 Fragen» jeden Monat eine erfolgreiche Unternehmerin in der Schweiz vor, die uns mit ihrer Power, Eigenständigkeit und Innovationsfreude inspiriert – Werte, denen sich auch Toyota mit seiner weltweit führenden Hybrid-Technologie verschrieben hat. 

4) Wie triffst du schwierige Entscheidungen?

Wenn du eine Vision hast, ist es nicht schwierig Entscheidungen zu treffen. Das Gründerteam von La Flor besteht aus vier Personen: zwei Frauen, zwei Männer. Wir sind also sehr ausgeglichen. Grosse Entscheidungen treffen wir in der Gruppe. Ich rufe in so einem Fall jeden einzelnen an und hole seine Meinung in. Aber meistens ist es sowieso klar, was wir tun werden, weil wir eine genaue Vorstellung davon haben, wo wir hinmöchten. Bei Entscheidungen gibt es ohnehin kein richtig oder falsch. Es geht einfach weiter auf einem Weg, der sich vorzu ergibt.

5) Wann war ein Tag für dich erfolgreich?

Wenn ich Menschen inspirieren konnte – zum Beispiel mit einem Foodkurs oder mit unserer Schokolade. Ich messe meine Zufriedenheit an keiner To-do-Liste, auch wenn ich welche habe. An manchen Tagen kann ich gar nichts darauf abhaken. Damit ich mich nicht zu sehr daran aufhänge, überlege ich mir vor dem Einschlafen, wofür ich dankbar bin.  

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Kräutertee zu trinken, ist für Laura Schälchli wie Meditation.

Marlies Seifert

6) Wo siehst du dein Unternehmen in fünf Jahren?

In fünf Jahren sind wir aus unserem Provisorium in Zürich Binz raus und haben eine offene Manufaktur mitten in Zürich, wo Leute Schokolade essen und sehen können, wie sie hergestellt wird. Wir bieten jetzt schon am Donnerstag- und Freitagnachmittag Besichtigungen mit anschliessendem Tasting an. Für jeden der vier Höfe, die uns beliefern, stellen wir eine eigene Schokolade her und schaffen dabei den Charakter der einzelnen Kakao-Bohnen heraus. Wenn die Leute sehen, wieviel Handwerk dahinter steckt, sind sie auch bereit 9 Franken für eine Tafel Schoggi zu zahlen. Zumal unsere nicht wie die Massenware zur Hälfte aus Zucker besteht. 

7) Wie lädst du deine Batterien auf?

Indem ich klare Grenzen und Prioritäten setze. Schlaf wird völlig unterbewertet. Für mich hat er höchste Priorität. Arbeit und Freizeit versuche ich so gut wie möglich zu trennen. Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, möchte ich nicht über La Flor sprechen. Ich habe kein Mail-Programm auf dem Handy und keinen Internetanschluss zu Hause – aus Selbstschutz. Kopfarbeit passiert ja sowieso überall, aber so habe ich wenigstens mehr Distanz zum Büro.

8) Für welche Eigenschaft möchtest du als Chefin bekannt sein?

Dafür dass ich gut zuhören und auf Bedürfnisse eingehen kann. Nach meinem Studium der Gastronomischen Wissenschaften in Italien arbeitete ich zuerst im Service und übernahm dann die Geschäftsleitung eines Imbissstands. Zum ersten Mal ein Team zu leiten, empfand ich als wahnsinnig schwierig. Mit der Zeit habe ich gelernt, dass jede Person anders geführt werden muss. Deshalb sind mir wöchentliche Sitzungen so wichtig. Da kann ich Leute fragen, wie es ihnen geht und ob sie glücklich sind. Oft sind es ganz kleine Sachen, die am Arbeitsplatz für Unzufriedenheit sorgen.

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Vier Höfe, vier Aromen: Bei La Flor wird Schokolade nach dem Prinzip «single origin» hergestellt.

Marlies Seifert

9) Was wünschst du dir für die Zukunft?

Dass die Leute weiter denken als nur an sich selber. Dann trifft man automatisch andere Entscheidungen im Alltag, zum Beispiel beim Einkauf. Wie stark Kleinproduzenten während Corona unterstützt wurden, hat gezeigt, dass das Bewusstsein da ist. Auch wir haben während dieser Zeit wahnsinnig viel Schokolade verkauft. Ich befürchte aber, dass viele Menschen schnell zurück in alte Verhaltensmuster fallen werden. Die Hoffnung besteht jedoch, dass wir die Chance für einen Paradigmenwechsel nutzen.

10) Wie gehst du mit Niederlagen um?

Als Unternehmer muss man ein Stehaufmännchen sein. Ich sehe in jeder Niederlage eine neue Chance. Denn sobald man von Angst geleitet ist, trifft man die falschen Entscheidungen. Ich habe für mich ein System kreiert, um stets in einem positiven Mindset zu bleiben. Es besteht aus kleinen Alltagsritualen, die mir dabei helfen, aus dem Negativen rauszukommen. Für mich ist das Tee trinken am Morgen Meditation. Oder das Velofahren. Dankbarkeit zu üben ist etwas sehr Kleines, aber sehr effektiv. 

11) Was rätst du Frauen mit einer Business-Idee?

Als Erstes: Geld sparen, damit man unabhängig ist. Als Zweites: Tauscht euch stark mit anderen aus und achtet dabei darauf, dass ihr möglichst konkret um Hilfe bittet. Auf Anfragen von Leuten, die einfach mal einen Kaffee trinken und reden möchten, reagiere ich nicht. Drittens muss man sich einfach trauen. Im schlimmsten Fall fällt man hin und steht wieder auf. Aber es ist immer besser, es zu probieren als es nicht zu wagen. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Selbst wenn man angestellt ist.

12) Wenn du jeden Tag eine Stunde mehr Zeit hättest – wozu würdest du sie nutzen?

Dann würde ich konzentriert lesen, um mich weiterzubilden. Mich interessieren Themen wie konstruktive Teamführung oder besseres Verhandeln. Im Moment stecke ich all meine Ressourcen zurück in meine zwei Firmen. Ich würde gerne eine Weiterbildung machen, aber noch lieber investiere ich in einen wirklich fair produzierten Kakao oder in einen CO2-neutralen Transport mit dem Segelschiff. 

Von Marlies Seifert am 15.06.2020
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