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  4. Nachtschreck bei Kleinkindern: Was tun?

Panik im Kinderschlaf

Nachtschreck ist der Horror für alle Eltern

Da schläft das Kind friedlich und still – und Minuten später steht ihm der Schreck und die Panik ins Gesicht geschrieben. Jetzt ist Ruhe angezeigt. Denn der Nachtschreck fährt vor allem den Eltern ein.

Kind Nachtschreck Traum NAcht

«Ein Kind in dieser Phase aufzuwecken, ist wenig sinnvoll»: Der Nachtschreck dauert im Schnitt zwei bis zehn Minuten. (Symbolbild)

Getty Images

Unruhige Nächte hauen uns Eltern längst nicht mehr um. Und doch gibt es die Nächte, in denen wir uns fast zittrig und hilflos zurück in unser Bett schleichen. Geschockt von dem, was wir gerade erlebt haben. Denn der Nachtschreck (Pavor Nocturnus) bringt selbst die hartgesottensten Eltern aus der Fassung. Denn so haben sie ihr Kind noch nie erlebt.  

Simona, 38, kennt diese Nächte, in denen sie nicht mehr weiter weiss: «Als es meiner Tochter zum ersten Mal passierte, war sie gerade 7. Noch heute wird mir ganz bang, wenn ich mich daran erinnere», sagt sie zu schweizer-illustrierte.ch. Plötzlich schreit die Kleine, ihre Augen sind weit aufgerissen, die Mimik angstverzerrt, sie sieht aus, als hätte sie grosse Schmerzen. Sie spricht, reagiert aber nicht auf ihre Mutter. «Sie war überhaupt nicht ansprechbar. Ich hatte solche Angst um sie», erinnert sie sich. Geschockt von den nächtlichen Ereignissen telefonierte sie noch in der Nacht mit dem Notdienst des Kinderspitals.  

Keine Panik – für Eltern ists viel schlimmer

Dort kam die Entwarnung – und Simona erfährt: Sie hat soeben Bekanntschaft mit dem Nachtschreck gemacht. Das ist eine im Regelfall harmlose Schlafstörung. Üblicherweise tritt er ein bis vier Stunden nach dem Einschlafen auf. Etwa 3 bis 6 Prozent der Kinder erleben solche Episoden im Vorschulalter oder am Anfang ihrer Schulzeit. Doch was können Eltern tun? 

Wie Simona herausfand, hat sie beim ersten Mal völlig falsch reagiert: «Ich habe versucht, sie zu wecken, habe auf sie eingeredet und sie festgehalten.» Doch bei der anschliessenden Netz-Recherche (selbstverständlich googeln Eltern Sachen, obwohl sie wissen, dass sie es besser lassen sollten) stellte sie fest: Nein, das nützt alles nicht. «Eltern sollten leise auf ihr Kind einreden, ihm versichern, dass es in Sicherheit ist und dafür sorgen, dass es sich nicht verletzen kann. Ein Kind in dieser Phase aufzuwecken, ist wenig sinnvoll, da es dann orientierungslos sowie verwirrt ist und schwer wieder einschläft», wird Ulrich Fegeler vom Deutschen Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte auf der verbandseigenen Website zitiert. 

Nach 10 Minuten ist der Spuk spätestens vorbei

Eine Episode dauert im Durchschnitt übrigens zwischen zwei und zehn Minuten. Dann wacht das Kind üblicherweise auf, beruhigt sich ziemlich schnell, fühlt sich müde und schläft wieder ein. Woher die Panik in der Nacht kommt? Es gibt keinen Zusammenhang mit einer psychischen Störung, sondern hat mit der Entwicklung des zentralen Nervensystems zu tun (gehört also ins normale Spektrum der Entwicklungsschübe, die alle Eltern zur Genüge kennen). Wichtig ist: Es bleiben keine bleibenden Schäden. Das Kind erinnert sich noch nicht einmal daran. Anders gesagt: Der Nachtschreck macht die Eltern fertig, aber nicht die Kinder.  

Was können wir Eltern tun? 

  1. Übermüdete oder gestresste Kinder neigen eher zum Nachtschreck. Ergo: Stress im Kinderalltag identifizieren und gemeinsam Strategien zur Stressreduktion entwerfen. 
  2. Regelmässige Bettgehzeiten und Einschlafrituale können die Anzahl der Episoden verringern.  
  3. Fernsehen vor dem ins Bett gehen begünstigt den Nachtschreck – manche Kinder wühlt die Glotze zu sehr auf. 
  4. Der Nachtschreck kann einmal und dann nie wieder auftreten, aber auch immer wieder – manchmal nach wochen- oder monatelanger Pause. Wenn er sich innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums wiederholt oder die Sorge dann doch grösser wird – unbedingt mit dem Kinderarzt oder der Kinderärztin besprechen.  
Von Bettina Bendiner am 05.11.2019