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  4. Erziehung in Frankreich: Darum sind französische Kinder so gut erzogen

Parenting-Hacks aus Frankreich

Wie französische Kinder gutes Benehmen lernen

Französische Kinder haben den Ruf, wohlerzogener und selbständiger zu sein als andere. Diese fünf Erziehungstipps können wir von ihren Eltern übernehmen.

Kind im Café

Sie haben den Ruf, wohlerzogener als andere zu sein: Kinder in Frankreich. Wir haben herausgefunden, woran das liegen könnte.

Getty Images

Das Klischee eines französischen Kindes ist schnell zusammengefasst: Selbstbewusst, eigentständig, wohlerzogen.

Und da ist was dran. Denn französische Eltern scheinen in der Erziehung ein paar grundlegende Dinge richtig hinzukriegen. Dies lässt zumindest der Erfolg der Erziehungsratgeber der amerikanischen Autorin Pamela Druckerman vermuten, die mit Erziehungstipps aus Paris mehrere Bestseller gefüllt hat.

Ihre Erkenntnisse sind nicht nur einfach, sondern auch einleuchtend. Wir haben fünf Punkte herausgesucht, die wir uns gerne bei unseren westlichen Nachbarn abschauen.

1. Französische Eltern sehen ihre Kinder nicht als hilflose Wesen

Kinder haben einen natürlichen Drang, Neues zu lernen. Uns Eltern fehlen aber oft Zeit und Geduld, sie einfach machen zu lassen. Man nehme den Schuhbändel. Geht halt einfach schneller, wenn man den für das Kind bindet. Gut gemeint - schlecht für die Autonomie des Kindes. Sowie für die Entwicklung seines Selbstwertgefühls.

Um etwas zu lernen, muss man es üben dürfen. Und der Moment, in dem ein Kind herausfindet, wie es etwas ganz allein hinkriegt, ist unbezahlbar! Er stärkt sein Selbstwertgefühl und füttert seine Lernlust. Das haben französische Eltern begriffen. Laut Druckerman behandeln sie ihre Kinder nicht wie hilflose Wesen, sondern bieten ihnen die Möglichkeit, sich selbst helfen zu lernen. Ergo nehmen die Kinder sich selber auch nicht als hilflos war und verlangen ihren Eltern viel weniger ab.

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2. Französische Eltern loben selten, dafür richtig

Duckermann beobachtet, dass französische Eltern selten ein Lob aussprechen. Wenn ein Kind sprechen lernt, bejubeln französische Eltern nicht jedes Wort, das es sagt. Aber sie loben ihr Kind dafür, wenn der Inhalt des Gesagten interessant ist, so die Autorin.

Tatsächlich kann falsch platziertes Lob sogar destruktiv sein, wie der verstorbene Erziehungsratgeber-Autor Jesper Juul festhält: «Lob schüttet Lusthormone aus, und danach werden Kinder süchtig», meint er. «Wenn man ein Kind will, das einfach nur funktioniert, ohne nachzudenken, ist Lob eine praktische Sache.» Lob stärke nicht das Selbstwertgefühl, sondern sei ein Machtinstrument, um das Verhalten des Kindes zu steuern.

3. Französische Eltern stecken ihre Bedürfnisse nicht zurück

Studien belegen, dass Mütter aus überbehütenden Kulturen die Elternschaft als viel belastender wahrnehmen als Eltern, die das Laisser-faire zelebrieren. Wie Autorin Druckerman in ihrer dreijährigen Recherche zum Buch herausfand, halten Mütter in Frankreich nicht viel davon, ihr Leben komplett nach ihren Kindern zu richten. «In Frankreich fände man diesen Gedanken absurd», sagte sie in einem Interview. Das Kind muss doch im Umkehrschluss annehmen, das Glück seiner Mutter hänge allein von ihm selbst ab. Das erzeugt zu viel Druck auf beiden Seiten. Hier (in Frankreich, Anm. d. Red) herrscht die Meinung: Eine unglückliche Mutter kann keine glücklichen Kinder erziehen.

4. Französische Eltern diskutieren nicht

Laut Beobachtungen der Bestsellerautorin sind französische Eltern wahre Kommunikationsprofis. «Einfühlungsvermögen ist den Franzosen wichtig. Immer im Gespräch mit dem Kind zu bleiben, seine Gefühle zu verstehen, seine Erfahrungen zu begleiten.» Sie hören ihren Kindern zu - das würden wohl Eltern aus allen Ländern unterschreiben. Was laut Druckerman die Franzosen unterscheidet? Dass sie sich von ihren Kindern deswegen noch lange nicht auf der Nase rumtanzen lassen. Sie kommunizieren klar ihre Antwort und diskutieren ein «Nein» nicht weiter mit ihren Kindern.

5. Der magische «cadre»

«Ein magisches Rezept französischer Erziehung ist für mich der cadre, der Rahmen», sagt Druckerman. Das bedeutet, man gebe Kindern klare Grenzen - aber innerhalb dieses Rahmens lasse man ihnen Freiraum für eigene Entscheidungen.

Bei der Bettzeit äussert sich das so: Wann die Kinder abends ins Zimmer müssen, entscheiden die Eltern. Aber ob sie dann noch ein wenig lesen oder sich sonstwie beschäftigen, wählen die Kinder selber. «Beim Essen ist es ähnlich. Eine Regel vieler Eltern lautet: Du musst von allem probieren. Aber du musst es nicht aufessen.»

Diese Bestseller hat die Autorin geschrieben

Mit ihren Erziehungsratgebern aus Frankreich hat Pamela Druckerman ins Schwarze getroffen. Folgende Bücher sind zu internationalen Hits geworden:

  • «Was französische Eltern besser machen - 100 verblüffende Erziehungstipps aus Paris» ISBN 978-3-442-17650-2
  • «Warum französische Kinder keine Nervensägen sind - Erziehungsgeheimnisse aus Paris» ISBN 978-3-442-17578-9
Von KMY am 10.01.2021
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