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Royale Helikoptermutter

Ist Königin Letizia zu streng mit ihren Töchtern?

Letizia von Spanien ist jetzt nicht die Lockerheit in Person und steht bei ihren Landsleuten wegen ihres kontrollierten Auftretens immer wieder in der Kritik. Jetzt mischen sich auch noch Erziehungsexperten ein und finden, die Königin sei zu streng mit ihren Mädchen.

Wer sich mal durch Kommentarspalten von Facebook-Gruppen zum Thema Elternschaft gelesen hat, der sollte eines gelernt haben: Egal, wie man ein Erziehungsthema angeht, irgendwer findet es immer falsch, hat einen Vorschlag, wie mans besser machen kann und weiss, dass man seinem Kind überhaupt unheimlich schadet. 

Wer Teenager hat, der kann das Gefühl bekommen, dass die Besserwisser gute Ratschläge ins eine und der genervte Backfisch Wuttiraden ins andere Ohr brüllen. Die, die das kennen, können sich jetzt wie eine Königin fühlen. Denn eine, die da immer wieder durch muss, ist Letizia von Spanien. Die 47-Jährige hat zwei Mädchen im besten Teenageralter und mindestens ein ganzes Land, dass ihr auf die Erziehungsfinger schaut. 

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«Es war alles so forciert»

Die 47-Jährige ist Mutter der 14-jährigen Thronfolgerin Leonor und der 13-jährigen Prinzessin Sofia. Gegen aussen gilt die Königin als steif, unterkühlt und perfektionistisch. Dass das dann auch so in den heimischen vier Schlosswänden so sein muss, kombiniert der Journalist und Kritiker der Königin, Jaime Peñafil. Er analysiert in einem Interview mit dem Magazin «Vanitatis» den Auftritt der beiden Teenie-Royals anlässlich einer öffentlichen Lesung von «Don Quijote», dem Hauptwerk des Nationaldichters Miguel de Cervantes, vor einigen Wochen. 

Sofia und Leonor sassen zuckersüss auf dem heimischen Sofa, lasen fehlerfrei aus dem Klassiker und richteten anschliessend warme Worte an die Kinder Spaniens. So weit, so herzig. Aber, zugegebener Massen, doch sehr pützlet. Schliesslich haben viele Kids in diesem Alter auf alles andere Lust, als auf rosa Blusen und schwere Literatur. Rosa Brille und die schwere Luft in Discos wäre wohl eher die Umgebung der Wahl. So kritisiert auch der Kritiker: «Die Lesung von ‹Don Quijote› trug die Handschrift ihrer Mutter. Es schien alles sehr gezwungen. Ich bin sicher, sie haben es zwanzig Mal geprobt, dabei wäre es in Ordnung gewesen, wenn sie Fehler gemacht hätten, das wäre normal gewesen. Doch es war alles so forciert.»

Letizia sei, so Peñafil weiter, «übermässig kontrollierend» und erziehe die Mädchen nicht zur selben Natürlichkeit, wie es die anderen Königshäuser Europas täten. Jetzt stellt sich die Frage, ob zwei Mädchen, die immerhin auf dem Weg zum Erwachsenwerden sind, nicht selber den Anspruch haben, eine perfekte Show abzuliefern.

Zumal auch Sofia und Leonor nicht entgangen sein dürfte, dass auf fehlerhaftes Verhalten ihrer Mutter postwendend die Kritik der Öffentlichkeit folgt. Die Schwestern treten stets zusammen auf und scheinen einander sehr nah zu stehen, einander oft sogar zu stützen.

Peñafil, der Letizia- und Erziehungsexperte sieht das anders. Er ist genervt von den Geschwister-Duo und sieht hinter den gemeinsamen Auftritten eine erzieherische Massnahme. «Warum muss Leonor immer zusammen mit ihrer Schwester auftreten, als ob diese ihr Schatten wäre? Felipe erschien immer allein. Es ist wie der Versuch, Eifersucht unter den Schwestern zu vermeiden, aber ich finde, dass alles ungezwungener vor sich gehen sollte. Sie haben sich in kitschige kleine Mädchen verwandelt.» Bäm! Und schon ist ein Beziehungkommentar erteilt, wie er auch auf Facebook stehen könnte. 

Beide Kinder sind gleichberechtigt

Einer, der die Königin in Schutz nimmt, ist der Hoffotograf Jose Gegúndez. Er begleitete die Familie schon bei zahlreichen öffentlichen Auftritten und widerspricht deutlich. Generell lässt auch er vermuten, dass Letizia jetzt nicht die typische Hippie-Mom ist, er aber zeichnet das Bild einer sehr besorgten Mutter, die eine klare Vorstellung davon hat, was sie sich für ihre Mädchen wünscht. Nämlich, dass beide ihren Platz in der seltsamen Welt finden, in der sie grosswerden. 

«Ich sehe eine Beziehung des totalen Schutzes. Insbesondere zu Prinzessin Sofia. Sie möchte nicht, dass diese sich benachteiligt oder als Nebendarstellerin fühlt und hat immer ein Auge auf ihre jüngere Tochter.» Zudem lege Letizia grossen Wert darauf, dass ihre Töchter sich äussern, ihre Meinung sagen und aus sich herausgehen, so der Fotograf. Eine Beobachtung, die auch ein Experte für nonverbale Kommunikation bestätigt. 

«Ein Zeichen der Liebe»

Christian Salomoni hat zahlreiche Videos der Königin und ihrer Töchter angeschaut und festgestellt, dass Letizia bei offiziellen Auftritten stets mit ihren Mädchen in Augenkontakt ist, ihnen Sicherheit und Interesse vermittelt. «Es sind besorgte, vertrauliche, nachhaltige und aufmerksame Blicke. Dadurch kann sie nicht nur jederzeit wissen, wie es ihren Töchtern geht, sondern bekommt auch mit, wenn diese etwas von ihr wollen oder sie brauchen – wenn sie Fragen haben oder ihr etwas Interessantes zeigen möchten.»

Doch auch die Körpersprache Letizias verrate, dass die Königin eine strenge aber liebevolle Mutter sei. «Ihre Gesten sind durchgehend von Zuneigung und Liebe geprägt. Oft sollen sie die Mädchen daran erinnern, wie sie sich laut höfischem Protokoll in der Öffentlichkeit zu verhalten haben.» Die Gesten seien jedoch stets mit etwas Positivem wie einem Augenzwinkern oder einem liebevollen Lächeln verbunden. Auch suche die Mutter oft den Körperkontakt zu ihren Töchtern. «Ein Zeichen der Liebe, die ihresgleichen sucht», schliesst Salomoni. 

Welcher Experte nun den Realtiätsnagel auf den Kopf getroffen hat, dass wissen nur vier Menschen: Letizia, Felipe, Leonor und Sofia. Aber eines ist sicher — je nach Tagesform dürften die Teenager mit dem Erziehungsstil ihrer Mutter wohl nicht immer einverstanden sein.

Von Berit-Silja Gründlers am 05.05.2020
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