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Sarah van Berkel über ihren Sohn

«Wenn wir trainieren, gigelet und juchzt Tim»

Vor vier Monaten brachte Sarah van Berkel ihren Sohn Tim zur Welt. Im Interview mit schweizer-illustrierte. ch redet die ehemalige Eisprinzessin über ihren Mama-Alltag, wann Tim zum ersten Mal gelacht und warum die Corona-Krise sie entspannt hat.

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Sarah van Berkel ist froh, dass sie ihren Mutterschaftsurlaub verlängern konnte.

ZVG

Sarah van Berkel, 35, ist gerade am Autofahren, als wir uns über die Gegensprechanlage unterhalten. Vor genau vier Monaten brachte die Journalistin und ehemalige Eisprinzessin ihren Sohn Tim zur Welt.

Hallo Sarah, schön dich zu hören. Wie geht es dir?
Sehr gut, danke. Tim schläft gerade, das Timing ist also perfekt.

Der offizielle Mutterschaftsurlaub wäre jetzt zu Ende. Du konntest ihn verlängern. Wie wäre es für dich, jetzt wieder arbeiten zu gehen?
Nach den ersten zwei Monaten dachte ich, ich könnte nun wieder arbeiten gehen. Doch je länger die Auszeit andauert, desto mehr gewöhne ich mich an die Situation und schätze sie. Die Vorstellung, Tim nicht mehr ständig um mich herum zu haben, fühlt sich im Moment tatsächlich etwas beängstigend an. Aber das kommt dann schon gut. Ich lerne gerade im Jetzt zu leben.

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Sarah van Berkel bei ihrem letzten Interview wenige Wochen vor der Geburt.

Paul Seewer

Wie meinst du das?
Bis anhin war mein Leben sorgfältig strukturiert und durchgeplant. Es wäre für mich zum Beispiel eine Horrorvorstellung gewesen, nicht zu wissen, was wir am Wochenende machen. Der Mutterschaftsurlaub zeigt mir neue Wege auf.

Euer Tim ist nun vier Monate alt. Magst du dich noch an sein erstes bewusstes Lachen erinnern? 
Ich fand es schwierig, zu beurteilen, ob er jetzt bewusst lacht oder nicht. Das passiert ja fliessend. Mein Mann Jan dagegen hatte ein sehr klares erstes Mal.

«Am Anfang war Wickeln ein richtiges Cabaret. Tim hat geweint und gestrampelt und fand es richtig doof.»

Erzähl.
Jan trainierte gerade auf dem Indoor-Velo, als Tim, der in seinem Sitzli daneben lag, so richtig laut und fröhlich lachte. Ich habe das später auch erlebt: Wenn wir trainieren, gigelet und juchzt unser Sohn.

Ein richtiges Sportlerkind: Er feuert euch jetzt schon an!
(lacht) Wer weiss.

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Wenn Papa Jan van Berkel auf dem Bike strampelt, freut sich sein Sohn Tim.

instagram/janvberkel

In welchen Situationen lacht Tim sonst noch gern?
Im Moment tönt er ständig vor sich hin. Besonders begeistert ist er von seinem Knisterbuch. Oder wenn wir mit ihm auf dem Wickeltisch herumblödeln. Das liebt er.

Beim Wickeln hält er still?
Am Anfang gar nicht! Das war ein richtiges Cabaret. Tim hat geweint und gestrampelt und fand Wickeln richtig doof. Seit einer Weile hängt über dem Wickeltisch ein Mobile, das ihn sehr fasziniert – und eben all unser Gekasperle.

Stillst du noch voll?
Ja, ich bin noch voll dran. Es läuft gut und ist halt sehr praktisch. Jetzt mit vier Monaten geht es zwar im Vergleich zur Anfangsphase manchmal etwas ruppig zu und her.

Der Kleine ist schnell abgelenkt...
Genau. Das habe ich am Anfang überhaupt nicht gecheckt. Ich dachte, ich hätte langsam weniger Milch. Jan hat das irgendwann realisiert, und dann vorgeschlagen, eine ruhige, abgedunkelte Ecke fürs Stillen aufzusuchen. Und siehe da, es klappt.

Das ist der Vorteil, wenn der Vater während des Mutterschaftsurlaubs vor Ort präsent ist.
Absolut. Als Spitzensportler kann Jan oft zu Hause trainieren und jetzt in der Coronakrise sowieso. Er liebt es, so viel Zeit mit seinem Sohn verbringen zu können und übernimmt bis aufs Stillen alle Säuglingsarbeiten.

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Vater und Sohn sind ein eingespieltes Team.

instagram/janvberkel

Dreht sich Tim schon?
Ab und zu probiert er es. Aber nicht jeden Tag. Ich glaube, es ist ihm noch zu anstrengend. Auf dem Bauch liegt er jedenfalls überhaupt nicht gern.

Wie habt ihrs mit Schlafen? Gibts schon einen Rhythmus?
Tim schläft seit einer Woche in seinem eigenen Zimmer. Und es klappt prima. Vorher lag er in einem Beistellbettchen neben mir. Meist stille ich ihn so um neun Uhr abends und dann schläft er durch bis um fünf Uhr. Dann gebe ich ihm nochmals die Brust und er schläft weiter bis um acht Uhr. Ich kann mich wirklich nicht beklagen.

Erzähl mal, wie so ein typischer Tag bei dir aussieht.
Jan übernimmt in der Regel die Morgenschicht und kümmert sich um den Kleinen. So kann ich noch bis acht oder neun Uhr weiterschlafen. Das schätze ich sehr! Dann frühstücken wir gemeinsam oder separat. Am Morgen kümmere ich mich um irgendwelche Haushalts-Sachen und am Nachmittag mache ich meist ein Work-out. Voll gemütlich und ohne Stress. Wir gehen beide gern früh zu Bett und schlafen meist schon so um zehn Uhr ein.

«An den meisten Tagen habe ich kaum einen Plan. Da wäre ich früher durchgedreht. Jetzt merke ich, wie gut mir das tut. Mir und dem Baby. Ohne Corona hätte ich uns diese Ruhe niemals gegönnt.»

Wie hat die Coronakrise deinen Alltag beeinflusst?
Wir haben uns sechs Wochen lang sehr strikt an den Lockdown gehalten. Das heisst, einkaufen ging nur Jan und ich habe mit dem Baby das Haus selten verlassen. Kontakt mit Eltern und Freundinnen gabs nur über Videocalls. Mittlerweile sehen wir unsere Familien wieder – einfach draussen und natürlich ​auf Distanz.

Ist dir diese Isolation schwer gefallen?
Klar vermisse ich meine Familie und Freunde, im Grossen und Ganzen ist es mir erstaunlich leicht gefallen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sich ein Mutterschaftsurlaub generell ein bisschen wie ein Lockdown anfühlt.

Wenn du jetzt so vergleichst, zwei Monate normalen Mutterschaftsurlaub und zwei Monate im Corona-Ausnahmezustand, welche Unterschiede stellst du fest?
Wenn ich ganz ehrlich bin: Ich bin dank Corona entspannter geworden. In den ersten zwei Monaten hatte ich praktisch täglich Besuch und war – so wie immer – hyperaktiv. Man will ja seine Freude teilen, ist aber gleichzeitig schnell nervös, weil alles rund ums Baby noch so fremd ist. Ich hatte tausend Fragen und und war schnell gestresst.

Von diesem Stress hat die Coronakrise dich befreit?
Absolut. Ich hätte mich im Leben nie getraut, einfach zu Hause auf dem Sofa rumzuliegen. Oder ohne den Wecker zu stellen, aufzustehen – unvorstellbar! An den meisten Tagen habe ich mittlerweile kaum einen Plan. Da wäre ich früher durchgedreht. Jetzt merke ich, wie gut mir das tut. Mir und dem Baby. Ohne Corona hätte ich uns diese Ruhe niemals gegönnt. Ich wäre sicher mindestens dreimal die Woche nach Zürich gegangen zum Käfelen oder Trainieren.

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Workouts ohne Stress: Sarah van Berkel baut ihre Kondition langsam wieder auf.

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Apropos Training, da bist du ja wieder fleissig dran, wie deine Videos auf Instagram zeigen. Wann hast du wieder damit angefangen?
Mit dem Beckenbodentraining schon wenige Wochen nach der Geburt. Nach drei Monaten ging ich erstmals wieder Joggen, das mache ich aber nicht regelmässig. Mit Workouts habe ich etwa zeitgleich wieder angefangen, sei das nun ein Stretching oder ein Bootcamp, Tanzen oder ein Sypoba-Training. Ich liebe es, mich zu bewegen und es ist spannend, herauszufinden, was schon drin liegt und was nicht.

Von Aussen betrachtet, scheinst du ja schon wieder in Topform zu sein!
Ja, vielleicht von Aussen. Von Innen ganz sicher nicht! Es gibt Übungen, die ich vorher zehn Minuten lang locker stemmen konnte und wo ich jetzt nach zwei Minuten erschöpft abbrechen muss. Aber da mache ich mir keinen Stress. Ich baue mir meine Kondition Schritt für Schritt wieder auf.

Was gefällt dir an deinem Mamaleben besonders gut?
Ich finde es unglaublich faszinierend, mitzuerleben, wie so ein Menschlein heranwächst. Jan und ich waren total parat für ein Kind. Jetzt ist unser Sohn da und wir sind hin und weg. 

Was fällt dir eher schwer?
Nichts, ich habe für alles Zeit.

Von Maria Ryser am 03.05.2020
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