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Romina weiss Rat

So spricht man mit Kindern über den Tod

Wenn Kinder sich vor dem Tod fürchten, wissen viele Eltern nicht, wie sie richtig reagieren können. Familienexpertin Romina Brunner rät zu Ehrlichkeit.

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Wenn Kinder zum ersten Mal mit dem Tod konfrontiert werden, haben sie viele Fragen – manchmal auch Ängste – denen Eltern mit Ehrlichkeit begegnen sollten.

Getty Images
Romina Brunner
Romina Brunner

Journalistin und Mutter von zwei Kindern

In unserer Nachbarschaft starb kürzlich ein Kind. Nun hat mein Sechsjähriger ständig Angst, dass auch jemand aus unserer Familie sterben könnte. Was kann ich tun? Er war mit dem Thema bislang nur einmal konfrontiert, als die Katze meiner Mutter starb. – Martina

Liebe Martina

Irgendwann werden alle Kinder in irgendeiner Form mit dem Tod konfrontiert. Vielleicht stirbt ein Haustier, oder ein entfernter Verwandter. Sie  hören vom Tod in den Nachrichten oder lesen davon in einem Buch. Wenn es soweit ist, stellen Kinder Fragen. Wir Eltern sind verpflichtet, diese zu beantworten.

Auch dein Sohn ist nun erstmals näher mit diesem Thema in Berührung gekommen. Ein abstrakter Begriff nimmt plötzlich Gestalt an. Und doch kann sich auch ein Bub, der sich schon «ganz gross» fühlt und vieles weiss, nicht recht vorstellen, was der Tod bedeutet. Und das macht furchtbare Angst.

Fragt Romina!

Habt ihr auch ein Thema, das euch beschäftigt? Dann schreibt ein Mail an romina@schweizer-illustrierte.ch

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So reagiert ihr richtig auf Kinderfragen zum Thema Tod

«Das Allerwichtigste ist, die Kinder zu beruhigen, immer und immer wieder», sagt Erwachsenenbildnerin Susanne Baldini.

«Kinder brauchen Sicherheit und möchten auf ihre Fragen Antworten haben.» Ihre Anliegen zu ignorieren oder nur schwammig zu beantworten, kann Kinder verunsichern. Auch sollten wir ihre Ängste ernst nehmen! Wenn ein Kind befürchtet, dass seine Eltern plötzlich sterben könnten, schlägt Baldini folgende Antwort vor: «Ja, gäll, die Vorstellung, dass Mami und Papi nicht mehr da sind, macht dir Angst. Das verstehe ich. Aber du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Mir geht es gut und ich bleibe noch lange bei dir.»

Gegenfragen stellen und Gefühle zulassen

Hilfreich sind auch Gegenfragen. Dadruch merkst du schnell, worum es deinem Sohn tatsächlich geht. Oft möchten Kinder keine langen oder theoretischen Erklärungen haben und einfach wissen, was ihre Eltern darüber denken. Warum ist der Hase tot? «Weil Sterben zum Leben gehört, wie auch die Geburt.»  

Falls dich ein Schicksal, wie das von eurem Nachbarsjungen, selbst bedrückt, kannst du deine Trauer ruhig zeigen. «Es hilft Kindern nicht, wenn wir unsere Gefühle verstecken. Kinder spüren atmosphärisch, wenn etwas nicht stimmt und wenn ihre Eltern etwas vor ihnen verheimlichen.» Spricht man mit ihnen hingegen behutsam über die Situation, können sie diese einschätzen und verstehen, warum ihre Eltern traurig sind.

Für die Wahrheit sind sie nie zu klein. Du kannst schon einem Säugling erzählen, dass Mami traurig ist, weil die Nachbarin gestorben ist. Viel entscheidender ist, die Information richtig zu formulieren. Was können die Kinder schon verstehen? Und was möchten sie ganz genau wissen?

Glaube kann Hoffnung und Trost schenken

Liebe Martina, wie stellst du dir den Tod vor? Vielleicht können deine eigenen Gedanken über das Sterben auch deinem Sohn helfen. 

Ich zum Beispiel glaube seit kleinauf, dass meine geliebten Verstorbenen im Himmel sind und es ihnen gut geht. Dass ihre Seelen schweben, begleitet von wohliger Wärme in einem hellen Licht. Als Kind war ich zudem überzeugt davon, dass meine Oma uns vom Himmel oben zuschaut und mich beschützt. Ich habe jahrelang mit ihr geredet und ich habe mir vorgestellt, dass der liebe Gott sie beauftragt hat, auf mich zu schauen.

Der feste Glaube daran hat mir geholfen, die Trauer über den Verlust zu verarbeiten. Genau das werde ich unseren Kinder sagen, sobald sie fragen.

Ich wünsche dir viel Kraft!

Herzlich,

Romina

Unsere Expertin für Familienfragen

Nie waren Eltern so gut informiert wie heute. Und nie war es schwieriger, im Dschungel aus Ratgebern und Internetforen den besten Weg für den eigenen Nachwuchs zu finden. Unsere Familien-Expertin Romina Brunner, 39, hilft, Ordnung zu schaffen. Jeden Mittwoch berät die zweifache Mutter und Journalistin die SI-Family-Community zu Themen und Fragen aus dem Familienalltag.

Von Romina Brunner am 22.01.2020
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