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Fall des ORF-Moderators Rafreider

Könnte man beim SRF angesäuselt vor die Kamera?

Der Fall des österreichischen Nachrichten-Moderators Roman Rafreider schlägt hohe Wellen. Weil er angeblich betrunken die Sendung «ZIB flash» moderierte, muss er bei seinem Arbeitgeber ORF sechs Monate pausieren. Könnte so etwas beim Schweizer Fernsehen auch passieren?

Moderator Roman Rafreider

Moderator Roman Rafreider soll in der Sendung «ZIB flash» betrunken gewesen sein. 

Screenshot ORF

Es war nicht zu überhören und auch nicht zu übersehen, dass Moderator Roman Rafreider, 52, bei seinem Auftritt in der kurzen Spätausgabe der österreichischen Nachrichtensendung «ZIB flash» nicht ganz auf der Höhe seiner geistigen und körperlichen Fähigkeiten war. Seine Zunge wirkte schwer, er moderierte lallend und zeitweise musste er sich gar am Moderationspult festhalten, um nicht zu stürzen. In der Regie der Livesendung brach gleichzeitig Nervosität aus, denn bevor Roman Rafreider das Nachrichtenstudio betrat, war niemandem vom ORF der angeschlagene Zustand des Moderators aufgefallen. Die Verantwortlichen suchten fieberhaft nach einer Lösung, denn der unpässliche Rafreider hätte nicht nur «ZIB flash», sondern auch die darauffolgende Spätausgabe von «Zeit im Bild» präsentieren sollen. 

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Die Verantwortlichen hinter den Kulissen handelten schnell und ersetzten Roman Rafreider für die Spätausgabe durch Moderations-Kollege Martin Thür und zitierten den wie es schien angetrunkenen Moderator ins Personalbüro, wo ihm mitgeteilt wurde, dass er mit sofortiger Wirkung suspendiert sei. «Der Fall und dienstrechtliche Konsequenzen werden von der Personalabteilung geprüft», liess ein ORF-Sprecher gegenüber Kurier.at verlauten. Nun hat man sich mit Rafreider auf eine sechsmonatige unbezahlte Auszeit geeinigt.

Schlimme Nachricht kurz vor der Sendung

Auch der Moderator äusserte sich zum Vorfall, der rasch hohe Wellen in den Medien schlug. Gegenüber den «Vorarlberger Nachrichten» sagte Rafreider, dass er vor der Sendung von einem Todesfall erfahren habe. Es handle sich dabei aber nicht – wie vielfach geschrieben wurde – um seinen Vater. Er gibt aber zu: «Ja, ich wäre in der Sendung beinahe kollabiert.» Auch über die Ursache seiner Unpässlichkeit gehen die Meldungen weit auseinander. Vielfach ist von Alkohol die Rede, die Zeitung «Heute» spricht von Beruhigungstabletten, die Rafreider genommen haben soll, um die Sendung durchzustehen. 

Nach der ersten Welle der Häme schlugen sich immer mehr Politiker und auch Kollegen aus der Unterhaltungsbranche auf die Seite von Roman Rafreider und sagten, sie halten die sofortige Suspendierung des Moderators für überzogen. Nun soll Rafreider gemäss seinem Arbeitgeber nach der Auszeit wieder zurückkehren dürfen, sein genauer Einsatzbereich werde dann noch festgelegt. Ob Roman Rafreider wieder vor die Kamera treten darf, ist also noch ungewiss.

Roman Rafreider mit Partnerin Cathy Zimmermann

Roman Rafreider mit Partnerin Cathy Zimmermann in fittem Zustand an einer Gala in Wien. 

imago images / Viennareport
Wie würde SRF reagieren?

Die Schweizer Illustrierte wollte von SRF wissen, ob ein solcher Vorfall auch beim Schweizer Fernsehen vorkommen könnte und wie die Verantwortlichen mit einer solchen Situation umgehen würden. SRF-Personalchef Gerhard Bayard nimmt Stellung. 

Gab es in der Geschichte von SRF jemals einen ähnlichen Vorfall wie den des österreichischen Moderators Roman Rafreider?
Uns sind keine Fälle aus der jüngeren Vergangenheit bekannt. 

Wie sind die Regeln von SRF bezüglich Alkohol?
In der Schweiz haben Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht gegenüber den Arbeitnehmenden – so auch SRF. Diese beinhaltet nach OR 328 nebst der Lohnzahlungspflicht auch Schutz und Fürsorge im Rahmen des Arbeitsverhältnisses. Dazu gehören Schutz von Leib und Leben, Eigentum sowie körperliche, sexuelle und geistige Integrität, die persönliche und berufliche Ehre, die Stellung und das Ansehen des Arbeitnehmers im Betrieb. Der Arbeitgeber hat auch für die Wahrung der Sittlichkeit zu sorgen. Für den von ihnen skizzierten Fall bedeutet dies konkret: Sollte seitens Arbeitgeber die Vermutung bestehen, dass ein/e Arbeitnehmende/r aufgrund von Suchtmitteln – also auch Alkohol – nicht in der Lage ist, seine Arbeit zu verrichten, so muss der Arbeitgeber aufgrund der Fürsorgepflicht dem betroffenen Arbeitnehmenden verbieten, die Arbeitsleistung zu erbringen. 

Wie reagiert SRF, wenn ein Suchtmittelproblem erkannt wird?
Für Betroffene bietet SRF interne und externe Beratungsstellen wie zum Beispiel Movis an, das sich auf Mitarbeitendenberatung und Gesundheitsthemen spezialisiert hat und an das sich betroffene Mitarbeitende oder Vorgesetzte wenden können. Bei SRF gibt es zudem eine Gesundheitskommission, bestehend aus einer Arbeitgeber- und einer Arbeitnehmervertretung, die mehrmals pro Jahr tagt und Fragen sowie Massnahmen rund um die betriebliche Gesundheitsförderung und zur Arbeitssicherheit behandelt. 

Würde ein SRF-Aushängeschild betrunken moderieren – führte das ebenfalls zu einer sofortigen Entlassung?
SRF nimmt keine Stellung zu hypothetischen Fällen. Was jedoch klar ist: In einem ersten Schritt würden Gespräche mit den betroffen Arbeitnehmenden sowie den Vorgesetzten stattfinden. 

Von lme am 19. Dezember 2021 - 19:00 Uhr
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