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Zu lange kinderlos

Rebecca Mir ist schwanger – oder hat Blähungen

Ein Knips, ein Bild auf Insta und schon hagelt es Kommentare. «Hab ich was verpasst? Ich sehe eine kleine Wölbung am Bauch!»: Sätze, die so oder so ähnlich zu Hunderten unter Posts von Rebecca Mir stehen und auf eine Frau unfassbaren Druck ausüben können.

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Maybe, Baby? Rebecca Mir wird konstant schwanger gemacht. 

Getty Images
Berit-Silja Gründlers
Berit-Silja Gründlers

Das deutsche Model Rebecca Mir hat schon so den ein oder anderen Lebenspokal gewonnen. Sei es, dass sie aus ihrer Teilnahme bei «GNTM» ein ansehnliches Promi-Dasein gezaubert hat, bei «Let's Dance» Zweite wurde und sich dann auch noch Tänzer Massimo Sinató, 39, schnappte. Seit acht Jahren sind die beiden nun das deutsche Traumpaar schlechthin. Seit fünf verheiratet. 

Höchste Zeit, das Glücks-Paket zuzuschnüren und ein Schleifchen in Form eines Kindes draufzusetzen. Das finden zumindest die Follower der 28-Jährigen. Seit Jahren, mindestens aber seit ihrer Hochzeit, suchen die nämlich auf jedem, wirklich jedem, Bild ein Babybäuchlein. Ob das Model vielleicht einfach Blähungen, keinen Bock auf Spanx oder ihre Tage hat, das fragt sich niemand. Ist zu hoffen, dass Rebecca Mir über diese Sensibilitätsverweigerer nur müde lächeln kann. Ich für meinen Teil kann das nicht. 

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Los, habt unverhütet Sex!

Ich bin seit rund sieben Jahren, also fast so lange wie Rebecca und Massimo, mit meinem Partner zusammen. Und seit genau sieben Jahren werde ich aus meinem Umfeld mal mehr, mal weniger direkt gefragt, wann wir uns denn jetzt endlich mal fortpflanzen wollen. Runtergebrochen wollen die diversen Kolleginnen und Kollegen, Bekannten oder auch Familienmitglieder uns darauf aufmerksam machen, dass wir unverhütet Sex haben sollen. Ein rechter Eingriff in die Privatsphäre, oder? 

Jetzt ist es so, dass ich nie wirklich Kinder wollte, mein Partner auch nicht und wir sind damit eigentlich sehr zufrieden. Und doch – jedes Mal, wenn jemand mich darauf aufmerksam macht, dass ich Kinder haben SOLLTE, pikst ein kleiner gemeiner Gnom in meinen Bauch und sagt: «Hey, alle finden Kinder toll – du machst einen grossen Fehler.» Der Druck, der Frauen auferlegt wird, schwanger zu werden, ist immens und völlig daneben. Schliesslich schaut niemand in Richtung Penis eines Mannes und sagt: «Ich sehe eine Wölbung. Du solltest Kinder machen.»

Warum wollt ihr Kinder?

Als Frau, die stramm auf die 40 zumarschiert und nie das Gefühl hatte, Kinder zu wollen, löst das ewige Fragen meines Umfeldes manchmal wirkliche Trauer aus. Ich frage mich natürlich dann schon, ob ich einen Fehler mache, ob ich nicht normal bin, nicht so richtig Frau. Mir wird suggeriert, und manchmal auch klar gesagt, ich sei egoistisch. Jeder, der eine Entscheidung für sich trifft, ist egoistisch. Auch Menschen, die Kinder bekommen. Denn es ist ihr Wunsch und den erfüllen sie sich. 

Ein Paar mit Kindern fragt niemand: «Warum habt ihr Kinder?» Geht einem auch nicht so leicht über die Lippen. Versucht das mal. Die Irritation des Gegenübers ist unbezahlbar. Meist fällt ihm oder ihr keine Antwort ein, ausser: «Ja, das will man doch einfach.» Echt? Das ist das Totschlagargument? Auf Nachfragen folgen gern Abhandlungen darüber, dass Kinder das grösste Glück auf Erden und überhaupt unsere Zukunft sind. So im Allgemeinen. Mein grösstes Glück ist die Freiheit, meine Zukunft so gestalten zu können, wie ich es möchte. In meinem Fall ohne Nachkommen. Und ich freue mich für jeden, dessen Wunsch nach einer Zukunft mit Familie in Erfüllung geht. Das darf einfach kein Allgemeinrezept für Glück sein, wenn ihr mich fragt.

Wie schmerzhaft muss es sein, schwanger geredet zu werden

Rebecca Mir ist zarte 28 Jahre alt, war zwanzig, als sie ihren Mann kennenlernte. Ich persönlich feiere die beiden dafür, dass sie ihr Paarsein geniessen und Rebecca sich in Ruhe ihrer Karriere und dem Erwachsenwerden widmen kann. Was ich nicht und auch sonst niemand weiss, ist, ob das Paar nicht schon lange Kinder haben möchte, es aber einfach nicht klappt. Menschen mit einem Minimum an Empathie sollten erahnen können, wie schmerzhaft es sein muss, schwanger geredet zu werden, obwohl man es nicht werden kann. 

Für die, denen dieses Minimum fehlt, hier ein kleines Beispiel: Ihr wollt unbedingt ein grosses leckeres Stück Nussschokolade, die mit den karamellisierten Haselnüssen. Ihr habt aber eine Nussallergie, würdet notabene ersticken. Jenu, lieber leben als Nüsse. Ihr lebt also euer Leben und versucht, euren Heisshunger mit schwarzer Schoggi zu stillen. Auch lecker und für euch lebensrettend. Aber egal, wo ihr hingeht, fragen euch wildfremde Leute, ob ihr nicht endlich ein Stück Nussschoggi haben wollt. Ungeil, oder? Erst ignoriert ihr die Fragenden, brüllt sie vielleicht irgendwann an, bald aber kommt sicher die Trauer wegen eurer Allergie. Warum kann ich keine Nüsse essen, warum ausgerechnet ich?! Das ignorante und dumme Verhalten der anderen hat euch in eine unnötige Traurigkeit manövriert. Für die Fragenden ist die Antwort zudem auch noch völlig irrelevant. 

Denn sind wir mal ehrlich, ob Rebecca Mir schwanger ist oder warum jemand keine Nussschokolade essen kann, verändert jetzt den Lauf der Welt nicht essenziell.

Es nimmt mich wirklich wunder, welche Motivation manch einer hat, solche Gefühle in seinen Mitmenschen auslösen zu wollen. Mit Nichtwissen und Ignoranz will ich ein solches Verhalten nämlich nicht mehr entschuldigen. 

Verratet in den Kommentaren, was euch dazu motiviert, Frauen nach ihrem Kinderwunsch zu fragen. Oder wart ihr auch schon in der Situation, in der ihr eure Familienplanung rechtfertigen musstet? Wie war das für euch? Teilt es uns in den Kommentaren mit.

Von Berit-Silja Gründlers am 31.07.2020
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