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«Eine Firmenkultur von Frauenfeindlichkeit»

Topmodels setzen Victoria's Secret unter Druck

Die Chefetage des Modelabels Victoria's Secret kommt aus den Negativschlagzeilen nicht raus. Nun widmete sich eine Allianz zum Schutz von Models in einem offenen Brief mit klaren Forderungen an das das Unternehmen.

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Model Andi Muise wirft der Führungsetage von Victoria's Secret gemeinsam mit zahlreichen anderen Models vor, nichts gegen Belästigungen zu machen. 

Getty Images

Wie lange braucht es, damit die Führungsetage des Dessous-Herstellers Victoria's Secret Massnahmen zum Schutz seiner Models und Mitarbeiter ergreift? Zu lange, findet die «Model Alliance», ein Bündnis, das die Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter der Modebranche verbessern und seine Mitglieder vor Ausbeutung und Missbrauch schützen will. 

Eine Reportage der «New York Times» deckte im letzten Jahr drastische Missstände im Unternehmen auf. Insbesondere die Führungsetage geriet in die Kritik. Namentlich CEO Leslie «Les» Wexner soll über Jahre den Missbrauch und die sexuelle Gewalt gegen Models ignoriert und das Label mit einer «Kultur von Frauenfeindlichkeit, Mobbing und Belästigung» geführt haben, schreibt die Zeitung. 

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Sollen den Missbrauch über Jahre verdeckt und akzeptiert haben: Les Wexner (links) und Ed Razek.

Getty Images

Bella Hadid unter den Opfern von Razek

Besonders gegen Wexners rechte Hand Edward Razek, 71, wiegen die Vorwürfe schwer. Er soll versucht haben, Models gegen ihren Willen zu küssen. Auch soll er die jungen Frauen darum gebeten haben, sich auf seinen Schoss zu setzen. Im Zuge der Victoria's Secret Fashion Show 2018 soll er einem Model sogar ungefragt in den Schritt gefasst haben. 

Die «Times» führte Interviews mit mehr als 30 gegenwärtigen und ehemaligen Führungskräften, Mitarbeitern, Auftragnehmern und Models und hatte Einsicht  in Gerichtsakten und andere Dokumenten. Auch Topmodel Bella Hadid, 23, gibt an, von Razek belästigt worden zu sein. In der Umkleidekabine einer Victoria's Secret Modeshow soll er sie aufgefordert haben: «Lass das Höschen weg!»

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Bella Hadid soll Backstage während einer Fashion Show belästigt worden sein.

Dukas

Victoria's Secrets will keine Massnahmen ergreifen

Die «Model Alliance» traf sich nach dem Bekanntwerden der Zustände vor fünf Monaten mit den Führungspersonen von Victoria's Secret und forderte, dass das Unternehmen konkrete Massnahmen ergreift um seine Mitarbeiter und Models besser zu schützen. Das sei abgelehnt worden, ist nun in einem offenen Brief auf der Webseite der Allianz zu lesen. Gezeichnet ist das Schreiben von Topmodels wie Christy Turlington, 51, Gemma Ward, 32, sowie Amber Valletta, 45.

Tammy Roberts, COO von L Brands, dem Mutterhaus von Victoria's Secret, habe in einem persönlichen Gespräch und einem anschliessenden Mail klargemacht: «Die Firma wird keine Massnahmen ergreifen, vielmehr wollen wir konstant zuhören und lernen.» 

Die «Model Alliance» bezeichnet diese Aussagen als inakzeptabel. «Die Zeit des Zuhören ist vorbei. Es ist höchste Zeit für Victoria's Secret, aktiv zu werden, um die Menschen, von denen sie profitieren, zu schützen. Eine Neupositionierung der Marke gegen Aussen stoppt keine Menschenrechtsverletzungen.»

Von Berit-Silja Gründlers am 07.02.2020
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