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Präsentiert von Vier Pfoten

So sehr leiden Tiere unter Fast Fashion

Billig produzierte Kleider überschwemmen den Markt. Für die Tiere, deren Wolle, Daunen oder Felle in diesen Produkten landen, bedeutet das oft Schmerz und Leid. Vier Pfoten erklärt, an welchen Standards man sich orientieren kann und welche tierwohlgerechte Alternativen es gibt.

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4 Pfoten Fast Fashion

Auf einer Farm in Australien stehen Lämmer bei ihren Muttertieren – kurz nach dem schmerzhaften Eingriff im Rahmen des sogenannten Mulesing, bei dem Haut am Hinterteil entfernt wird, um Fliegenbefall zu verhindern.

Four Paws

Fast Fashion boomt. Temu und Shein überfluten den Markt mit Billigware, ein Pullover kostet teils weniger als ein Fünfliber. Den Preis dafür zahlen Millionen Tiere, deren Wolle, Daunen oder Felle in der globalen Modeindustrie landen.

«Mode wird immer schnelllebiger, und die Lieferketten werden immer globaler. Es ist mittlerweile sehr schwer, den Überblick zu haben, woher ein Material kommt und unter welchen Bedingungen ein Tier gehalten wird», sagt Leony Malthaner, Kampagnenverantwortliche für den Bereich Textilien bei Vier Pfoten Schweiz. Die Tierschutzorganisation will mit der Kampagne «Wear It Kind» das Leid der Tiere aufdecken, die in der Textil- und Modeindustrie genutzt werden.

«Speziell bei Billigmode ist die Chance leider sehr gross, dass keinerlei Tierschutzauflagen eingehalten werden», sagt Malthaner. Das liege auch daran, dass Zertifizierungen, die ein Mindestmass an Tierwohl garantieren, Geld kosten. Es braucht Kontrollen, Rückverfolgbarkeit und Prüfungen der Betriebe. Und je billiger ein Kleidungsstück verkauft wird, desto grösser ist der Druck, Produktionskosten einzusparen. «Shein ermutigt seine Lieferanten zwar, sich an anerkannten Standards zu orientieren, aber es ist keine Voraussetzung», sagt Malthaner. Doch auch Mode in höheren Preissegmenten garantiert nicht automatisch mehr Tierwohl.

Tierfreundliche Mode ist die einzige Mode

Mit der «Wear It Kind»-Kampagne verfolgt Vier Pfoten das Ziel, Konsumentinnen und Konsumenten für das Tierwohl in der Modeindustrie zu sensibilisieren und alltagstaugliche Lösungen aufzuzeigen. Gemeinsam können wir die Modeindustrie dazu bewegen, das Wohl der Tiere zur Priorität zu machen – indem wir Marken wählen und bevorzugen, die sich für eine tierfreundliche Zukunft der Mode einsetzen. Nutze den «Wear It Kind»-Markenkompass, um engagierte Marken zu entdecken und herauszufinden, bei welchen Modemarken noch Handlungsbedarf in Sachen Tierwohl besteht.

Markenkompass checken

Lämmer werden für die Produktion von Merinowolle verstümmelt

Auch in der Wollindustrie kommt es immer wieder zu gravierenden Missständen. «Die Schur der Schafe kann sehr brutal ausfallen», sagt Malthaner. Oft fehle es an Schmerzlinderung, etwa bei medizinischen Eingriffen. Besonders drastisch zeigt sich das beim sogenannten Mulesing, wobei der Begriff Lämmerverstümmelung passender sei.

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Merinoschafe wurden mit immer mehr Hautfalten gezüchtet, um so den Wollertrag zu steigern.

Alamy Stock Photo

Merinoschafe wurden jahrzehntelang selektiv gezüchtet, damit sie mehr und feinere Wolle produzieren. Durch diese Zucht entwickeln sie überschüssige Haut, die mehr Oberfläche für Wollwachstum bietet. Doch diese überschüssigen Hautfalten werden zu einem Hotspot für Fliegen. «Bei der Lämmerverstümmelung werden junge Merinolämmer im Alter von zwei bis zwölf Wochen meist ohne ausreichend Betäubung am Hinterteil beschnitten. Die Haut wird entfernt, um einen möglichen Befall mit Fliegenmaden zu verhindern, denn Narbengewebe ist weniger anfällig dafür», sagt Malthaner.

Australien ist das einzige Land, das diese grausame Praktik noch erlaubt. Das Problem: 70 bis 90 Prozent der feinen Merinowolle, die in der weltweiten Bekleidungsindustrie verwendet wird, stammen aus Australien. «Uns ist es ein grosses Anliegen, die australische Regierung dazu zu bewegen, dass diese Praxis endlich verboten wird», sagt Malthaner. «Es gibt längst Alternativen, wie zum Beispiel die Zucht von robusteren Rassen, die weniger Hautfalten haben und somit weniger anfällig sind.»

Verstümmelung von Lämmern stoppen

Vier Pfoten will die grausame und veraltete Praxis der Lämmerverstümmelung ein für alle Mal beenden. Unterzeichne die Petition, und fordere Unternehmen und die australische Regierung dazu auf, Mulesing zu verbieten. Es gibt tierfreundliche Alternativen zu dieser Tortur. Die Verstümmelung von Lämmern hat keinen Platz in einer mitfühlenden, modernen Gesellschaft.

Petition unterschreiben

2021 05 14 | Merinoschafe auf einer Weide in Baden Würtemberg 2021;05;13: Deutschland; Baden Würtemberg; Gomadingen: Die Merinoschafe und Île de françe Schafe zusammen auf einer Weide nahe der Ortschaft Gomadingen. Die Schäferei von Mackensen ist ein Demeter Betrieb in Gomadingen.
Bente Stachowske

Ebenfalls weit verbreitet sind Missstände bei Ziegen. «Die Schur ist für die Tiere häufig mit Stress und Panik verbunden, und es kann dabei zu Verletzungen kommen», sagt Malthaner. Auch die Gewinnung von Kaschmir kann brutal ausfallen. «Kaschmirziegen wird das feine Unterfell häufig mit scharfen Metallkämmen herausgerissen, das verursacht Schmerzen und kann zu Infektionen führen. Häufig fehlt es dann an ärztlicher Behandlung. Zudem werden die Grundbedürfnisse der Tiere oft vernachlässigt, einschliesslich des Zugangs zu einem Unterstand, zu angemessenem Futter oder ärztlicher Behandlung.»

Lebendrupf in der Daunenindustrie

Ein gravierendes Problem sieht Vier Pfoten auch in der Daunenindustrie. Beim Lebendrupf werden Gänsen und Enten die weichen Daunen bei lebendigem Leib und vollem Bewusstsein aus dem Körper gerissen. «Für die Tiere ist das extrem schmerzhaft», sagt Malthaner. «Diese Prozedur kann zu Knochenbrüchen und Hautverletzungen führen. Manche Tiere müssen sie mehrmals über sich ergehen lassen, bevor sie geschlachtet werden.»

Poland | 2011 07 |

Das Rupfen von lebendigen Gänsen ist nach wie vor verbreitet.

Vier Pfoten

Dieses Problem besteht vor allem auf sogenannten Elterntierbetrieben, in denen Gänse und Enten für die Zucht und Produktion von Nachwuchs gehalten werden. Viele Länder verbieten den Lebendrupf. «Jedoch stammen bis zu 90 Prozent der globalen Daunen aus China. Und dort gibt es keine Tierschutzgesetzgebung, die Gänse und Enten genügend schützen würde», erklärt Malthaner. «Leider gibt es zurzeit auch keinen Zertifizierungsstandard für Daunen, der Tierleid verlässlich ausschliessen kann. Die tierfreundlichste Wahl beim Kleiderkauf sind somit pflanzliche oder rezyklierte synthetische Alternativen zu Daunen.»

Tierwohlstandards garantieren ein Mindestmass an Tierwohl

Damit Konsumentinnen und Konsumenten überhaupt eine Chance haben, tierleidfreie Produkte zu erkennen, braucht es unabhängige Zertifizierungen. Doch welche Labels bieten wirklich ein Mindestmass an Tierwohl, und welche greifen zu kurz?

Bei Merinowolle kann man sich an vier Standards orientieren: Responsible Wool Standard, ZQ, Nativa und Sustainable Cape Wool Standard. «Diese Labels schliessen Lämmerverstümmelung relativ verlässlich aus», sagt Malthaner. Für Mohair, Alpakawolle oder Kaschmir existieren ebenfalls Tierwohlstandards, die ein Mindestmass an Schutz garantieren.

Wichtig sei aber nicht nur ein Label, sondern auch die Haltung der Modeunternehmen selbst. Mit dem «Wear-It-Kind»-Markenkompass bewertet Vier Pfoten bereits über 300 Modemarken aus verschiedenen Segmenten danach, wie ernst sie Tierschutz nehmen. «Man kann dort schnell nachschauen, ob die Lieblingsmarke etwas für mehr Tierwohl unternimmt oder tatenlos bleibt», erklärt Malthaner. Der Markenkompass wird laufend mit neuen Modeunternehmen ergänzt.

Tierfreie Alternativen boomen

Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten ist es wichtig, ein Produkt zu tragen, für das kein Tier leiden musste. Eine Auswahl an Alternativen besteht und wächst laut Leony Malthaner stetig. «Biobaumwolle, recycelte Baumwolle oder Hanf eignen sich für Strickmode und wärmende Zwischenschichten. Es gibt mittlerweile sogar einen pflanzlichen Ersatz für Kaschmir, der aus einem Sojabrei hergestellt wird. Einen guten Ersatz für Daunen bieten rezyklierte synthetische Fasern.»

Tierfreundlicher einkaufen gehe auch mit kleinem Budget. «Weniger kaufen, dafür bessere Qualität», rät Malthaner. Hochwertige Kleidungsstücke halten länger und schonen langfristig auch das Portemonnaie. Auch das Reparieren und Upcycling seien einfache Möglichkeiten, um Tierleid zu vermeiden.

Alternativen zu tierischen Materialien

Es war noch nie so einfach, einen Kleiderschrank mit tierfreundlicher Mode zu haben. Täglich kommen mehr innovative Alternativen auf den Markt. Nutze den «Wear it Kind»-Ratgeber, um mehr über tierleidfreie Textilien und Materialien zu erfahren.

Zum Einkaufsratgeber

Modebranche steht an einem Wendepunkt

Trotz aller Herausforderungen zeigt sich: In der Fashionindustrie bewegt sich etwas. Immer mehr Modemarken überprüfen ihre Lieferketten, setzen auf strengere Standards oder verzichten ganz auf besonders problematische Materialien. «Auch aus den internationalen Fashion Weeks werden Echtpelz oder Exotenleder zunehmend verbannt, und tierfreie Kollektionen werden sichtbarer», sagt Malthaner.

Die Kampagnenverantwortliche im Bereich Textilien bei Vier Pfoten Schweiz sieht darin den Anfang eines längst überfälligen Wandels. «Tierwohl gewinnt an Bedeutung, sowohl für Konsumentinnen und Konsumenten als auch für Unternehmen. Viele Marken merken, dass sie besser werden müssen, und wollen diesen Schritt auch gehen.» Gleichzeitig mahnt sie, dass Veränderung Zeit braucht: «Die Lieferketten sind komplex, und nicht alles lässt sich von heute auf morgen umstellen. Aber das Momentum ist da.»

Ihr Fazit fällt trotz aller Missstände optimistisch aus: «Wir alle haben es in der Hand, die Zukunft der Mode tierfreundlicher zu gestalten. Jede bewusste Kaufentscheidung sendet ein Signal», sagt Malthaner. «Wenn wir klar zeigen, dass Tierwohl für uns keine Option, sondern eine Bedingung ist, dann folgt die Industrie diesem Anspruch.»

am 12. Januar 2026 - 00:00 Uhr