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Neue Details im Sexskandal um Prinz Andrew

«Ich musste ihn glücklich machen – es war widerlich»

Die Schlinge um Prinz Andrews Hals im Skandal zieht sich enger. Sein mutmassliches Opfer, Virginia Roberts, berichtet detailliert über die Nacht, in der der britische Royal mit der damals 17-jährigen Sex gehabt haben soll.

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Virginia Roberts spricht mit der «BBC» detailliert über den mutmasslichen Missbrauch durch Prinz Andrew.

BBC

Am späten Montagabend strahlte der britische Sender «BBC» ein erschütterndes Interview aus. Im Zentrum steht Virginia Roberts. Die 35-Jährige soll als Teenager von Jeffrey Epstein, †66, und seiner Komplizin Ghislaine Maxwell, 57, an den britischen Prinzen Andrew, 59, für sexuelle Dienste vermittelt worden sein. 

Detailliert berichtet Roberts, die damals noch Giuffre hiess, wie sie 2001 und 2002 im Alter von 17 Jahren dreimal zum Sex mit dem Royal gezwungen worden sei. Demnach sei sie dem Prinz in einem Londoner Nachtclub vermittelt worden. Andrew habe ihr Wodka zu trinken gegeben und dann mit ihr tanzen wollen. 

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Prinz Andrew mit seiner Frau Sarah Ferguson und den beiden Töchtern Beatrice und Eugenie in den Winterferien 2001. Im selben Jahr soll der Royal die 17-jährige Virgina Guiffre missbraucht haben.

Danapress

«Sein Schweiss regnete überall hin»

«Er ist der abscheulichste Tänzer, den ich in meinem ganzen Leben gesehen habe. Es war schrecklich», sagte Roberts im Interview. «Er hat so stark geschwitzt – es regnete praktisch überall hin». Sie habe sich davor geekelt: «Aber ich wusste, ich musste ihn glücklich machen.»

Das sei die Erwartung von Maxwell an sie gewesen. «Sie sagte mir, ich solle für den Prinzen das tun, was ich auch für Epstein tue.» Die junge Frau sei gedrängt worden, mit Andrew Sex zu haben: «Ich wusste, ich muss ihn glücklich machen. Doch es war widerlich. Nach dem Akt ist er aufgestanden, sagte danke und ging. Ich fühlte mich schmutzig», so Roberts weiter. 

«Eine beängstigende Zeit»

Die Britin weiss, dass sie es mit einem mächtigen Gegner zu tun hat. Das britische Volk steht zumeist sehr hinter seinen Royals. So flehte sie die Zuschauer regelrecht an, ihr zu glauben. «Das ist keine schmutzige Sexgeschichte. Dies ist eine Geschichte über Missbrauch.» Sie forderte die britische Öffentlichkeit auf, sie zu unterstützen. Sie sei ein Opfer von Menschenhandel geworden. «Das war eine wirklich beängstigende Zeit», so Roberts weiter.

Prinz Andrews damaliger Freund und vermeintlicher Drahtzieher hinter dem Skandal um den Royal ist tot. Jeffrey Epstein erhängte sich im August dieses Jahres in seiner Gefängniszelle. Epstein und seine Komplizin Ghislaine Maxwell sollen zahlreiche Minderjährige zum Sex und zur Prostitution gezwungen haben. So habe das Duo Mädchen an Epsteins berühmte und einflussreiche Freunde vermittelt. Der Amerikaner wurde 2008 zu einer Haftstrafe verurteilt, weil er Minderjährige zur Prostitution gezwungen hatte. Er gestand zwei seiner Taten. 

Auch nach dieser Verurteilung brach Prinz Andrew den Kontakt zu Epstein nicht ab.

Niemand steht über dem Gesetz

Die «BBC» nimmt den Sohn von Queen Elizabeth, 93, auch in diesem Interview wieder mächtig in die Mangel. Niemand stehe über dem Gesetz. Auch kein britischer Prinz. Das nächste Mal, wenn Andrew über den Fall Epstein aussage, so der Moderator, sei dies möglicherweise als Zeuge unter Eid. Laut «BBC» verlangen die Anwälte von fünf Epstein-Opfern, dass der Prinz in Gerichtsverhandlungen verhört werde.

In einem peinlichen Interview behauptete Prinz Andrew, Virginia Guiffre nie gekannt zu haben. Das Bild, das den Royal und den Teenager Arm in Arm zeigt, sei gefälscht. Doch zu den happigen Vorwürfen der Britin präsentiert die «BBC» auch noch ein E-Mail des Prinzen aus dem Jahr 2015 an Ghislaine Maxwell. «Sag mir, wann wir reden können. Ich habe einige spezifische Fragen, die ich dir über Virginia Roberts stellen möchte», soll Andrew geschrieben haben.

Anklage gegen Andrew noch unklar

Die New Yorker Staatsanwälte hatten nach Epsteins Suizid wiederholt angekündigt, dass die Ermittlungen gegen Verdächtige weitergingen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass daraus neue Anklagen entstehen. Ob auch direkt gegen Andrew ermittelt wird, ist unklar. Momentan wirft keine Behörde Prinz Andrew Fehlverhalten vor, jedoch muss er bei einer Einreise in die USA damit rechnen, von den Behörden zum Fall Epstein befragt zu werden.

Doch auch Scotland Yard will eine Anzeige wegen Menschenhandels zur sexuellen Ausbeutung gegen Epstein und Maxwell nicht weiter verfolgen. Die mutmasslichen Straftaten hätten sich grösstenteils ausserhalb Grossbritanniens ereignet. Es fehle die Zuständigkeit. Anzeige hatte laut «BBC» Giuffre erstattet. 

Wann reagiert die Queen?

Das britische Königshaus hat derweil auf die Vorwürfe reagiert. Die Königin entliess ihren Jüngsten aus all seinen öffentlichen Ämtern und sagte auch die Party zu seinem 60. Geburtstag ab. Dennoch, dem Volk scheint das nicht genug. Die Hälfte der Briten sind laut einer Umfrage der «BBC» davon überzeugt, dass Andrew in seinem Interview gelogen habe. 

Sie fordern sogar die Abdankung des Prinzen. Wie lange sich die Queen noch wortlos hinter Pressemitteilungen verstecken kann, ist fraglich. Ihre Untertarnen jedenfalls wünschen sich eine Stellungnahme ihres Oberhauptes.

Von Berit-Silja Gründlers am 03.12.2019
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