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Annina Euling und Barbara Grimm

Bei «Wilder» und im echten Leben eins

In der aktuellen SRF-Krimistaffel stehen Annina Euling und Barbara Grimm erstmals gemeinsam vor der Kamera. Dabei revanchiert sich die Tochter bei der Mutter. Die riet ihr einst, sich an der Schauspielschule durchzuboxen.

Barbara Grimm und Annina Euling, Schauspielerinnen, Wilder 4. Staffel, Solothurn, SI 01/2022

Faszinierend: Bühnenluft schnuppern Mutter und Tochter schon seit Jahren, auch am Stadttheater Solothurn spielten beide schon.

Kurt Reichenbach

Es geht wieder mörderisch zu bei «Wilder» – und mittendrin in der letzten Staffel des SRF-Quotenhits Annina Euling, 30, und Barbara Grimm, 67. Die Junge spielt die Dorflehrerin Isabelle, deren Mann mysteriös ums Leben kommt; die Ältere verkörpert Isabelles Mutter. Eins eint beide – sie hüten ein Geheimnis aus der Vergangenheit.

Barbara Grimm und Annina Euling, Schauspielerinnen, Wilder 4. Staffel, Filmszene, SI 01/2022

Rätselhaft: Annina Euler (vorn) und Barbara Grimm mit Sarah Spale und Pierre Siegenthaler am Set von «Wilder».

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Barbara Grimm und Annina Euling sind auch abseits der Kamera Mutter und Tochter, sie eint die Liebe zur Schauspielerei. Wobei die Leidenschaft für beide einst Leiden bedeutete: Grimm hadert zunächst mit ihrer Ausbildung am Berner Konservatorium für Musik und Schauspiel, will am liebsten abhauen. In ihrer Jugend spielte sie Schultheater, «was mir viel Freude bereitete». Sie besuchte zunächst die Handelsschule, «mit drei Sprachen Steno wäre ich wohl Direktionssekretärin geworden». Ihr Herz will etwas anderes. Nachdem sie sich «mehr schlecht als recht» an der Schauspielschule durchgekämpft hat, erhält sie in Deutschland erste Engagements. Drei Jahre steht sie auf der Bühne, spielt Shakespeare – «die Leute freuten sich wie Bolle». Für Grimm der Moment, «wo ich merkte, das ist mein Beruf».

Auch Tochter Annina hadert. Schon als Fünfjährige spielt sie in Freiburg im Breisgau in der Oper «Madame Butterfly» den kleinen Jungen. Das Jugendamt verbietet ihr die Abendvorstellungen. Trotzig und mit Tränen in den Augen schimpft Annina: «Diese Halunken sollen verfrieren und verhungern.»

Annina, die sich bei der Aufnahmeprüfung an der Zürcher Hochschule der Künste unter Hunderten Mitbewerbern durchsetzt, plagen ein halbes Jahr später Zweifel, ob sie weitermachen soll. «Bis dahin spielte ich intuitiv, plötzlich aber gabs Regeln.» Noch mit 13, als sie im Film «Schönes Wochenende» mitspielte, bekam sie zu hören: «Du hast echt Talent, spielst aus dem Bauch heraus. Geh bloss nicht auf eine Schauspielschule, die versauen dich.»

Die Mutter spricht der Tochter Mut zu. Ermuntert sie: «Du hast dich unter so vielen Bewerbern durchgesetzt, hast dir den Platz verdient! Box dich durch!» Annina beherzigt den Rat. «Wir haben ein sehr inniges Verhältnis, kennen uns so gut. Dafür bin ich sehr dankbar.»

Barbara Grimm und Annina Euling, Schauspielerinnen, Wilder 4. Staffel, Solothurn, SI 01/2022

Stürmisch: Annina und Barbara auf der Kreuzackerbrücke in Solothurn.

Kurt Reichenbach

Annina revanchiert sich am Set von «Wilder» mit Tipps. Bereits im Casting, wo sich ihre echte Mutter gegen weitere mögliche Darstellerinnen durchsetzen muss. «Bei ihr habe ich keinerlei Berührungsängste», sagt Annina. Barbara Grimm fühlt sich vor allem auf Theaterbühnen wohl, Annina dagegen fand beim Film ihr Glück. Sie lebt heute in Köln, war schon im «Tatort» zu sehen, spielte an der Seite von Schauspielgrössen wie Bruno Cathomas, Nils Althaus und Jörg Schneider. 2019 erhielt sie in Solothurn den Schweizer Fernseh-Filmpreis für ihre Hauptrolle im Drama «Weglaufen geht nicht».

Ein Geheimnis hat das Mutter-Tochter-Duo. Wenn Annina zu Besuch nach Solothurn kommt, spazieren beide zur Verenaschlucht. Ein mystischer Kraftort. Grimm: «Da zünden wir eine Kerze für unsere Leute an, die nicht mehr da sind. Unser kleines Ritual.»

Von René Haenig am 8. Januar 2022 - 17:00 Uhr
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