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  4. Bechvolleyballerin Joana Heidrich und Eishockeyaner Stefan Mäder über ihre Beziehung

Joana Heidrich & Stefan Mäder

Eine Sportlerliebe zwischen Sand und Eis

Mit Anouk Vergé-Dépré wird Joana Heidrich Europameisterin im Beachvolleyball. Ihr Leben teilt die Zürcherin aber mit Eishockeyprofi Stefan Mäder. Er bringt die Ruhe mit, sie die Emotionen.

Joana Heidrich, Beachvolleyball-Spielerin, 2020

«Eigentlich gibt es viel, das gegen uns spricht», sagt Stefan Mäder. Doch er und Joana Heidrich sind seit eineinhalb Jahren glücklich.

Fabienne Bühler

Es stürmt und regnet, der kalte Wind kriecht unter die Jacken, die für den Kälteeinbruch viel zu dünn sind. Doch Joana Heidrich, 29, und Stefan Mäder, 30, stört das nicht. Er spielt beim HC Ajoie in einer der kältesten Eis­hockey-Hallen der Schweiz. Und sie wurde gerade Europameisterin, am Turnier in Lettland, bei dem ein Sturm die ganze Beachvolley-Anlage am Meer überflutet hat. Gut, gibts gegen die Kälte noch ein Mittel: kuscheln. Sowie beim Karussell blödeln, das vor der «Geerlisburg» steht, dem ein­zigen ­Restaurant im Dorf Gerlisberg bei Kloten ZH, wo Heidrich aufgewachsen ist. Am Abend gibts ein Raclette mit ­ihrer Familie.

Für die Beachvolleyballerin ist die Saison nun zu Ende – bei Freund Mäder beginnt sie gerade. Und das wird immer so sein. «Als wir vor anderthalb Jahren zusammenkamen, war uns bewusst, dass wir wohl viele Jahre lang keine Ferien zusammen machen können», sagt der Emmentaler. «Eigent­lich gibt es viel, was gegen uns spricht.» 

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epa08683966 Anouk Verge-Depre (left) and Joana Heidrich of Switzerland react during their women's 1st place match against Kim Behrens Cinja Tillmann of Germany at the 2020 CEV Beach Volleyball European Championships in Jurmala, Latvia, 20 September 2020.

Die Krönung: Anouk Vergé-Dépré (l.) und Joana Heidrich holen im September den EM-Titel im Beachvolleyball.

keystone-sda.ch

Es nicht zu versuchen, war dennoch keine Option, nachdem sie sich über Facebook und gemeinsame Kollegen Anfang 2019 kennengelernt und verliebt hatten. Nach zwei Treffen flog Heidrich gleich für drei Wochen ins Trainingslager nach Brasilien. «Wir haben von Anfang an immer offen über alles geredet und Probleme angesprochen. Das ist ein grosses Plus», sagt sie, die mit 1,90 Metern ein Zentimeter kleiner ist als ihr Freund. 

Und dann kam im Frühling Corona. Die Wettkämpfe fielen aus, die beiden hatten plötzlich viel Zeit füreinander. Konnten im Sommer sogar gemeinsam Ferien machen, im Ferienhäuschen von Heidrichs Eltern in Kroatien. Die Probe aufs Exempel für ihre Beziehung. «Es war sehr, sehr schön», schwärmt sie. Acht Wochen lang wohnt Mäder bei Heidrich in Bern. Dort trainiert sie im Beachcenter und wohnt mit ihrem jüngeren Bruder Adrian zusammen, der ebenfalls Beachvolleyball spielt. Mäder lebt sonst im Jura in der Nähe von Porrentruy, wo er in der Swiss League spielt. Er hat unter anderem auch deshalb allein eine Wohnung, ­damit das Paar in der wenigen gemeinsamen Zeit Ruhe hat. Dann brauchen sie nicht mehr viel Action, meist ist für ­einen der beiden Regeneration angesagt. «Das gegenseitige Verständnis dafür ist riesig», betonen beide.

Joana Heidrich, Beachvolleyball-Spielerin, 2020

Ein bisschen Spass muss sein: Auf dem Karussell vor dem Restaurant Geerlisburg bei Kloten ZH blödelt das Paar.

Fabienne Bühler

Ansonsten ergänzen sie sich eher – Stefan ist der Ruhigere, Überlegtere, Gelassenere. «Ich frage mich manchmal, wie er das macht», lacht Joana, «ich würde an seiner Stelle manchmal etwas zerschlagen.» Sie selbst ist ein emotionaler Mensch. Dies teilt sie mit ihrer Sportpartnerin Anouk Vergé-­Dépré, 28. «Wir sind beide ex­trem ähnliche Charaktere, sehr direkt, sehr emotional. Und wir leben das auch, was ja positiv ist», sagt Heidrich. 

Das macht das Zusammenspielen nicht immer einfach, zumal die beiden teilweise über Wochen hinweg 24 Stunden pro Tag zusammen sind und selbst das Zimmer teilen. Nun haben sie in den vergangenen Monaten intensiv mit ihrer Mentaltrainerin gearbeitet. Damit sie die positiven Emotionen, die sie ­antreiben, mitnehmen und mit den gegen­seitigen Macken besser umgehen können. «Ich finde, wir haben das sehr gut gemacht, wir hatten es super. Wir kennen uns nun noch besser und reden noch offener darüber, was uns gerade belastet.»

Und ist Joana aufgewühlt, ruft sie Stefan an, der ihr zuhört und alles ­relativieren kann. «Es ist megaschön. jemanden zu haben, der einen versteht – und auch das Sportbusiness», so Heid­rich. Der nächste grosse Traum: zusammenziehen. Doch das haben sie auf die Zeit nach den Olympischen Spielen im Sommer 2021 verschoben. Deshalb setzen sie vorerst kleinere Ziele: Heidrich ist nicht mehr auf dem Eis gestanden, seit sie zwölf war. «Diesen Winter musst du mich unbedingt mitnehmen.»

Von Eva Breitenstein am 09.10.2020
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