1. Home
  2. People
  3. Swiss Stars
  4. René Schudel: «Mit mir zusammenleben ist unmöglich»

TV-Koch René Schudel im Interview

«Ich bin Single, lebe aber nicht enthaltsam»

René Schudel ist leidenschaftlicher Freiluft-Koch und liebt es, in seiner TV-Show den verschiedensten Nahrungsmitteln auf den Grund zu gehen. Im Interview mit schweizer-illustrierte.ch spricht der 42-Jährige darüber, warum man Gerichte verstehen muss, bevor man sie kocht und warum er völlig ungeeignet für eine Partnerschaft ist.

Placeholder

René Schudel ist seit zwei Staffeln Star der Serie «Schudel's Food Stories» auf Pro Sieben Schweiz. 

ZVG

René Schudel, du kommst heute mit der zweiten Staffel deiner Show «Schudel’s Food Stories» raus. Worum gehts?
Wir gehen an den Ursprung der Produkte und der Menschen, deren Herz für diese schlägt. In der ersten Folge geht es zum Beispiel um Chrigu, der ist ein Austern-Freak. Er liebt das so sehr, dass er neben seinem normalen Job noch einen kleinen Austern-Wagen hat, mit dem er auf dem Markt in Bern steht. Er hat mich mitgenommen nach Frankreich und wir durften mit dem Austernbauer zu ihren Zuchtbänken. Da kommt man normalerweise nicht so einfach hin. Solche Menschen sind das Epizentrum von guten Produkten und von unserer Sendung. 

Ist es dir ein Anliegen, dass Konsumenten verstehen, woher Produkte kommen?
Ich finde, das Rezepte egal sind, wenn man die Geschichte dahinter kennt. Es ist wichtig, das Essen zu verstehen, denn wenn ein Gericht Sinn macht, dann können wir es auch kochen. Zubereitungen von Nahrungsmitteln haben ursprünglich immer einen rationalen Grund. Nichts passiert einfach so. Zum Beispiel die Meiringer Meringue. Es heisst, dass einer zu viel aufgeschlagenes Eiweiss hatte und es an einen warmen Ort an die Seite gestellt hat. Plötzlich hatte er Meringues und das Eiweiss war haltbar, geniessbar und verwertet.

Mehr für dich

Du warst auch in Indien unterwegs, was hat dich am meisten beeindruckt?
Mich zog es schon sehr lange nach Indien, da ich mich ja für das Kochen im Freien interessiere. Ich wollte der Machart der Tandooriöfen auf den Grund gehen. Als ich dann bei einem Baumeister war, hat der mich erst einmal ausgelacht. Ich dachte, das geht recht einfach, der Typ hat mich dann schnell eines Besseren belehrt. Mich hat auch total beeindruckt, wie unglaublich respektvoll Inder mit Essen umgehen. Das steht für die Menschen an oberster Stelle und vereint das Land. Ich meine, Indien ist wahnsinnig gegensätzlich. Arm, Reich, Stadt, Land — die trennen Welten. Aber beim Essen sind sich alle einig und sind alle vereint. Das ist toll.

In welchen Ländern würdest du noch gerne Kochen?
Mich reizt die mexikanische Küche wahnsinnig, darum würde ich gerne mal dorthin. Aber auch Patagonien finde ich spannend. Dort im Outback und der Natur zu kochen, wäre ein Traum. 

Wie geht es dir aktuell in Zeiten von Corona als Gastronom?
Es macht mich traurig zu sehen, dass unser Restaurant, das sonst immer offen ist, geschlossen bleiben muss. Mir fehlen das Klirren des Geschirrs, das Stimmengewirr, der Dampf der Töpfe, meine Mitarbeiter und die Gäste. Aber so geht es allen Gastronomen im Moment und geteiltes Leid ist halbes Leid. Für mich wäre es allerdings schrecklich, wenn wir mit einer Zwischenlösung aufmachen müssten. Das heisst, eine Beschränkung der Anzahl Gäste oder wenn das Servicepersonal Mundschutz tragen müsste. Ich möchte nicht derjenige sein, der Stammgästen ein Bier an der Bar verweigern muss, weil schon zu viele Menschen im Raum sind. Ich verstehe, dass es diese Massnahmen braucht, aber da würde ich lieber noch einen Moment länger geschlossen haben, als meine Gäste unter solchen Umständen zu empfangen. Es wäre auch aus wirtschaftlicher Sicht überhaupt nicht sinnvoll, denn ich kann ja nicht plötzlich auf Sandwiches umstellen, wenn ich vorher schöne Menüs angeboten habe. Der Umsatz wird sinken, die Kosten, besonders die Miete, bleiben aber dieselben. Das ist für mich nicht realistisch. Im Moment hoffe ich aber fest, dass wir ab dem 8. Juni wieder normal geöffnet haben können.

Wie vertreibst du dir die Zeit während des Lockdown?
Wir arbeiten trotz der Einschränkungen viel. Ich habe im Januar noch eine neue Mitarbeiterin eingestellt, die am 1. April plötzlich vor der Tür stand und anfangen wollte. Wir konnten ihr ja keinen Computer kaufen, darum mussten wir uns da erst einmal organisieren und sie einarbeiten. Ich habe auch sonst noch einiges erledigt, das immer zu kurz kam: Zum Beispiel Rezeptskizzen aufgearbeitet, die schon ewig rumliegen. Darum stand ich echt viel in der Küche und habe Sachen ausprobiert. Ich bereite mich mit den neuen Gerichten schon auf die Zeit nach dem Lockdown vor. 

Placeholder

In Indien war René Schudel begeistert von der Liebe der Menschen zum Essen. 

Pro Sieben

«Schudel’s Food Stories» - die zweite Staffel läuft ab dem 22. April 2020 immer mittwochs um 18:00 Uhr auf ProSieben Schweiz.

Bis du allein oder hast du einen Corona-Buddy, mit dem du dich regelmässig triffst?
Dank Social Media und Zoom ist man ja zum Glück nie allein. Ich habe in den letzten Wochen so viele Tools kennengelernt. Diese Zeit war der beste Social-Media-Kurs. Damit aber nicht alles nur virtuell abläuft, habe ich mit Freunden einen engen Kreis aus Leuten gebildet, die sich regelmässig treffen. Nie mehr als fünf Personen versteht sich, aber das ist wirklich schön und für mich auch echt wichtig. Wenn ich diese Menschen nicht hätte, würde ich glaubs durchdrehen. Jetzt fängt der ein oder andere wieder an zu arbeiten, darum planen wir am Sonntag eine kleine Corona-Closing-Party.

Wie ist es für dich als Single während des Lockdowns? 
Ich bin ja ewiger Single. Ich bin kein Mensch, mit dem man zusammenleben kann. Mit mir ist es als Kollege viel lustiger als als Partner.

Das klingt aber hart?
Eigentlich nicht. Ich finde, wenn man eine Partnerschaft hat, dann muss man sich auch Zeit nehmen, um an dieser zu schaffen. Ich bin ständig unterwegs, ob im Ausland oder im Restaurant und es wäre egoistisch zu verlangen, dass jemand sein Leben so flexibel auf meines ausrichtet. In normalen Zeiten lebe ich ja jetzt auch nicht enthaltsam. Aber, wenn das mit dem Corona-Lockdown noch länger anhält, sollte ich mein Konzept vielleicht nochmal überdenken. 

Fehlt die menschliche Nähe? 
Nein, eigentlich nicht. Ich bin sehr gern für mich alleine. Ich kann glücklich einen ganzen Tag in der Küche sein und keinen Mensch sehen. Auf der anderen Seite habe ich mit meinen Freunden, also mit meinen Corona-Buddys, Menschen um mich, die mir diese Zeit sehr, sehr erleichtern. Wie gesagt, ohne die wäre ich wohl doch durchgedreht. Dank ihnen fehlt mir nichts.

Von Berit-Silja Gründlers am 22.04.2020
Mehr für dich