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Vor den Rennen in Kitzbühel

Kuss-Doping für Beat Feuz von Freundin Katrin

Er steht bei fast jeder Abfahrt auf dem Podest. Entzückt das Publikum mit seinem dritten Lauberhorn-Sieg. Freude pur! Doch Beat Feuz nimmts wie immer: ganz gelassen. Wie es seiner Natur entspricht. Nun will er Kitzbühel erobern.

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Siegerkuss am Lauberhorn: Im Ziel angekommen, gibts für Beat Feuz von Freundin Katrin Triendl das Gratulations-Müntschi.

Kurt Reichenbach

Katrin Triendl flitzt im Zielraum hin und her. Sie organisiert in Wengen BE die Termine ihres Freundes Beat Feuz. Und an diesem Tag wollen alle etwas von ihm. Bundesrat Alain Berset will gratulieren. Die Konkurrenten gehen an Feuz vorbei und klopfen ihm auf die Schulter, fragen, wie er das wieder gemacht habe. Das Publikum skandiert seinen Namen, feiert den Favoriten, den Triumphator, den Liebling. Schliesslich konnte seit Einführung des Weltcups 1967 bloss Franz Klammer auch dreimal die Abfahrt am Lauberhorn gewinnen. Und Feuz zieht mit seinem zehnten Weltcup-Sieg in dieser Disziplin sogar noch mit Pirmin Zurbriggen gleich. Euphorie total!

Nur Feuz bleibt bescheiden: «Da passt mein Name irgendwie nicht recht dazu.» Und vor allem möchte der 32-Jährige nicht gross über diese historische Komponente nachdenken. «Das ist nicht so wichtig, ich bin ja noch aktiv.» Über Zahlen, Rekorde, Erfolge lässt sich dann nach der Karriere reden und Bilanz ziehen. Es ist die Aussage von einem, der die Ruhe selbst ist. Der den Druck des Favoriten längst mit links stemmt. Der sich mit den Einschränkungen seines auf Dauer lädierten Knies bestens arrangiert hat. Wenn er lange sitzt, etwa bei einem Überseeflug, laufe er danach so, «dass es ihm peinlich» sei, sagte er mal.

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Bad in der Menge während der Siegerehrung im Dorf Wengen. «Hier zu gewinnen, ist immer speziell.»

Kurt Reichenbach

Ein Phänomen, dieser Feuz

Doch Rennen fahren kann er nach wie vor. Er stand in 16 der letzten 20 Abfahrten auf dem Podest. Ein Phänomen, dieser Feuz. Er kanns mit seinem Körper, seinem Gspüri für das Material und den Schnee. Und er kanns mit dem Kopf. «Seine Überzeugung ist der Wahnsinn», sagt Ex-Abfahrer Franz Heinzer, der früher auch mit «Feuzli», wie er ihn nennt, gearbeitet hat. Der Schweizer Europacup-Trainer führt neben der Lauberhorn-Abfahrt auch die WM in St. Moritz von 2017 als Beispiel für die mentale Stärke von Feuz an. Beides vor Heimpublikum, beides verkürzte Strecken, was Feuz nicht entgegenkam. «Damit musst du erst umgehen können. Doch er hat dieses Selbstvertrauen einfach.»

Wenns wichtig ist, ist er da. Feuz weiss, was es braucht und was er will – oder eben nicht. So vermarktet er seinen Erfolg nicht bis zum Äussersten, weil für ihn Aufwand und Ertrag bei zu vielen Sponsoren nicht mehr im optimalen Verhältnis stehen. Das ist im heutigen Sportbusiness zwar ungewöhnlich, schliesslich haben Athleten nur eine begrenzte Zeit, in der sie mit ihrem Erfolg richtig verdienen können – aber für den Emmentaler passt das so.

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Cooler Hund: Im Zielraum der Lauberhorn-Abfahrt lassen die Fans Feuz nach dem dritten Erfolg hochleben.

Kurt Reichenbach

«Er ist ein ausgefallener Mensch, das hat mir immer gefallen», sagt Trainer-Urgestein Karl Frehsner, der mit Beat im Materialbereich eng zusammengearbeitet hat. «Erreichen kannst du nur etwas mit Leuten, die nicht im Schema sind. Sie müssen so bleiben, wie sie von Natur aus sind.»

Und so setzt Feuz in der wie immer turbulenten Zeit rund ums Lauberhorn auf möglichst viel Entspannung und Familienzeit. Denn an diesem Wochenende steht bereits die legendäre Abfahrt auf der Streif in Kitzbühel auf dem Programm, die er noch nie gewonnen hat. Und so gönnte er sich von seinem Zuhause Innsbruck bis ins Berner Oberland einen Helikopterflug, und am Sonntagmorgen auch wieder zurück – eine Zeitersparnis von mehreren Stunden.

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Mit der Favoritenrolle beim Heimrennen kommt Feuz längst ohne Probleme klar.

Kurt Reichenbach

In Feuz' Umfeld liegt die Kraft

Dass Feuz so in sich ruht, liegt auch an seinem Umfeld, das seit vielen Jahren dasselbe ist. Mit Triendl, 33, ist er seit 13 Jahren zusammen. Sie war selber Skifahrerin, kennt diese Welt und weiss, was es braucht. Die Tirolerin ist Wirbelwind und Motivatorin, der Emmentaler die Ruhe im Sturm. Seit anderthalb Jahren ist Feuz Vater von Tochter Clea, sie schlägt energiemässig eher ihrer Mutter nach, wie Feuz erzählt. «Eine Viertelstunde Ruhe gibt es nie!» Dass Triendl ihren Job als Physiotherapeutin aufgegeben hat, vereinfacht das Familienleben zwischen Rennen und Heimat.

Feuz fühlt sich in seinem Leben komplett wohl. Und das braucht er auch. «Beat ist ein Gefühlsmensch. Wenn der dich sieht, dann spürt der schon, was du willst», so Frehsner.

Für die Fans ist das im Moment genau das, was er liefert: Fahrten, als wäre er eins mit der Natur. Heimsiege zum Zujubeln. Und bodenständige Interviews. Einfach ganz Beat Feuz.

Von Eva Breitenstein am 24.01.2020
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