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Das persönliche Interview mit Daniela Lager

«Meine Dauerwelle war peinlich»

Einst wanderte sie mit dem Pfeifferschen Drüsenfieber durch Paris. Heute moderiert Daniela Lager die SRF-Gesundheitssendung «Puls». Worauf sie hysterisch reagiert, wie sie mit dem Altern zurechtkommt und welches Wort sie bei ihren Kinder sehr oft verwendet.

SI_Daniela_Lager Daniela Lager und ihre beiden Kinter - April 2019 - (c) Ellin Anderegg Daniela Lager und ihre beiden Kinder, Amira und Tarek April 2019 - (c) Ellin Anderegg

Einst suchte Daniela Lager, 57, ihr Glück in der Ferne. Inzwischen liebt sie ihre Heimat: «Zürich hat sich positiv verändert.»

Ellin Anderegg

Daniela Lager, was ist Ihre früheste Erinnerung?
Das weiss ich noch ganz genau: Damals bin ich zu spät in den Kindergarten gekommen. Unter den Bänken standen schon alle Schuhe, und an den Haken hingen die Znünitäschli. Mich überkam eine Angst, und ich traute mich nicht, das Zimmer zu betreten. Ich habe gefühlt eine halbe Stunde durchs Schlüsselloch zugeschaut, wie alle im Kreis auf den kleinen Holzstühlen sassen. Irgendwann kam meine Kindergärtnerin raus und fand mich als Häufchen Elend.

Als Sie Kind waren: Was hat Ihre Mutter da immer zu Ihnen gesagt?
Das Wort «Nein» hat mich durch meine ganze Kindheit begleitet. Inzwischen selber Mutter, habe ich gemerkt, dass ich es auch sehr, sehr oft verwende.

Was hatten Sie als Kind für einen Spitznamen?
Irgendwann wurde mein Nachname in meinem Freundeskreis plötzlich verhunzt, und alle nannten mich «Lagi». Gott sei Dank ist der Name nicht geblieben.Haben Sie ein Tattoo?Nein. In jungen Jahren, als es noch niemand hatte, war ich nicht mutig genug. Und inzwischen will ich keins mehr, weil es fast alle haben.

Ihr ulkigstes Mundartwort?
Gumsle oder Zwätschge! Es hat was Liebevolles, ich nenne auch gerne meine Freundinnen so.

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Ihre peinlichste Modesünde?
Da gibt es viele! Die 80er sind ganz vorne mit dabei. Alles war so überdimensional breit, dass ich kaum durch den Türrahmen gepasst habe. Meine Dauerwelle. Meine Schulterpolster. Einfach alles.

Haben Sie Phobien?
Insekten beim Schlafen! Ich habe auf Reisen immer ein Moskitonetz dabei. Wenn es krabbelt im Bett, werde ich leicht hysterisch.

Ihr grässlichster Urlaub?
Das waren meine allerersten Ferien ohne meine Eltern. Ich bin damals mit einer Freundin nach Paris gefahren. Und hatte offenbar aus Zürich das Pfeiffersche Drüsenfieber mitgenommen. Ich bin die ganzen Ostern im Fieberwahn kreuz und quer durch die Stadt gelaufen.

Welchen Tag möchten Sie noch mal erleben?
Diesen einen Tag gibt es für mich nicht. Wenn, dann die Lebensphase von 25 bis 30. Da ist man noch unabhängig, voller Pläne und Träume.

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Die beste Idee Ihres Lebens?
Ganz klar: Kinder zu bekommen.

Und die dümmste?
Ich versuche mir vieles im Nachhinein schönzureden und nur das Gute in Erinnerung zu behalten. Ganz blöd war damals die Idee, die Haare rot zu färben. Es stand mir überhaupt nicht und hatte noch dazu einen Grünstich. Grauenhaft! Aber rote Haare waren halt so etwas wie ein politisches Statement und gehörten in einer bestimmten Phase irgendwie dazu.

Welches Geräusch lieben Sie?
Ich habe in meinen 20ern für einige Zeit in New York gelebt. Ich liebe die Geräuschkulisse Manhattans, den Lärm, das Gewusel, die Sirenen.

Welches hassen Sie?
Staubsauger. Als Kind habe ich im Treppenhaus gewartet, bis wieder Ruhe war.

Bei welchem Thema haben Sie Ihre Meinung fundamental geändert?
Früher hatte ich das Gefühl, nur weit weg von der Heimat glücklich werden zu können. Heute bin ich ein wahrer Zürich-Fan. Die Stadt hat sich wirklich positiv verändert.

Was war der unangenehmste Job, den Sie je verrichtet haben?
Mit 17 Jahren habe ich als Ferienjob im Selbstbedienungsrestaurant von Jelmoli Tische abgeräumt. Wenn in den Resten des Kartoffelstocks ein Zigi-Stummel steckte, hat es mich schon etwas geekelt.

Wie sind Sie, wenn Sie betrunken sind?
Hauptsächlich lustig. Vielleicht mal etwas peinlich. Aber nie aggressiv.

Engagieren Sie sich ehrenamtlich? Wofür und warum?
Ja, für das Zusammenleben im Quartier. Mir ist wichtig, dass wenigstens im Kleinen ein Austausch zwischen den Generationen, sozialen Schichten und politischen Gruppen funktioniert.

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Angenommen, Sie könnten Wunder vollbringen: Was wären Ihre ersten drei Taten?
Ich würde Humor ins Trinkwasser mischen – eine grosse Portion Gerechtigkeit zufügen und den Leuten mehr Mut schenken, ihre Träume zu verwirklichen.

Sie wären für einen Tag ein Mann. Was würden Sie tun? 
Ich würde im Stehen vom Lettensteg «bisle», um zu sehen, wie weit ich komme.

Wie alt wären Sie gern für immer? Warum?
Definitiv unter 50. Das ist der Tipping-Point, von da an verliert man viele Selbstverständlichkeiten. Körperliche Fähigkeiten, Akzeptanz in der Gesellschaft und dementsprechend auch Selbstvertrauen. Ich habe das Gefühl, dass vieles nach 50 schwieriger wird.

Sie erhalten einen Preis für Ihr Lebenswerk. Von wem soll die Hommage sein?
Meine beste Freundin, weil wir eine selbst gewählte Beziehung führen. Sie muss wohl etwas Gutes in mir sehen, sonst wäre sie nicht meine beste Freundin. Die Familie ist ja gegeben – wobei ich da auch Glück hatte.

Von Toni Rajic am 14.06.2021
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