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Nicole Bernegger im persönlichen Interview

«Meine Eltern legten viel Wert auf gute Manieren»

Sie singt phänomenal, und ihre Omeletten sind genial. Mit ihrem neuen Album «Alien Pearl» ist Nicole Bernegger 2020 auf Tour. Die ehemalige «The Voice»-Gewinnerin über «Heiteregamälle» und feuchte Händchen, Schuhschachtelwände und göttliche Momente.

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Schrill und bunt: Nicole Bernegger, 42, singt Soul und trägt dazu den selbst entworfenen Muschelrock.

Kurt Reichenbach

Welchen Namen hätten Sie als Bub bekommen?
Meine Eltern waren felsenfest von Nicole überzeugt. Plan B gabs keinen.

Was ist Ihre früheste Erinnerung?
Ein Spielplatz in Möhlin. Da konnte ich mich wie Jane an eine Art Liane hängen und über den Platz schweben.

Als Sie Kind waren: Was haben Ihre Eltern da immer zu Ihnen gesagt?
«Mund zu beim Essen!» Sie legten viel Wert auf gute Tischmanieren.

Als Sie 16 waren: Wie sah Ihr Zimmer aus?
Langweilig. Ich war kein Poster-Meitli. Eher Chaot oder Pingel. Bis heute mache ich überall Biigeli. Schon damals lagen also überall Kleiderberge herum.

Was hatten Sie als Kind für einen Spitznamen?
Nici – Eltern und Schulgschpänli riefen mich so.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz?
Meine erste Liebe traf ich im Chindsgi. Sie hielt einen Tag: Wir mussten in Zweierreihe Händchen halten, und das fühlte sich extrem schön an. Wir liessen einander trotz Schweisshändchen nicht los. Seinen Namen weiss ich zwar nicht mehr, aber an dieses Gefühl erinnere ich mich, als ob es gestern gewesen wäre.

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Ihr schönstes Geschenk als Kind?
Ein rotes Velo mit Stützrädern. Die brachen bei einem Besuch beim Grosi weg und gingen verloren.

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Mein Traummann: Den habe ich geheiratet – Daniel Bernegger, 50.

Nicole Böckhaus / SI

Ihr Lieblingsbild im Fotoalbum aus Kindertagen?
Da sitze ich mit meinem Bruder und meiner Schwester in der Badewanne.

Welche Musik hat Ihr Leben massiv beeinflusst?
Ich begann früh, Reggae und Soul zu hören. Da tauchte ich richtig ab. In der Pubertät stöberte ich alte Platten meiner Eltern durch. Grosse Schlüsselmomente waren aber Konzerte – und DJs mit ihren Köfferchen.

Ihre peinlichste Modesünde?
In jungen Jahren kaufte ich so ganz breite Jeans, die ich mit Javel auf oldschool trimmen wollte. Nach der Behandlung sahen sie ganz übel aus. Ich habe sie trotzdem mit Stolz getragen.

Haben Sie Phobien?
Ich hasse Kakerlaken. Obwohl – an die habe ich mich im Laufe der Zeit gewöhnt. Nur auf Reisen, wohlgemerkt, nicht zu Hause.

Ihr grässlichster Urlaub?
Sommerferien in der Bretagne. Es regnete zwei Wochen ununterbrochen. Ich musste mir einen Faserpelzpulli kaufen, weil ich so fror.

«Kitsch mag ich vor allem beim Haarschmuck»

Ihre liebste Website oder App?
Netflix. Ich komme so gut wie gar nicht dazu, normal TV zu schauen.

Das Kitschigste, was Sie jemals gemacht haben?
Kitsch mag ich vor allem beim Haarschmuck. Da kanns gar nicht kitschig genug sein: Vögel, Schmetterlinge, Muscheln oder Früchte.

Die beste Idee Ihres Lebens?
Das Leben ist doch eine Aneinanderreihung von Ideen und Entscheidungen. Einige sind gut, andere schlechter – aber alle gehören mit zu deinem Weg.

Und die dümmste?
Die gibts nicht. Weil auch eine dumme Idee hilfreich dabei sein kann, herauszufinden, was man eigentlich wirklich will.

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Mein Haustier: Lily, eigentlich Tiger-Lily. Wir mussten sie vor ein paar Wochen einschläfern lassen, sie hatte Krebs.

ZVG

Haben Sie nachts einen Traum, der immer wiederkommt?
Eher so phasenweise. Dann träume ich, dass mir die Zähne rausfallen. Als Kind träumte ich oft, verfolgt zu werden.

Welches Geräusch lieben Sie?
Das Blubbern meiner Bialetti-Kaffeemaschine auf dem Herd.

Und welches hassen Sie?
Das Kreischen beim Sägen von Metall.

«AIch kann gleichzeitig singen und lesen»

Bei welchem Thema haben Sie Ihre Meinung fundamental geändert?
Früher achtete ich nicht darauf, was ich konsumiere. Heute kaufe ich ressourcenarm, regional und bio ein.

Für welche Eigenschaften bekommen Sie immer wieder Komplimente?
Fürs Singen. Und für meine Omeletten.

Was war der härteste Job, den Sie je verrichtet haben?
Schuhschachteln zu Wänden stapeln. Das war zwar nur ein Kurzjob im Lager eines Schuhladens, aber seither weiss ich: Es gibt gute Schuhschachteln und schlechte …

Was an Ihnen ist nicht normal?
Ich kann gleichzeitig singen und lesen.

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Das höre ich gerade: «Alien Pearl». Mein neuestes Album – und dazu das erste auf meinem eigenen Label.

ZVG

Wie sind Sie, wenn Sie betrunken sind?
Betrunken? Was ist das?

Und: Was können Sie alkoholisiert besser als in nüchternem Zustand?
Hat man da nicht immer das Gefühl, alles besser zu können?

Womit belohnen Sie sich selbst?
Mit einer gemütlichen Kaffeepause.

Ab welchem Geldbetrag ist man – Ihrer Meinung nach – reich?
Wenn ich jeden Tag eine Mahlzeit auf den Teller bekomme und ein Dach über dem Kopf habe, fühle ich mich reich.

Sie wären für einen Tag ein Mann. Was tun Sie? Was probieren Sie aus?
Ich würde an einen Baum oder im Winter meinen Namen in den Schnee brünzeln. Und es würde mich wundernehmen, wie es ist, als Mann Sex zu haben.

Welchen Tag möchten Sie noch einmal erleben?
Die Geburt meiner Kinder, besonders den Augenblick, als man sie mir auf die Brust legte. Das ist einfach ein göttlicher Moment.

Von René Haenig am 11.01.2020
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