1. Home
  2. People
  3. Swiss Stars
  4. Chansonnier Stephan Eicher: «Meine erste Liebe: Eine Tragödie!»

Stephan Eicher im persönlichen Interview

«Meine erste Liebe: Eine Tragödie!»

Seit über 40 Jahren steht Stephan Eicher erfolgreich auf der Bühne. Das ist eine kleine Genugtuung, wenn er an die beiden denkt, die ihm einst das Herz brachen. Dass er mal ein Team von Synchronschwimmerinnen sponsern würde, hätte er allerdings nie gedacht.

Zürich, Schweiz, 2020 Stephan Eicher im Landesmuseum, Zürich.

Vier neue Songs sind auf Stephan Eichers, 61, aktueller EP «Autour de ton cou». Zwei weitere EPs sind geplant. Nach zwölf Jahren in der Camargue suchen Eicher und seine Partnerin gerade einen neuen Wohnort. Der gemeinsame Sohn Raphaël wohnt in Paris, Stephans älterer Sohn Carlo lebt mit seiner kleinen Familie in Zürich.

Dominic Nahr / MAPS

Wie hätte Ihr Vorname als Mädchen gelautet?
Ich weiss es nicht. Aber ich würde Ursula noch passend finden. Ursula Eicher, Schweizer Meisterin im Karate … Hätte ich eine Tochter gehabt, hätte sie auf jeden Fall Maria geheissen.

Was ist Ihre früheste Erinnerung?
Das hohe Gras im Garten meines Elternhauses in Münchenbuchsee.

Als Sie Kind waren, was haben Ihre Eltern da immer zu Ihnen gesagt?
«Du könntest es eigentlich, du willst nur nicht.» Eltern haben immer recht, wenn auch nicht immer passend zum Kind.

Mehr für dich
 
 
 
 

Als Sie 16 waren: Wie sah Ihr Zimmer aus?
Ich zog mit 16 von zu Hause aus. Zuvor habe ich mein Zimmer konstant umgestellt. Ich glaube, das Inspirierendste im Leben ist die Veränderung des Blickwinkels.

Was hatten Sie als Kind für einen Spitznamen?
Stuvi. Mein Vater sprach ihn mit seinem unvergleichlichen Churer Akzent aus.

Erinnern Sie sich an Ihre erste Liebe?
Claudia. Ich war 14, sie 17, und sie wurde geächtet, weil sie so einen jungen Freund hatte. Eine Tragödie! Die Beziehung hielt trotzdem sieben Jahre. Ich begleitete sie nach Paris, sie brach mein Herz: Ich bat einen Freund, auf sie aufzupassen, als ich nach Hause ging. Er nahm diesen Job etwas zu ernst. Ich dachte damals: «Euch zeig ichs irgendwann.» Daran denke ich manchmal, wenn ich in Paris vor grossem Publikum auf der Bühne stehe.

Pers. Interview mit Stephan Eicher

Mein Lieblingsrestaurant: In der Brasserie Bofinger in Paris esse ich am liebsten Langustinen und Austern.

Romain Ricard

Ihr schönstes Geschenk als Kind?
Ein Pony – nein, leider nicht, es blieb ein Traum. Obwohl ich es bei den Trennungsgesprächen meiner Eltern immer als Druckmittel benutzte: «Ich bleibe bei dem, der mir ein Pony schenkt.» Es war dann aber mein erstes Paar Levi’s-501-Jeans. Ich habe sie noch, passe aber nicht mehr rein. Mein Sohn Raphaël trägt diese Jeans jetzt auf der Bühne, wenn er als Rapper auftritt.

Ihre peinlichste Modesünde?
Dieser Schnauz. Aber er hilft mir beim Denken.

Ihr Lieblingsbild im Fotoalbum aus Kindertagen?
Komischerweise die Klassenfotos aus der Klasse von Fräulein Krähenbühl. Ich frage mich oft, was aus allen geworden ist. Und eines von meinem Bruder Martin und mir beim Warten auf den Zug am Bahnhof Langwies.

Welcher Film hat Ihr Leben massiv beeinflusst?
«Uli der Knecht»: Der uneheliche, ungeliebte Underdog gewinnt am Schluss das Mädchen!

Ihr liebstes Mundartwort?
Ich mag liebevoll benutzte Kraftwörter, am liebsten bei Soundchecks in Frankreich. Zum Beispiel «Hueresiech».

Haben Sie Phobien?
Zugaben – diese Rock-Rituale gehen mir auf den Sack – und Synchronschwimmen. Die läppischen Outfits, das Make-up und das übertriebene Lächeln finde ich furchtbar. Ich bin allerdings gerade daran, das zu ändern. Ich habe ein Team aus Lausanne für einen Videoclip verpflichtet, nachdem es sich darüber beklagte, dass ich immer über ihren Sport herziehe. Seither sponsere ich es auch. Kein Witz.

Pers. Interview mit Stephan Eicher

Das trage ich stets bei mir: Gitarrenplektrum und Lippenpflege sind immer in meiner Hosentasche.

ZVG

Ihr grässlichster Urlaub?
Jeder. Ich hasse Ferien. Ich verbringe das ganze Jahr in Hotels und Restaurants, das ist keine Erholung für mich.

Ihre liebste Website oder App?
Ich habe in den letzten zwei Jahren gefühlt jeden Song auf Spotify gehört und jede Serie auf Netflix gesehen. Ich bin digital total up to date. Aber die Realität ist mir lieber.

Die beste Idee Ihres Lebens?
Musiker zu werden, war lange die dümmste, aber jetzt ist es die beste. Wer sonst kann von sich behaupten, zwei Stunden lang die ungeteilte Aufmerksamkeit von so vielen Leuten zu bekommen? Das ist ein grosses Geschenk, das mich in jeder Hinsicht reich gemacht hat.

Auch finanziell?
Die letzten beiden Jahre waren diesbezüglich hart, aber ich hatte sehr viel Glück mit meinen Projekten. Mir gehts gut.

Welches Geräusch lieben Sie?
Das Klacken von Stögelischuhen, Kinderlachen, Espressomaschinen, der Wind in den Bäumen. Und welches hassen Sie? Autogeräusche. Ich habe kein Auto und werde nie eins haben. Ich reise mit dem GA im Zug.

Bei welchem Thema haben Sie Ihre Meinung fundamental geändert?
Europa. Es ist erschütternd, was ökonomisch und politisch daraus geworden ist.

QUEBEC CITY, QC - JULY 12: Leif Vollebekk performs during the 2017 Festival d'ete de Quebec on July 12, 2017 in Quebec City, Canada. (Photo by Barry Brecheisen/WireImage)

Das höre ich: Den kanadischen Musiker Leif Vollebekk lernte ich in Strasbourg kennen, bot ihm an, in Zürich in seinem Vorprogramm zu spielen.

Getty Images

In welcher Situation in Ihrem Leben hatten Sie so richtig Schwein?
Bei einem Unfall mit dem E-Bike am 7. Januar dieses Jahres. Ich fiel über einen Randstein und erwachte im Spital. Zum Glück trug ich einen Helm, sonst wäre ich wohl nicht mehr hier.

Was können Sie alkoholisiert besser als in nüchternem Zustand?
Steppen. Im Ernst: Ich trinke keinen Alkohol, er macht nichts besser.

Sie wären für einen Tag eine Frau. Was tun Sie?
Ich werde Schweizer Meisterin im Karate, ungeschminkt und ohne übertriebenes Lächeln.

Wer soll dereinst Ihren Nachruf schreiben?
Martin Suter.

Von Sandra Casalini am 3. April 2022 - 08:09 Uhr
Mehr für dich