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Mit der Sprinterin auf Mauritius

Mujinga Kambundji tankt nach WM-Erfolg Energie

Endlich Ferien! Nach ihrer WM-Medaille fliegt Mujinga Kambundji an den Strand von Mauritius. Mit allen Sinnen taucht sie ein. Und träumt von einer Grossfamilie mit mindestens drei Kindern!

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Mujinga Kambundji geniesst ihre Ferien auf Mauritius, bevor die Vorbereitungen für die Olympiasaison beginnen.

Fabienne Bühler

«Mmh, ganz okay», lautet das Urteil, als der Seeigel ausgekratzt und verspeist ist. Mujinga Kambundji zuckt mit den Schultern und grinst. Sie musste ihn unbedingt ausprobieren, den etwas schlabbrigen Inhalt im Innern der stacheligen Kugel.

Ein lauer Wind weht vom Meer her durchs offene Restaurant neben dem Strand. In Europa ist es Herbst, jetzt geniessen die Leichtathleten ihre einzige richtige Pause des Jahres. Bei Kambundji heisst das, dass sie die Welt entdeckt. «Oft komme ich nach den Ferien erschöpfter nach Hause, als ich es vorher war. Dem Kopf tuts trotzdem gut.»

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Freiluft-Dusche: Im «Maradiva Villas Resort & Spa» auf Mauritius geniesst Mujinga Kambundji den Luxus.

Fabienne Bühler
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Dieses Jahr ist alles ein wenig anders. Die WM fand ungewöhnlich spät statt, und ihrer sensationellen Bronzemedaille über 200 Meter folgten zahlreiche Verpflichtungen. Sodass Kambundji für einmal in Mauritius am Strand entspannt, anstatt von Ort zu Ort zu ziehen und die Tage vollzupacken.

Zmorge nicht vor 9.30 Uhr

Nun liegt die Bernerin auf der Lounge vor ihrer Villa im «Maradiva Villas Resort & Spa», liest den fünften Band von «Game of Thrones» oder lauscht ihren Hörbüchern. Zmorge gibts nicht vor 9.30 Uhr. «Das ist auch mal schön.» 

Das Reisefieber hat die 27-Jährige von ihrer Mutter geerbt, die gerne auch mit dem Rucksack die Welt bereiste. Als Mujinga Kind war, blieb die Familie allerdings meist in der Schweiz. Auch mal in einer Alphütte ohne Strom, in der Regel aber verbrachte sie die Sommerferien im Wohnwagen von Freunden am Bielersee. Allen vier Mädchen wurde rasch schlecht im Auto, und so lenkten sie sich ab, indem sie Lieder aus dem Kongo sangen, der Heimat ihres Vaters, die Wörter einfach so gesungen, wie sie sie im Ohr hatten.

 

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Mujinga Kambundji entspannt auf dem beleuchteten Steg des Resorts.

Fabienne Bühler

In den Ferien badeten und spielten sie, und als Highlight gabs mal ein bisschen mehr Geld für Schleckzeug oder Glace. Viel mehr brauchts bei vier Schwestern nicht. Deshalb ist für Mujinga schon heute klar, dass sie auch mal mehr als zwei Kinder haben wird. «Der Zusammenhalt unter Geschwistern ist toll», schwärmt sie, die vor allem die bedingungslose gegenseitige Unterstützung schätzt. «Früher war es keine Minute langweilig, es war immer jemand zum Spielen da. Und heute weiss ich, dass meine Schwestern mir gegenüber immer ehrlich sein werden.»

Wenn Kambundji reist, ist sie nie unvorbereitet. In Ländern mit bewegter Geschichte wie Kuba oder Vietnam sieht sie im Vorfeld Dokus an und will etwas wissen über Geschichte und Aktualität des Landes. Vor Ort trifft sie gern Einheimische und verbringt mit ihnen Zeit. Das Reiseland will sie ausprobieren, sehen, spüren.

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Im Casela-Naturpark streichelt die schnelle Bernerin Riesenschildkröten.

Fabienne Bühler

Durch Australien reiste sie mit Rucksack, im Bus und schlief in Jugendherbergen. In Marokko lebte sie mit der Familie einer Freundin und probierte an einem Feiertag tapfer alle Innereien eines frisch geschlachteten Schafes.

Auf Mauritius im Indischen Ozean fühlt sich die bilingue aufgewachsene Sprinterin wohl. Sie fragt den Taxifahrer über die zahlreichen Zuckerrohrplantagen aus, trinkt abends den daraus gewonnenen Rum als Mojito und geniesst am öffentlichen Strand von Flic en Flac eine Kokosnuss. Im Casela Nature Park füttert und streichelt Mujinga Giraffe Caramel, 5. Auch der Hals der 100-jährigen Riesenschildkröte George wird gekrault.

Kongo steht zuoberst auf der Wunschliste

Eine richtige Safari in Afrika würde Kambundji gerne mal machen, aber zuoberst auf der Wunschliste steht ein anderes afrikanisches Land: die Demokratische Republik Kongo. Keine der vier Kambundji-Töchter hat das Land ihres Vaters schon mal besucht. Einerseits aus Sicherheits-, anderseits aus Kostengründen für die Grossfamilie.

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Zu jeder Villa des Hotels gehört ein Privatpool.

Fabienne Bühler

«Das ist ein Ziel, unbedingt! Vielleicht gehen wir nächstes Jahr.» Denn auch ihr Vater Safuka, 66, der fürs Studium in die Schweiz kam, war schon lange nicht mehr in der Heimat. Die Verwandten gratulieren Mujinga jeweils per Skype zu ihren Erfolgen.

Ihr WM-Erfolg bleibt auch in Mauritius nicht unbemerkt: Nachdem sie mit der Giraffe posiert hat, wird sie selbst zum begehrten Fotosujet: Eine Familie aus Neuenburg hat sie erkannt und möchte ein Bild mit der schnellsten Schweizerin. Es ist zwar schon ihre dritte internationale Medaille nach den bronzenen an der EM 2016 und der Hallen-WM 2018. Aber dass eine Schweizer Sprinterin mal an einer Stadion-WM jubeln würde, war vor der Bernerin undenkbar.

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Stippvisite in der hoteleigenen Carl-F.-Bucherer-Boutique: Marken-Botschafterin Kambundji wird gern beraten.

Fabienne Bühler

Die Europameisterschaften 2014 in Zürich haben Kambundji zum Gesicht der Schweizer Leichtathletik gemacht. Damals jedoch war ihr die Aufmerksamkeit nicht nur geheuer. «Ich wollte lieber trainieren, als viele Interviews und Auftritte zu machen.» Trat sie im «Sportpanorama» auf, schwitzte sie und hatte Schiss davor, zu reden, wo es so viele Leute hören konnten. Auf Fotoshootings freute sie sich zwar grundsätzlich, doch der Gedanke, dass jemand zuschauen könnte, war ihr unangenehm. Kein Vergleich zu heute. 

Am Strand des Resorts tänzelt sie am Meeresufer, lacht in die Kamera, dreht sich im Kreis, als hätte sie Tartan statt Sand unter ihren Füssen. Die Leichtathletik ist nicht mehr Hobby neben der Schule, sondern ihr Beruf geworden. Und dazu gehört mehr, als die Schnellste zu sein. «Die Aufmerksamkeit ist ja auch eine grosse Anerkennung. Das zeigt, dass ich etwas sehr Gutes geleistet habe.»

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Heute kann Mujinga Kambundji die Aufmerksamkeit geniessen.

Fabienne Bühler

Das haben auch die Sponsoren gemerkt. Und ihr ist bewusst, dass sie ihren Erfolg und ihre Popularität jetzt schon nutzen sollte und nicht erst nach der Sportkarriere. Wie soll sie denn sein, die Marke Kambundji? «Nahe bei den Leuten, nicht abgehoben. Eine selbstständige, starke Frau, die das Zeug in der Hand hat und selber entscheidet. Die ein Vorbild sein kann auch für andere Bereiche, nicht nur den Sport.» Dass sie selber die Verantwortung trage und selber gewinne oder verliere. Und ehrlich sein, wenn mal etwas nicht wie geplant verläuft.

Beziehung bleibt Privatsache

Wenn es ums Thema Vorbild geht, imponiert ihr Bernhard Russi: Wie er nach der Karriere noch präsent ist, geschätzt wird – aber in einer ganz unaufgeregten Art und Weise. Bei der Vermarktung ihrer Person setzt Kambundji aber auch Grenzen: Ihr Freund ist in den Ferien auf Mauritius dabei, fotografieren lassen möchte sie sich aber nicht mit ihm. «Ich bin zwar sehr offen, in Sachen Beziehung aber eher weniger», sagt sie. Das sei eben Privatsache.

Und so geniesst sie ihre Ferien mit ihm in aller Ruhe. Tankt nochmals Energie, bevor die Vorbereitungen für die Olympiasaison beginnen. Das fällt auf Mauritius selbst der Reisen liebenden Kambundji leicht: Nach dem ausgiebigen Frühstück taucht sie im eigenen Pool vor der Villa ab, badet im türkisfarbenen Meer und geniesst die Sonnenuntergänge vom Hotelsteg aus mit einem Cocktail. Verdient ist verdient.

Von Eva Breitenstein am 15.11.2019
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