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Prominente Frauen posten schwarz-weiss-Bilder

Neue Insta-Challenge hat einen traurigen Hintergrund

In vielen Instagram-Feeds ist im Moment eine Vielzahl von wunderschönen schwarz-weiss-Porträts zu sehen. Auch zahlreiche prominente Frauen haben sich der #womensupportingwomen-Bewegung angeschlossen. Genauso traurig wie der Auslöser der Aktion, so umstritten ist teilweise auch die Umsetzung durch die Stars. Wir erklären euch die Challenge.

Alexandra Maurer

Alexandra Maurer ist Teil der neusten Instagram-Bewegung. 

Ellin Anderegg

Wenn ihr aktuell durch euren Insta-Feed scrollt, sollte der aussehen, wie die Wände einer Kunstgalerie. Zahllose wunderschöne schwarz-weiss-Porträts von Frauen versehen mit den Hashtags #challengeaccepted und #womensupportingwomen

Toll, könnte man jetzt meinen, eine Aufforderung von Frauen, einander zu unterstützen. Doch da genau liegt die Krux — es geht um viel mehr als das und der Grund, warum schwarz-weiss-Bilder das Mittel der Wahl ist, geht durch Frauen, die sich mit dessen Ursprung nicht auseinandergesetzt haben, leider vergessen. 

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Stars verwässern den Ursprung der Challenge

Gerade amerikanische Stars stehen nämlich in der Kritik, die Challenge verwässert zu haben. So schreiben sie zu ihren Bildern Abhandlungen darüber, welche Frauen sie inspiriert haben, wie dankbar sie für die tollen weiblichen Vorbilder in ihrem Leben sind und nominieren andere Frauen, die sie unterstützen wollen. 

Reese Witherspoon, 44, schreibt zu ihrem fröhlichen Foto: «Danke an all die magischen Frauen in meinem Leben für eure endlose Unterstützung und Liebe. Mögen wir weiterhin ein Licht füreinander sein. Darum geht es bei Schwesternschaft.»

Witherspoons Support für ihre Kolleginnen mag ja nett gemeint sein, hilft den Frauen in der Türkei, die immer noch sehr häufig Opfer von Femizid werden, leider nicht. Das bedeutet, dass Frauen getötet werden, weil sie Frauen sind. Und darauf sollten die Bilder ursprünglich aufmerksam machen. 

Bereits 146 ermordete Frauen in 2020

Pinar Gültekin, †27, verschwand am 16. Juli spurlos. Die Wirtschaftsstudentin war in ihrem letzten Jahr an der Universität und freute sich auf ihre Zukunft. Fünf Tage nachdem die Familie die junge Frau als vermisst gemeldet hatte, fand sie die Polizei: erwürgt und teilweise verbrannt. Bald gestand ihr 27-jähriger Ex-Freund den Mord. Pinars Tod war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Denn in der Türkei stieg die Anzahl der Femizide in 2019 auf 474 Frauen. 

Allein in diesem Jahr wurden in dem Land schon 146 Frauen ermordet. In Deutschland versucht jeden Tag ein Mann eine Frau umzubringen. Alle drei Tage kommt es zu einer solchen Tötung. In der Schweiz passiert alle zwei Wochen ein solches Verbrechen. Diese Morde sind einzig durch den Fakt motiviert, dass die Opfer weiblich sind. Bald nachdem die Meldung von Pinars Ermordung öffentlich wurde, gingen auf Twitter und Instagram die Hashtags #kadınaşiddetehayır und #istanbulsözleşmesiyaşatır viral. Ins Deutsche übersetzt sich der Trend mit den Worten «sag nein zu Gewalt an Frauen» und «unterstützt den Istanbul-Vertrag», eine Vereinbarung, die Frauen in der Türkei besser für Gewalt schützen soll. 

Falsche Hashtags lassen den wichtigen Grund vergessen

Türkischen Frauen posten darum schwarz-weiss-Bilder von sich, da jede die Nächste sein könnten, deren Foto, mit einem Filter überlegt, in den Medien und auf Social Media erscheint, weil sie einem Feminizid zum Opfer wurde. 

Mit den Hashtags #womensupportingwomen und #challengeaccepte, sowie den Danksagungen von Stars an andere Frauen, geht diese wichtige Botschaft nun leider verloren. Schweizer Prominente wie Eiskunstläuferin Sarah Van Berkel, 33, und Melanie Winiger, 41, scheinen sich hingegen gut informiert zu haben. Van Berkel beschreibt die Challenge und ruft den Ursprung in Erinnerung, Winiger benutzt die ursprünglichen türkischen Hashtags. 

Von Berit-Silja Gründlers am 30.07.2020
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