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Das persönliche Interview

Nik Hartmann: «Mit Radio aufzuhören war das Beste»

Der Familienvater hat das Studium abgebrochen und wäre beinahe Berufsmusiker geworden. Nun erkundet der Zuger Moderator Nik Hartmann mit «SRF bi de Lüt – Reise mitohne Hindernis» die Schweiz. «Nikli» verrät uns seine Beziehung zu Auberginen, Yvonne und seinem McDonald’s-Becher.

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Kurt Reichenbach

Nik Hartmann, in «SRF bi de Lüt –Reise mitohne Hindernis» hatten Sie einige Reisegspändli. Wie wars?
Ein grossartiges Erlebnis – das ist der erste Satz, der mir in den Sinn kommt. Es war weniger eine TV-Produktion, als viel mehr eine Reise durch die Schweiz und zurück in die Normalität. Die sechs Menschen mit Downsyndrom haben uns das Tempo vorgegeben und wir haben sie begleitet. Es war wie ein Lager. 

Sie waren 12 Tage 24 Stunden zusammen. Kein Lagerkoller?
Überhaupt nicht! Und bei dieser Sendung war es wichtig, dass alle mithelfen, auch wenn das Kameralicht aus ist. Wir hatten alle unsere Aufgaben. Ich weckte morgens um 6. 30 Uhr die Männer.

Was waren die Hindernisse? 
Eins der grösseren waren wir, die sogenannt normalen Menschen, die sagen wie die Welt funktionieren muss und in welchem Tempo. Die Sechs zeigten uns jedoch, dass genug Zeit ist, um zu umschiffen oder umfahren. Und ich hatte die Tendenz zu väterlich zu sein. Ich bin es einfach gewohnt, nicht immer auf mich zu schauen – «e Gluggere». So gabs Sprüche wie: «Ah jetzt chunt de Papi wieder.» 

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Wie hätte Ihr Name als Mädchen gelautet? 
Kathrin.

Welches Gemüse sollte verboten werden? 
Auberginen finde ich total überbewertet. Und Salatgurken. 

Und was für ein Gemüse wären Sie? 
Etwas, das überall wächst. Ich glaube eine Bohne. Die habe ich gerade im Garten geerntet. 

Um wie viel Prozent müssten Sie Ihr Arbeitspensum reduzieren, damit Sie massiv glücklicher wären?
Ich arbeite und lebe genau in dem Verhältnis, dass ich nicht glücklicher sein könnte. Die beste Entscheidung war vor eineinhalb Jahren mit dem Radio aufzuhören. Nun habe ich Phasen, in denen ich sehr konzentriert arbeite, aber auch sehr konzentriert nicht. 

Was für ein Hintergrundbild hat Ihr Smartphone?
Ein Selfie von mir, auf dem ich mein Gesicht an eine Glasscheibe drücke. 

Wann haben Sie zuletzt etwas Selbstgebasteltes geschenkt? 
Wenn Malen auch dazu zählt, mache ich das regelmässig in Form von Einladungs-, Dankens- oder Geburtstagskarten. 

Wo am Körper tuts Ihnen weh? 
Im Moment die Achillessehne und der Fersen. 

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Der Zuger mit seinen Söhnen Constantin, 16, und Frederik, 13.

Kurt Reichenbach

Haben Sie einen Organspendeausweis?
Ich meinte, dass ich diesen mal ausgedruckt habe. Meine Frau Carla wüsste aber, dass man bei mir nehmen kann, was zu nehmen ist.

Welche Musik soll an Ihrer Beerdigung gespielt werden?
Was barockes, am liebsten Bach, weil seine Musik endlos verhebt, endlos gut ist, sowie unaufgeregt und grossartig komponiert.  

Können Sie sich vorstellen, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen?
Spontan sage ich nein. Aber sag niemals nie. 

Über welche Tat oder Aussage von Ihnen wird man noch lange nach Ihrem Ableben reden? 
Ich möchte, dass meine Kinder sagen, dass sie ein schöne Kindheit hatten. 

Die bisher beste Idee Ihres Lebens? 
Eine Familie zu gründen. 

Und Ihre dümmste Idee?
Damals dachte ich, es sei dumm mit dem Studium aufzuhören. Heute weiss ich, es war das Gegenteil. 

Welchen Wunsch haben Sie endgültig begraben? 
Berufsmusiker zu werden. Ich wäre fast Flötist geworden. Ich spiele Querflöte und lerne seit ein paar Jahren Gitarre. Daheim haben wir auch Schwyzerörgeli und Schlagzeug. 

Was möchten Sie gerne Ihren Kindern vererben wollen?
Menschenfreundlichkeit. 

Haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie den Teller nicht leer essen? 
Nein. Ich lasse immer einen Anstandsresten, um zu zeigen, dass es genug war. 

Angenommen, der liebe Gott würde Sie neu erschaffen: Mit den Eigenschaften welcher Berühmtheiten soll er Sie erschaffen? 
Die Ausgeglichenheit von Carla.

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Hündin Oshkosh fehlt diesmal bei «SRF bi de Lüt».

Instagram/nikhartmann

Welche Musik, welcher Film hat Ihr Leben massiv beeinflusst?
«Bring on the Night» und das Musikalbum von Sting dazu. Es ist ein Film über die Entstehung seiner Tournee. Als es darum ging, ob ich Berufsmusiker werde, schaute ich den Film häufig auf VHS. 

Was wird man in hundert Jahren über die aktuelle Epoche sagen?
Gelobt wird, dass wirs noch rechtzeitig realisiert haben und wieder konsequent zum Planeten geschaut haben. Verurteilt wird, dass bis dahin zu stark ans Geld und an die Wirtschaft geglaubt wurde und daran, dass dies die Menschheit glücklich macht. 

Welche Pille gehört erfunden? 
Eine für mehr Zufriedenheit. Nicht immer nur höher und weiter, sondern wir sollten auch wieder mal ‹hineabecho›. 

Ihr Spitzname als Kind? 
Nikli. Ich war bis in die Primarschule Dominik. Und es gibt immer noch renitente Primarschulkollegen, die mich so nennen.

Als Sie 16 Jahre alt waren, wie sah da Ihr Zimmer aus?
Total anständig und gut aufgeräumt. Aber auf einem Gestell standen Coci-Büchsen und lange mein erster Becher aus dem McDonalds.

Falls Ihr Leben verfilmt wird, welcher Schauspieler soll die Hauptrolle spielen? 
Einer meiner Söhne, die haben das Talent. 

Was in Ihrem Alltag müssten Sie aus ökologischer Sicht dringend verändern? 
Nur ein Auto zu haben, dafür mehr Velo und mehr Zug fahren.

Der beste Ratschlag, den Sie je bekommen haben? 
«Es chunnt äbe so wie's chunnt und so wie's chunnt, chunnt's äbe guet» – eine Songzeile aus «Am Schärme» von Patent Ochsner. 

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz? 
Das erste Meitli, in das ich verliebt war, hiess Yvonne. Dagmar war aber die erste Freundin, die ich nach Hause nahm. 

Über welches Geschenk haben Sie sich zuletzt gefreut? 
Vor gut drei Wochen sagte ich zu Carla: «Wenn ich jetzt auf den Zug gehe, höre ich in Locarno noch Stephan Eicher und Patent Ochsner.» Sie meinte: «Dann geh.» Dass diese Spontanität bei uns stattfindet, finde ich schön.  

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Hartmann reist mit jungen Menschen mit Downsyndrom durchs Land. 

SRF

«Reise mitohne Hindernis» mit Nik Hartmann und seinen sechs Reisegspänli läuft ab dem 23. jeweils freitags um 20:05 Uhr auf SRF 1.

Von Aurelia Robles am 18.08.2019
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