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Warum der Skistar nicht hadert

Silvano Beltrametti über sein Leben nach dem Unfall

Auch mit 40 
ist er für Überraschungen gut: Silvano Beltrametti jagt mit seiner Edwina nicht mehr nur der 
Arbeit hinterher, sondern geniesst auch das Leben.

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Die Natur ruft: Seit einem Jahr fahren Silvano Beltrametti und seine Edwina nun gemeinsam Velo. «Lange Zeit war sie überzeugt, nie auf den Sattel zu steigen. Heute liebt sie unsere Touren.»

Fabienne Bühler

Silvano Beltrametti, 40, hat geschafft, was seine Edwina, 51, selbst niemals für möglich gehalten hätte. Der einstige Skirennfahrer entfachte bei seiner Frau die Liebe zum 
Biken. «Du bringst mich nicht aufs Velo, sagte ich ihm oft, nicht mal auf ein E-Bike», erzählt Edwina lachend. 

Vor einem Jahr schenkt Silvano ihr genau das: ein E-Bike. Breite Reifen, leicht verstellbarer Sattel – und dann die Farbe. Die hat es Edwina angetan: Schwarz, ins Dunkelblau-Violett übergehend. «Wunderschön, es stimmt einfach alles», schwärmt sie. «Das Beste ist: Aufwärts bin ich Silvano auch mal voraus», frotzelt sie ihren Mann. Der lächelt in sich hinein und nimmts humorvoll gelassen.
 

Auch beruflich jeden Tag zusammen

Ihn freut es, dass sie nicht nur im Winter auf Ski ab und zu die Hänge hinunterwedeln, sondern auch mal im Frühling und Herbst Erholung in den Bergen tanken können. Gemeinsam! Dem Paar, das im August seinen elften Hochzeitstag feierte, ist wichtig, die wenige Freizeit miteinander 
zu verbringen. Obschon die beiden beruflich den ganzen Tag zusammen sind.

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Die Arbeit ruft: Für die Einrichtung der Zimmer und Suiten ist Silvanos Ehefrau Edwina verantwortlich.

Fabienne Bühler

Sie führen in Lenzerheide das Berghotel Tgantieni, investierten in den letzten Jahren Geld, Zeit und Herzblut, bauten um, renovierten und modernisierten. 

«Wir haben etwas Schönes aufgebaut», hält Silvano fest, und Edwina ergänzt: «Dafür schaffen wir viel, sind viele Stunden hier.» Die Büez hat sich für das Paar 
gelohnt. Ihr Berghotel gehört zu den besten Drei-Sterne-Häusern der Schweiz. Auf die Auszeichnungen sind sie stolz. 

Nach dem Winter braucht Silvano Bewegung

Jetzt will das Paar seine Work-Life-Balance «besser in den Griff bekommen», wie Silvano sagt. Anders ausgedrückt: Neben der Arbeit im «Tgantieni» möchten beide künftig auch das Leben ein bisschen mehr geniessen. «Das ist die Aufgabe, der wir uns im Moment stellen.» Im Frühjahr, als 
in Lenzerheide die Saison zu 
Ende war, reisten Silvano und 
Edwina an den Gardasee und 
ins Südtirol. «Nach dem Winter brauche ich Bewegung.»

Im Monoskibob, mit dem der ehemalige Skirennfahrer seit 19 Jahren auf den Pisten unterwegs ist, bekomme er nicht genug Bewegung. «Mein Handbike gibt mir da sehr viel mehr.» Dass jetzt auch Edwina an seiner Seite mitradelt, findet er toll. Auch wenn sie sich selbst nie als Bikerin im sportlichen Sinne bezeichnen würde. Es sei vor allem die Freude und das Zusammensein, das sie geniessen würden. «Unsere Touren mit den Bikes sind einfach herrlich, wir treiben gemeinsam Sport, sehen dabei viele schöne Dinge.» 

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Die Küche ruft: Mit den Köchen Kai Peuthert (l.) und Martin Kunz bespricht Silvano vor allem Dienst- und Einkaufspläne.

Fabienne Bühler

Er denkt oft über die Zukunft nach, seit er im März 40 geworden ist. Dieser Geburtstag sei schon eine Art Wendepunkt für ihn, er erinnerte sich an diesen runden Geburi bei seinen eigenen Eltern, was bei seinem 30. noch nicht 
der Fall gewesen sei. «Da war ich ja noch ein kleines Büberl», sagt er grinsend.

Noch etwas markiert dieser 40. Geburtstag für Silvano Beltrametti: «In meinem Leben habe ich 20 Jahre zu Fuss und fast 20 Jahre im Rollstuhl hinter mir.» Nach seinem fatalen Sturz bei der Weltcupabfahrt im französischen Val-d’Isère 2001, seit dem er querschnittgelähmt ist, baute er sich ein neues Leben auf. Aus dem einstigen Zimmermann ist ein erfolgreicher Hotelier geworden. 

Beltrametti ist mit sich im Reinen

«Der Rollstuhl ist normal für mich heute.» Träumt er noch hin und wieder vom Unfall? «Nein», im Gegenteil. In seinen Träumen sei er längst ebenso im Rollstuhl unterwegs. Hadern mag er nicht. «Es geht mir ja wirklich gut, im Vergleich zu vielen anderen habe ich nur ein kleines Problem.» Beltrametti ist mit sich total im Reinen. 

Seinen «Sportlerkopf» wie 
er ihn nennt, sei geblieben. Das zeige sich oft bei der Arbeit. «Da bin ich zielorientiert und habe manchmal Mühe damit, auch mal loszulassen. «Edwina kann das besser als ich», sagt er anerkennend. Während seine Frau für den reibungslosen Ablauf im Service und für die Betreuuung der Gäste zuständig ist, kümmert sich 
Silvano um die gesamte Administration: Buchungen, Bestellungen, Personal, Buchhaltung und Marketing.  

Beide tragen Verantwortung für bis zu 30 Mitarbeiter. Während der Saison ist man da 24 Stunden mit dem Kopf bei der Arbeit. «Da müssen wir uns schon auch überwinden, nicht noch zu Hause über die Arbeit zu reden.»

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Der Berg ruft: Seit Anfang Woche ist Silvano Beltrametti mit seinen besten Kollegen auf der heimischen Jagd.

Fabienne Bühler

Ihr grosser Traum ist, irgendwann in den kommenden Jahren noch mal Amerika zu besuchen. Ihre vorgezogene Hochzeitsreise führte sie bereits in 
die USA. «Afrika ist ebenfalls 
ein Ziel», ergänzt Edwina. Sie könnte sich auch einige Tage 
auf den Malediven vorstellen, 
nur am Meer liegen, nichts tun. «Aber Strand ist nicht Silvanos Ding», sagt sie lachend.

Ganz anders die Jagd! Anfang dieser Woche hat sich Silvano 
aus dem Hotelbetrieb ausgeklinkt. Vier Tage ist er mit Freunden 
auf der Jagd. Übernachtet wird 
in einer Berghütte. «Irgendwann muss man als Mann auch mal Ruhe haben vor der Frau», neckt er Edwina. Dafür darf sie sich vielleicht anschliessend über ein Hirschfilet in der Pfanne oder einen Hirschsalsiz freuen.

Für die nächste Velotour wäre damit die Verpflegung schon mal sicher. Vorausgesetzt, Silvano ist bei der Jagd erfolgreich – so 
erfolgreich wie bei seinen Überraschungen für Edwina. Denn mit seinem E-Bike-Geschenk landete er bei ihr definitiv einen Volltreffer. «Damit erstaunte er mich wirklich. Nie hätte ich gedacht, dass das so viel Spass macht.»

Aber eben, das Vergnügen ist bei all der Arbeit nur ausserhalb der Saison möglich. 

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Von René Haenig am 07.09.2019
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