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Chefinnen-Etage

Simonetta Sommaruga lädt 160 Präsidentinnen ein

Simonetta Sommaruga lädt zum nationalen ­Spitzentreffen: In Bern spricht die Bundesrätin mit 160 Stadt- und Gemeindepräsidentinnen über Macht und Frauenquoten.

©UVEK / Yoshiko Kusano

Gemeinden in Frauenhand: Simonetta Sommaruga (Mitte) trifft 160 Präsidentinnen aus der ganzen Schweiz im Berner Neufeld-Gymer.

Yoshiko Kusano/UVEK

Sie kommen vom Land und aus der Stadt, sie sind jung und alt, und sie politisieren von links bis rechts. Aber so verschieden sie sind – eines haben sie alle gemeinsam: «Sie sind die Chefin», sagt Simonetta Sommaruga, 62, vor den 160 versammelten Frauen. Die SP-Bundesrätin hat alle Gemeinde- und Stadtpräsidentinnen der Schweiz ins Gymnasium Neufeld nach Bern eingeladen.

«Ich war vor vielen Jahren Gemeinderätin in einem Berner Vorort», sagt Sommaruga zu den Frauen und spricht von ihrer Zeit in Köniz BE. Dort habe man ihr als Neue die Feuerwehr zugeteilt. «Es hat sich niemand darum gerissen. Aber ich habe sofort gemerkt: Die Feuerwehr ist ganz wichtig. Sie zeigt: Man darf nicht warten, bis es brennt. Man muss üben, man muss vorausschauen.»

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Die grosse Zahl Frauen in der Aula täuscht: In der Schweiz gibt es knapp 2150 Gemeinden – nur in rund 350 steht eine Frau an der Spitze. 16 Prozent. «Das ist nicht wirklich viel. Unsere gesamte Gesellschaft soll vertreten sein», sagt Jolanda Brunner-Zwiebel, 61, SVP-Gemeindepräsidentin von Spiez BE. «Und in der Frage von Männern und Frauen heisst das eigentlich fifty-fifty.» Die Meinungen über eine Frauenquote im Amt gehen auseinander – und doch sind sich fast alle Anwesenden in einem Punkt einig: Frauen würden häufig zu stark an sich zweifeln. Sylvie Masserey Anselin, 45, FDP-Gemeindepräsidentin von Chalais VS, sagt: «Die Herausforderung ist, Menschen zu finden, die bereit sind, diese öffentlichen Funktionen zu übernehmen, die sehr oft exponiert sind.»

Auf nationaler Ebene ist der weibliche Anteil höher. Im Nationalrat beträgt der Frauenanteil rekordhohe 42 Prozent. «In Gemeinden liegt entsprechend viel weibliches Potenzial brach», betont darum Bundesrätin Sommaruga. Dieses Potenzial sollte ausgeschöpft werden – «für das Land, für unsere Zukunft und für die ganze Bevölkerung».

Ziel dieses nationalen Spitzentreffens ist der politische Austausch. Die Frauen sollen näher zueinander rücken, einander unter die Arme greifen. «Meine Arbeit im Gemeinderat war für mich politisch die wohl lehrreichste Zeit», erinnert sich die Bundesrätin an ihre Anfänge in Köniz. «Was in Städten und Gemeinden gut gedeiht, wirkt sich auf das ganze Land aus. Denn Städte und Dörfer sind die Basis der Schweiz. Umso wichtiger ist es, dass auch dort Frauen aktiv mitgestalten.» Am Schluss fragt sich Simonetta Sommaruga noch: «Wie sähe die Schweiz aus, wenn 84 Prozent der Gemeinden von Frauen geleitet würden?» Einen Versuch wärs doch wert, oder?

Von Silvana Degonda am 18. Juni 2022 - 10:00 Uhr
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