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  4. Prominente aus der Risikogruppe über ihr Leben in Coronazeiten

Der Musiker gehört zur Risikogruppe

So schützen sich Pepe und Christine Lienhard vor Corona

Er kann seine Töchter nicht sehen und hat aufgrund seines Alters von 74 Jahren und gesundheitlichen Problemen beschlossen, sich zu isolieren. Big-Band-Leader Pepe Lienhard sprach mit schweizer-illustrierte.ch darüber, wie es sich anfühlt, zur Corona-Risikogruppe zu gehören.

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Pepe Lienhard und seine Frau Christina haben sich in ihr schönes Haus zurückgezogen. 

Olivia Pulver

Pepe Lienhard, Sie gehören ja der Corona-Risikogruppe an. Wir gehen Sie mit dieser Sorge um?
Es geht mir gut, ich fühle mich gut. Aber es stimmt, ich wurde vor kurzem 74 und habe etwas Bluthochdruck, somit gehöre ich in die gefährdete Kategorie. Am Anfang, das war nach unserer Rückkehr aus Südafrika anfangs März, nahm ich die Sache noch zu wenig Ernst. Christine war aber schon damals klar, dass es nicht «nur» so eine Grippewelle sein wird und sie hat sich eher Sorgen um mich gemacht. Das hat mich manchmal genervt, jetzt bin ich froh drum und nehme die Sache ernst.

Sind Sie und Ihre Liebsten bei guter Gesundheit?
Ja, es geht allen soweit gut, danke.

Wie schützen Sie sich vor einer Infektion?
Wir sind sehr konsequent. Haben grundsätzlich keinen Kontakt, ausser man wechselt ein paar Worte mit den Nachbarn über den Hof. Da sind aber immer viele Meter dazwischen. Regelmässiges Händewaschen ist trotzdem selbstverständlich. Das mit den Händen im Gesicht ist wirklich eine Herausforderung. Man ist sich gar nicht bewusst, wie oft das geschieht. Es müsste ein Alarm losgehen, wenn sich die Hand dem Gesicht nähert.

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Tochter Nina und Enkel Ellis vermisst Pepe Lienhard in der Corona-Quarantäne am meisten.

Geri Born

Wie verbringen Sie aktuell ihre Zeit?
Obschon leider bis mindestens Ende Juni alle unsere Konzerte und meine Einsätze als Referent abgesagt sind, wird es mir nicht langweilig. Ich versuche, das Beste aus der Situation zu machen. Meine Werkstatt sieht aus wie neu, Hühner- und Hasenstall sind geputzt und mit neuem Gitter versehen. Alle paar Tage mähe ich ein Stück Rasen, sodass die Hühner stets genug frisches Grün bekommen. Im Musikarchiv habe ich auch schon einiges geordnet und ich habe zusätzlich Zeit zum Üben. Im Mai 2021 steht die nächste Tournee an und die Planung läuft. Einmal im Tag geht es mit dem Hund in den Wald und über das Feld. Wir sind an Orten, wo kaum jemand anzutreffen ist. Unser Vierbeiner Garou ist ein sehr wertvoller Begleiter und jetzt noch näher als sonst. Für ihn ist die Welt völlig in Ordnung und er geniesst es sichtlich, dass wir so viel Zeit für ihn haben.

Wie gehen Sie mit den News rund um Corona um? 
Es beschäftigt mich schon sehr. Hunderte Menschen versterben in kürzester Zeit. Allein, ohne einen Angehörigen an der Seite. Und umgekehrt können die Angehörigen nicht richtig Abschied nehmen. Es scheint überall an Beatmungsgeräten und Schutzkleidungen zu fehlen. Das stimmt einen schon nachdenklich. Ich schaue aber nicht ständig alle News und suche auch nicht das Handy nach ständig neuen Meldungen ab, das macht einen verrückt. Einmal im Tag gibt es Nachrichten. Natürlich ist das Ganze auch ein Gesprächsthema zwischen Christine und mir. Wirtschaftlich trifft es auch uns beide sehr. Doch sitzen wir alle im selben Boot. Wir müssen das als Gesellschaft hinkriegen und nachhaltig daraus lernen.

Haben Sie sich vollständig isoliert und wie geht es Ihnen damit?
Wir treffen wirklich absolut niemanden. Wir haben ein wunderbares, heimeliges Haus und einen schönen Garten. Da darf man sich keineswegs beklagen! Christine und ich verbringen schon seit Jahren viel Zeit gemeinsam und haben es noch immer super zusammen. Sie kocht jeden Tag was Feines, ich mache hin und wieder eine Flasche Wein auf. Wir spielen Spiele und haben uns immer noch Dinge zu erzählen. Sie arbeitet viel in ihrem Büro, so sind wir auch nicht ständig aufeinander.

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Pepe und Christine Lienhard sind seit 8 Jahren verheiratet.

Micha Eicher / Scharfsinn

Wie geht Ihre Frau mit dem Thema Corona um?
Christine ist durch ihre Stiftung Lebensfreude, die sich für betagte Menschen und insbesondere Menschen mit Demenz einsetzt, noch stärker im Thema. Sie macht sich extrem Gedanken über diejenigen, die es schon in normalen Zeiten schwer haben und oft unter Einsamkeit leiden. Für sie muss diese Krise enorm schwierig sein. Genau wie für das Pflegepersonal und eben auch Menschen, die alleine einen Partner betreuen. Da bin ich wirklich einfach nur dankbar, hier in unserem Haus und bei guter Gesundheit zu sein. 

Wie halten Sie Kontakt mit Ihrer Familie?
Per Telefon, Whatsapp und Skype. Meine Töchter sind auch sehr konsequent und bleiben zu Hause. Nina, die ältere, hat im Januar das zweite Kind geboren, ein Mädchen. Sie schickt uns Bilder oder kleine Videos. An meinem Geburtstag haben sie per Skype gesungen und mein Enkel Ellis hat mir sein Geschenk gezeigt, das er für mich gezeichnet hat. Ein wunderschöner Hornvogel. Berührend. Man kann sich auch so nahe sein.

Gibt es Dinge oder Menschen, die sie besonders vermissen?
Freunde und Familie treffen oder einladen gehört schon zu den sehr wertvollen Dingen. Wir gehen gerne ins Restaurant, ins Kino und natürlich an Konzerte. Das wird schon fehlen, wenn sich die Krise lange hinzieht.

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Es sind die kleinen Freuden: Wegen der Coronakrise kann sich das Ehepaar Lienhard den zehn Hühnern widmen.

Geri Born

Erledigt jemand Ihre Einkäufe für Sie oder machen Sie das noch selber? 
Christine ist meinetwegen auch sehr vorsichtig und geht nicht einkaufen. Wir haben eine liebe Nachbarin, die das für uns erledigt. Sie stellt die Einkäufe beim Briefkasten ab und wir überweisen das Geld direkt auf ihr Konto. Um das Gewerbe sonst etwas zu unterstützen, haben wir auch schon Essen vom Restaurant bestellt. Meine Frau hat über eine in der Krise entstandene Internetplattform Blumen und Kräuter für den Garten kommen lassen. So bleiben die Gärtnereien nicht auf Ihrer Ware sitzen und wir freuen uns über Stiefmütterchen, Primeli und Kräuter.

Was hat Ihnen in den letzten Wochen besonders viel Freude bereitet?
Zu sehen, wie sich die Menschen was einfallen lassen, um das Beste aus der Situation zu machen. Besonders freut mich wie meine Frau in der Situation nach Alternativen sucht und versucht, weiterhin betagten Menschen Lebensfreude zu schenken. Die Stiftung besucht normalerweise Pflegeeinrichtungen mit speziell ausgebildeten Künstlern. Die Besuche mussten eingestellt werden, um die Bewohner zu schützen. Die Stiftung hat aber ruck zuck einen Youtube-Kanal eröffnet und die 16 Künstler nehmen regelmässig Videos auf. Sie sprechen mit den Leuten, als wären sie bei ihnen in der Stube, laden sie zum Singen oder Schunkeln ein. Für die Lebensfreude-Clowns ist das auch Neuland, aber ich finde, sie machen das wirklich gut. Es wird Handorgel oder Ukulele gespielt, alte Lieder werden gesungen. Die Heime können die Videos ihren Bewohnenden auf Tablets oder Fernsehbildschirmen abspielen. Private können für ihre pflegebedürftigen Partner die Videos ebenfalls verwenden, kostenlos. Wer nicht so fix mit dem Compi ist, so wie ich zum Beispiel, kann Familienmitglieder bitten, via Teamviewer zu helfen. Die Videos sind echte Aufsteller. 

Von Berit-Silja Gründlers am 05.04.2020
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