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  4. Olympiasiegerin Tanja Frieden hat ihren Partner Marc geheiratet

«Der Tag war voller Emotionen»

Tanja Frieden heiratet unter freiem Himmel

Lange denkt Olympiasiegerin Tanja Frieden nicht ans Heiraten – Antrag ihres Partners Marc Ramseier hin oder her. Doch plötzlich gehts ganz schnell. Innert sieben Wochen realisiert das Sportlerpaar seinen Traumtag in der Natur.

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Auf der St. Petersinsel im Bielersee zelebrieren Tanja Frieden und Marc Ramseier ihre Liebe.

Sandra Blaser

Von rechts aus den Bäumen erscheint die Braut, von links kommt der Bräutigam hinter dem Schilf hervor. Blumenketten aus Orchideen schmücken die beiden. Auf Stand-up-Paddelboards rudern Tanja Frieden, 44, und Marc Ramseier, 46, einander entgegen, geben sich mitten auf dem Bielersee einen Kuss und paddeln dann gemeinsam ans Ufer – und in den Hafen der Ehe.

Nach acht Jahren Beziehung gibt sich das Sportler-Paar und die Eltern von Sohn Luam, 4, auf der St. Petersinsel das Jawort. «Es war sehr speziell, sich als Erstes auf dem Wasser zu sehen», sagt die ehemalige Profi-Snowboarderin. Der ehemalige Kitesurf-Profi schwärmt: «Schon von weit weg war Tanja eine traumhaft bezaubernde Erscheinung.»

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An Land begrüssen 75 Familienmitglieder und enge Freunde die zwei lautstark und mit selbst gestalteten Plakaten. «Eine kleine ‹Love Parade›», freut sich Tanja Frieden. Sohn Luam «zöttelet» vor seinen Eltern her und führt die Parade mit einem Herzplakat an. «Das Johlen ist sicher bis nach Biel zu hören!», scherzt Bräutigam Marc, der in der Gegend aufgewachsen ist und als Kind mit dem Segelboot der Eltern immer wieder bei der Insel ankerte. «Dass wir nun unsere Hochzeit hier feiern können, ist einfach nur schön.» Und mit ein bisschen Glück verbunden.

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Tanja Frieden und Marc Ramseier treffen einander auf dem Bielersee und paddeln gemeinsam ans Ufer zur Zeremonie.

Sandra Blaser

Eine spontane Entscheidung

Erst vor sieben Wochen haben Tanja Frieden und Marc Ramseier entschieden, dass sie wie ursprünglich geplant in diesem Jahr heiraten – trotz Corona. «Im April meinte Marc: ‹Da war doch noch was?›», erzählt Frieden. «Also fingen wir an zu planen.» – «Viele Daten waren bereits belegt. Magischerweise konnten wir einen Termin übernehmen, der abgesagt worden war», sagt Ramseier. «Ab da gaben vor allem unsere Tätschmeister ordentlich Gas!»

Die Trauzeugen und die Assistentin von Tanja legten sich ins Zeug. Die engsten Freunde und Verwandten informierten sie rasch über das Datum. Einige reisten aus Frankreich, Deutschland und Österreich an. «Einzig meiner Familie aus Norwegen ist es wegen der Quarantäne-Vorschriften leider nicht möglich, hier zu sein», sagt Frieden. «Aber sonst sind alle uns nahen Menschen da.»

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Die Gäste verwandeln die Ankunft des Brautpaares an Land in eine «Love Parade».

Sandra Blaser

Am Ufer unter freiem Himmel – für Tanja Frieden und Marc Ramseier war immer klar, dass sie weder in einer Kirche noch unter sonst einem Dach, sondern in freier Natur heiraten möchten. «Sie ist für uns das grösste Geschenk. Nun mit Freunden und Familie hier unser Glück und unsere Liebe zu feiern, ist wunderbar.» Enge Freunde führen durch die freie Trauzeremonie. «Ringe bringen» ist Luams Aufgabe. Friedens Gottimeitli Maylani, 10, und Leyla, 13, amten als Blumenmädchen. Und Mey, 20, und Lynn, 17, die Töchter von Tanjas älterer Schwester Bettina, 46, untermalen die Feierlichkeit musikalisch: Nichte Mey spielt am Keyboard unter anderem «Spirit Bird» von Xavier Rudd – «unser Lied», strahlt Tanja.

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Freunde des Paares halten eine freie Trauzeremonie in der Natur, Luam bringt die Ringe.

Sandra Blaser

Nach dem «offiziellen Teil» geht es weiter – und zwar mit Spass und Spiel. Die ersten Gäste springen in den See; Luam «tschuttet» mit einigen der anwesenden zwölf Kinder. Das Brautpaar hat extra eine Kinderbetreuerin engagiert, damit alle losgelöst das Fest geniessen können. «Mal la tschädere und üs fiire», davon träumte der Bräutigam im Vorfeld.

Antrag vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren hielt Marc Ramseier auf Mauritius, wo er aus beruflichen Gründen weilte, um die Hand von Tanja Frieden an. Sie war damals gerade mit Luam schwanger, sagte weder Nein noch Ja. Erst nach vier Jahren entschied sie sich fürs Heiraten – zur Überraschung ihrer Freunde, die stets dagegen gewettet hatten. «Für mich persönlich, in meinem Universum, ist es das grösste Bekenntnis, das ich machen kann. Zu heiraten war eine Herausforderung für mich», sagt Frieden, die als Energy-Coach arbeitet. Marc konnte Tanjas Zögern gut einordnen, da er selber auch sehr befreit von gesellschaftlichen Zwängen ist. «Aber dass wir unsere Gemeinschaft nun nebst einem Kind auch mit einer Heirat besiegeln, gibt unserer Beziehung einen romantischen Touch.» Sonst ändere nicht viel – auch nicht der Name.

«Marc zu heiraten, ist für mich das grösste Bekenntnis, das ich machen kann»

Tanja Frieden

Am Abend gilt beim Dresscode: «The Sky is the Limit». So sommerlich, easy und locker der Tag war, so chic und elegant soll die Nacht enden – für den, der möchte. «Dieser Mix ist genau das, was wir leben. Ich bin die Erste, die sich gerne aufbrezelt», sagt die Präsidentin der Schneesportinitiative Schweiz.

So wechselt sie ihr Brautkleid, das sie vor einem Jahr spontan kaufte und in dem sie sich wie «eine Fee» fühlte, gegen eine altrosafarbene Robe. Weltenbummler Ramseier schlüpft aus dem Leinenhemd und aus den Flipflops rein in einen edlen Anzug. Auch Luam, der am liebsten den ganzen Tag in seinem Drachen-T-Shirt herumspringen würde, können die Eltern nicht nur zum Anzug, sondern mit einem Trick auch für eine Fliege überzeugen. «Das ist dein Helikopter, der dich schneller rennen lässt», verrät Frieden die kleine Flunkerei.

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Am Abend gehts für Luam und seine Eltern chic zum Apéro auf den höchsten Punkt der St. Petersinsel.

Sandra Blaser

Gemeinsam mit den Gästen, die den Dresscode richtig ernst genommen haben, gehts chic in den Wald zum Apéro auf den Inselhügel mit Aussicht und dann zum Dinner ins Klosterhotel, wo im Keller am Schluss die DJ-Party steigt. Während die Kids im Massenschlag schlafen, tanzen die Erwachsenen bis um halb vier in der Früh.

Brautkleid, Badehosen, Ballrobe: «Es war ein kontrastreicher Tag. Wir verlangten unseren Gästen tenuemässig viel ab», sagt Marc und lacht. «Aber nichts hätte besser sein können. Ich wusste, das Wetter wird schön.» Auch die Braut ist mehr als happy. «Der Tag war ungezwungen und festlich, voller Emotionen und Glücksmomente.»

Von Aurelia Robles am 31.07.2020
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