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  4. So war der letzte «Tatort» aus Luzern mit Stefan Gubser und Delia Mayer

Das hätte nicht sein müssen

Trauriges Ende für den letzten Luzerner «Tatort»

Zum allerletzten Mal ermittelten Reto Flückiger und Liz Ritschard als «Tatort»-Kommissare in Luzern. Ein Ende mit Schrecken, findet unsere Redaktorin.

Tatort - Der Elefant im Raum Stefan Gubser

Zum guten Schluss gerät Reto Flückiger noch einmal in eine richtig dumme Situation

SRF/Daniel Winkler
Berit-Silja Gründlers
Berit-Silja Gründlers

Ja, das wars also: Stefan Gubser, 62, schlüpfte am heutigen Sonntagabend zum letzten Mal in die Rolle des Reto Flückiger und Delia Mayer, 52, verkörperte Liz Ritschard. Damit ist der Luzerner «Tatort» nach sieben Jahren Geschichte. 

«Der Elefant im Raum», so der kryptische Titel der Dernière, steht irgendwie metaphorisch dafür, wie es mit den Zentralschweizer Ermittlern zu Ende ging. Denn die «Tatort»-Macher und ihre Schauspieler gingen nicht glücklich und friedlich auseinander, sondern hinterliessen das Gefühl, eines riesigen Elefanten im Raum, über den niemand sprechen wollte. 

Nämlich der, dass es niemand über die langen sieben Jahre hingekriegt hat, den Luzerner «Tatort» auf Kurs zu bringen. Den Kommissaren etwas Fleisch an die Charakter-Knochen zu schreiben oder der Serie einen roten Faden zu geben. 

Schäumchen und Chrütli statt Schnitzel

Und so zeigt sich auch «Der Elefant im Raum». Kurz zur Handlung: Reto Flückiger (Stefan Gubser) ist mit seiner Partnerin an eine Schicki-Micki-Veranstaltung auf einem Schiff geladen. Während der Kahn auf dem Vierwaldstättersee tuckert, prostet sich die Elite aus Wirtschaft und Politik mit Champagner zu und schnabuliert Reduktionen mit Schäumchen und Chrütli. 

Flückigers Kommentar: «Ein Schnitzel wäre mir lieber gewesen», zeigt den verzweifelten Versuch, dem Kommissar ein knorziges Profil zu geben. Anyway. Ein Politiker der Linken wettert während des Essens gegen seinen rechten Gegner und wird des Raumes verwiesen. Dumm, auf so einen Schiff, schliesslich kann man nirgends hin. 

Tatort - Der Elefant im Raum Stefan Gubser Delia Mayer

Was bleibt von den Luzerner Ermittlern: Ritschard ist krank – Flückiger bringt Orangen. Frische.

SRF/Daniel Winkler

Warum tut ihr das?

Dann geschieht ein etwas laienhafter Anschlag auf die Gesellschaft. Jemand schiesst Signalpatronen in den Raum, die sofort anfangen zu rauchen und verriegelt die Türen. Der Kapitän stirbt, die Gesellschaft kann sich aber retten. 

Der linke Politiker ist verschwunden. Klar, der wars. Flückiger, der ja praktischerweise auch auf dem Schiff war, fängt sofort an zu ermitteln. Seine Kollegin Liz Ritschard, gespielt von Delia Mayer, kommt hinzu, ist aber ganz schlimm erkältet und wird wieder heimgeschickt.

Und da rege ich mich zum ersten Mal so richtig auf: Warum in aller Welt musste man der Ritschard im letzten «Tatort» eine Grippe anschreiben? Die hat nichts mit der Story zu tun, denn nur wenige Szenen später ist sie wieder gesund. Macht keinen Sinn.

Genialer Fabian Krüger

Anyway: Wenige Tage später wird der verschwundene Politiker tot aufgefunden. Flückiger legt sich gleichzeitig mit einer alternativen Newsplattform an, die Bekennervideos veröffentlicht, aber nicht mit der Polizei kooperiert. 

Neben dem ewig unsympathischen Regierungsrat Eugen Mattmann (Jean-Pierre Cornu), der mit schon seit Anfang auf die Nerven geht, hat es in «Der Elefant im Raum» nun endlich einen, der den Blutdruck noch mehr in die Höhe treibt: Frédéric Roux, grandios gespielt von Fabian Krüger. Noch nie ging mir eine Nebenfigur im «Tatort» so auf den Geist, wie der undurchsichtige Wutbürger und «Newsmacher» Roux. 

Der Elefant im Raum Tatort Stefan Gubser

Das Beste am letzten Fall war die Nebenrolle. Fabian Krüger spielt den absoluten Unsympathen Frédéric Roux.

SRF/Daniel Winkler

«Hätte, hätte, Mopedkette»

Der Fall hätte so vielversprechend umgesetzt werden können. Politische Machenschaften, wirtschaftliche Illegalitäten, Familiendramen, Betrug, Medienhetze. Alle Zutaten für einen spannenden «Tatort»-Kuchen sind da.

«Hätte, hätte Mopedkette», sagt der Dortmunder Kommissar Faber so gern. Denn der Fall war so lahm, dass ich ganze dreimal eingeschlafen bin und zurückspulen musste. Drei Mal!

Und dann wars halt doch nur der enttäuschte und ein bisschen radikalisierte Kellner auf dem Schiff, der wegen eines Wirtschaftsbosses seine Existenz verlor. Dafür hätte ich echt nicht wieder aufwachen müssen.

Ein totaler Affront gegen Delia Mayer

Zum guten Schluss wird Flückiger suspendiert, warum ist nicht so richtig klar. Wahrscheinlich einfach, weil man irgendwie aus der Sache (also dem «Tatort» Luzern) rausmusste. Wie sagt es der nervige Mattmann so schön: «Ein Kopf muss Rollen, sonst verliere ich meine Glaubwürdigkeit.» Die habt ihr auch so verloren, liebe «Tatort»-Macher.

Und dann wird auch noch Liz Ritschard als Flückigers Nachfolgerin ernannt. Ein totaler Affront an Delia Mayer. Denn genaugenommen müsste sie jetzt ihren eigenen «Tatort» bekommen. Aber den, so suggeriert dieser Zug, will wohl keiner sehen.

Der Luzerner «Tatort» geht unspektakulär

Der Luzerner «Tatort» geht, wie er war. Unspektakulär. Ich hätte mir gewünscht, dass es einen richtigen Knall gegeben hätte, einer der Ermittler stirbt, flüchten muss oder irgendetwas anderes. Stattdessen hatte Ritschard eine Grippe und Flückiger geht in Pension. 

Das Spektakulärste war wohl, dass die Liz Ritschard in der allerletzten Folge endlich mal (mehr oder weniger) klar sagt, dass sie lesbisch ist. Boom! Ich gehe jetzt weiterschlafen.

Von Berit-Silja Gründlers am 27.10.2019