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Stöck, Wyss, Stichelei

Zuhause bei «Donnschtig-Jass»-Schiedsrichterin Sonia Kälin

Eine Schwingerkönigin wird Schiedsrichterin: Sonia Kälin zählt neu beim «Donnschtig-Jass» die Punkte. Privat verliert die Schwyzerin oft gegen Gatte Stefan.

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Grosse Liebe: Sonia Kälin und ihr Mann Stefan Halter fordern sich daheim in Schindellegi SZ gegenseitig heraus.

Remo Naegeli

Die ersten Akkorde von «Echo vom Geisshimmel» erfüllen die 3-Zimmer-Wohnung in Schindellegi SZ. «Das Lieblingstänzli von meinem Grosi», sagt Sonia Kälin, 34. Die vierfache Schwingerkönigin (2012, 2015, 2016, 2017) schaut zu ihrem Mann Stefan Halter, 30, der auf dem Balancierbrett steht. Sie beginnt, immer rassiger auf dem Schwyzerörgeli zu spielen – dann stoppt sie abrupt. «Hör nicht auf zu spielen, sonst falle ich runter!», sagt er. Sie fordert: «Geh mal in die Knie!» – «Ich kann auch lesen dazu», blufft er. Im Leben von Ehepaar Kälin und Halter herrscht öfters spielerischer Wettkampf.

Selten wird aus Spass Ernst. «Wir jassen nur in den Ferien gemeinsam. Sonia wird böse, wenn ich zu viel gewinne.» – «Weil es mich aufregt, dass du dir einfach alle Karten merken kannst», begründet sie. Doch in den vergangenen Wochen bewiesen beide Geduld beim Schweizer Kartenspiel, denn die ehemalige Profi-Schwingerin trainierte für ihren neuen Sommerjob: Schiedsrichterin beim «Donnschtig-Jass».

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Kleine Liebe: Mindestens einmal pro Woche besucht Sonia ihren Ehringer-Baby-Muni Rambo in Egg SZ.

Remo Naegeli

Bestens vorbereitet auf den ersten «Donnschtig-Jass»

Das Schweizer Fernsehen hat Kälin zu ihrer grossen Überraschung angefragt und ins Trio um Moderator Rainer Maria Salzgeber, 49, und Co-Moderator Stefan Büsser, 34, geholt. Ihr Vorgänger Dani Müller, 57, hat ihr seinen Ordner mit allen Resultaten und seinem cleveren Zählsystem überlassen. Kälin ist gewappnet. «Als Oberstufenlehrerin kann ich bereits schön an die Wandtafel schreiben. Und beim Schwingsport habe ich gelernt, auch bei grossen Herausforderungen zielorientiert und fokussiert zu bleiben – und allfällige Gegner notfalls zu bodigen.»

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Verspielt: Es Rüebli fürs Büebli – in der Küche betätigen sich beide gern.

Remo Naegeli

«Leider habe ich keine Bestechungsgeschenke erhalten»

Diese Woche fand in Thun BE die erste Live-Show statt, in der die Obwaldner Dörfer Kerns und Giswil gegeneinander antraten. «Die Kernser warfen mir im Vorfeld bereits vor, parteiisch zu sein, da mein Mann aus Giswil kommt», so Kälin lachend. «Doch leider habe ich keine Bestechungsgeschenke erhalten, dabei liebe ich Schoggi.»

Angst, dass seine Frau dem Druck nicht standhält und sich gar verzählt, hat Stefan Halter nicht. «Wenn sie das Gefühl hat, dass sie liefern muss, dann ‹räblets›», sagt er. «Sonia tritt überzeugt auf und wirkt daher eher dominant. Sie hat aber auch eine feine Seite, die fast zerbrechlich ist. Ich staune jeweils, wie Ehrgeiz und Sensibilität in einer Person Platz haben.» Er selber wurde bei einem ihrer Vorträge auf Sonia Kälin aufmerksam. «Es beeindruckte mich, wie sie mit ihren Worten die Leute abholt. Sie spricht nicht nur mit dem Mund, sondern auch mit dem Herzen.»

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Sportlich: Der nahe Etzelwald in Feusisberg SZ «ist eigentlich mein Daheim», sagt sie.

Remo Naegeli

Sie liess sich Zeit mit dem ersten Date

Zwei Monate musste der Bewegungsexperte für Körper und Geist damals auf das erste Date warten. «Ich wollte mich bis zum Eidgenössischen voll auf die Saison konzentrieren», sagt sie. Das Date war für den Tag danach vereinbart. Via Whatsapp blieben sie jedoch in Kontakt. «Meine Texte in Obwaldner Dialekt waren in dieser Zeit richtig entschleunigend für Sonia.» – «Sei froh, habe ich dir keine Satzzeichen korrigiert», kontert die Oberstufenlehrerin (Deutsch, Englisch, Französisch, Sport, Hauswirtschaft, Lebenskunde, sowie Räume, Zeiten & Gesellschaft).

Am grossen Tag, dem Eidgenössischen, informierte sie Stefan dann via Whatsapp über den Verlauf des Schwingfestes – dabei sass er heimlich auf der Tribüne! «Als ich verschwitzt, mit rotem Kopf, vor Schweiss stinkend und mit Sägemehl im Gesicht die Sieger-Kuh Nina hielt, kam er vorbei, gratulierte und sagte: ‹Also bis morn!›» Stefan lacht. Im Flur hängt das Foto, auf dem sie ihren dritten Titel feiert – und links ist klein auch Stefan zu sehen.

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Konzentriert: Sonia Kälin trainiert das Zählen mit den französischen Jasskarten. «Donnschtig-Jass», donnerstags, 20.05 Uhr, SRF1.

Remo Naegeli

Das erste Date – sie sind auf den Hausberg der gebürtigen Eggerin gewandert, den Grossen Mythen – ist nun zweieinhalb Jahre her. Vor eineinhalb Jahren ist Stefan Halter bei Sonia Kälin in Schindellegi eingezogen und hat mit seinem Namen die drei Krönlein, welche symbolisch für ihre Titel die Türklingel zierten, ersetzt.

Am 25. September 2018 – dem zweiten Jahrestag ihres ersten Dates – haben sie geheiratet. «Stefan hatte mit meinem Schwingsport nie Probleme. Er ist genug Mann, um es zu verkraften», sagt sie. «Die meisten Männer hatten eher Mühe mit meinem Erfolg.» Auch als sie sich 2017 am Knie verletzte (Kreuz- und Innenband sowie beide Menisken) und schliesslich Anfang Jahr ihren Rücktritt bekannt geben musste, stand er ihr zur Seite. «Stefan ist sehr hilfsbereit, hört gut zu, manchmal zu gut. Er ist sehr feinfühlig, weshalb öfters aufgrund nur einer einzelnen Frage längere Gespräche entstehen.» 

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Erfolgreich: Als Sonia Kälin 2016 ihren dritten Titel gewinnt, schaut Stefan heimlich zu (hinten links).

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Zu Kalb Rambo muss sie meist allein

Die Leidenschaft für Sport teilt sich das Paar, ihr Leben spielt  sich mehrheitlich in der Natur, oft im Etzelwald, ab. «Stefan gehört nicht zu den Männern, die bei einer Radtour der Frau davonfahren und dann warten», sagt sie. «Er ist neben und mit mir, gibt mir Tipps. Es ist sehr angenehm mit ihm auf dem Weg.»

Nur wenn es einmal pro Woche die sieben Kilometer über den Hügel zu Kalb Rambo – Sohn von Siegerkuh Nina – auf dem elterlichen Hof in Egg geht, ist er nicht immer dabei. «Das versteht sie jeweils nicht, denn Rambo ist ihr Baby!» – «Stimmt. Eine Sekunde bei ihm, und ich vergesse alles.» Eigener Nachwuchs ist auch Thema. «Schliesslich bin ich doch schon 34.» – «Was? Sonst sagst du jeweils 24», stichelt er und hebt sie in die Luft. Dieser spielerische Hosenlupf geht an ihn. 

Von Aurelia Robles am 05.07.2019
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