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Die ältesten Zwillinge der Schweiz feiern Geburtstag

Zweimal einmalig! Seit zehn Jahren haben sich die Zwillinge Hedy Schneider und Emmy Ochsner nicht mehr gesehen. Nun feiern sie gemeinsam ihren 103. Geburtstag – und schlagen ihre Urenkel sogar im Töggelen.

v.l.n.r. im Rollstuhl Hedwig Schneider mit Tochter Rita Stüber (kurze Haare, grüner Mantel) mit Ihrem Sohn, ebenfalls Tochter Marlis Schüpfer, Urenkel Yannic mit seinem Vater. Emmi Ochsner mit Sohn Urs und Schwiegertochter Silvia

Vier Generationen: Hedy Schneider (l.) und Emmy Ochsner feiern ihren Geburtstag im Pflegezentrum Erlenhof in Zürich – mit Töchtern, Söhnen, Enkeln und Urenkeln.

Fabienne Bühler

Ein beherzter Schuss – 1:0 für Emmy. «Bravo!», ruft Yannic, 9. Emmy hält einen Daumen hoch: «Ich bin noch immer zwäg!» Die 103-Jährige schmunzelt und schaut zu Hedy. Ihre Zwillingsschwester sitzt im Rollstuhl neben dem Töggelikasten, ein Lächeln huscht über ihr Gesicht. «Schön, sehen wir uns mal wieder», sagt Emmy, «das letzte Treffen ist sicher zehn Jahre her.»

Es ist ein besonderer Tag. Emmy Ochsner und Hedy Schneider feiern gemeinsamen Geburtstag – ihren 103.! Damit sind die zweieiigen Zwillingsschwestern die ältesten Zwillinge der Schweiz.

v.l.n.r. Emma Ochsner und Hedwig Schneider mit Urenkel Yannic, 9 Jahre

Goal! Emmy Ochsner (r.) schlägt Urenkel Yannic beim Töggelen. Auf der Zuschauertribüne sitzt ihre Zwillingsschwester Hedy Schneider.

Fabienne Bühler

Die Feier steigt im Pflegezentrum Erlenhof in Zürich. Hier lebt Hedy seit elf Jahren in der Demenzabteilung. Emmy wiederum ist im Betagtenheim Halden in St. Gallen zu Hause. Sohn Urs und dessen Frau Silvia haben sie für den heutigen Tag extra nach Zürich gebracht. Beide Schwestern sind herausgeputzt, ein Dutzend Angehörige sind da, Hedys Urenkel Yannic ist der Jüngste.

Hedwig und Emma, wie die beiden mit gebürtigen Namen heissen, sind in St. Gallen St. Fiden aufgewachsen, zusammen mit Schwester Lini. Vater Adolf arbeitet als Braumeister bei der Brauerei Schützengarten, er ist ein strenger Mann. «Wir hatten keine Erziehung, sondern eine Dressur», erzählt Emmy bei Kaffee und Kuchen. Kommt ein Kind nicht rechtzeitig nach Hause, müssen alle drei Geschwister früher ins Bett.
 

v.l.n.r. Emma Ochsner und Hedwig Schneider

Doppelt Süss: Emmy (l.) und Hedy als Babys

Fabienne Bühler

Emmy, die Draufgängerische, macht eine kaufmännische Ausbildung. Hedy, die Sensible, lernt Modistin – Hutmacherin. Ein paar Jahre arbeiten die beiden zusammen im Globus in St. Gallen, Emmy als Verkäuferin.

1942 heiraten die Schwestern. Hedy nimmt einen Reformierten zum Mann. Das führt zu Streit mit dem katholischen Vater – er kommt nicht zur Hochzeit. «Das belastet Hedy bis heute», sagt Emmy.

Hedy bringt zwei Töchter zur Welt und schaut in der Metzgerei ihres Mannes Ernst zum Rechten. Emmy zieht vier Söhne gross und arbeitet zu Hause. «Jede von uns führte ihr eigenes Leben. Wir sahen uns immer mal wieder an Familienfesten.»

v.l.n.r. Emma Ochsner und Hedwig Schneider

Das Zwilingspaar im Alter von 20 Jahren. Danach treffen sich die zweieiigen Zwillinge nur noch an Familienfesten.

Fabienne Bühler

Körperlich sind beide kerngesund. «Wir haben ein starkes Herz. Doch ab und zu zwickt der Rücken.» Emmy war lange in einer Frauenturngruppe und hielt sich bis ins hohe Alter mit Gartenarbeit fit. Sie ist stolz darauf, dass sie noch jeden Morgen ihr Bett selbst macht. Und vor jedem Essen im Speisesaal hübscht sie sich auf. 

Hedy schaut auf ihr Stück Schoggikuchen. Emmy nimmt ihre Hand und sagt: «Wir haben immer hart gearbeitet. Doch wir schauen auf ein gutes und zufriedenes Leben zurück.» Hedy nickt. «Machs guet», sagt Emmy zum Abschied. «Wer weiss, wo wir uns das nächste Mal wiedersehen.» 
 

Von Thomas Kutschera am 25. April 2019