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Andermatt Swiss Alps AG

Schnee von gestern

Mithilfe von Snowfarming schützt die Ganzjahresdestination Andermatt Swiss Alps nachhaltig den Gurschengletscher, kann termingerecht in die Wintersaison starten und Kosten sparen. So wird Schnee von gestern zum Skifahrer-Glück.

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Snowfarming auf dem Gemsstock ob Andermatt. Aufgenommen am 08.September 2021. ©David Birri

Schwere Handarbeit: das Abdecken des Schutzvlieses auf dem Gurschengletscher.

David Birri

Die Steigeisen fix im Firnschnee verankert. Das weisse Vlies fest im Griff. Dann gehts behutsam den Gletscher hinab. Schritt für Schritt, gleichmässig auf beiden Seiten. Während die Plane langsam zu Tal gezogen wird, enthüllt sich darunter das «weisse Gold» des Gurschengletschers: Schnee vom letzten Jahr, der dank der Überdeckung die heissen Sommertage ziemlich unbeschadet überstanden hat. Er bildet die Basis für den Neuschnee der nächsten Saison, sorgt dafür, dass der Permafrost stabilisiert wird und der Einstieg auf die Skipiste gewährleistet bleibt. Das ist wichtig. Denn hoch auf dem Fels thront die Bergstation der Gemsstockbahn, die bereits in zwei Wochen den Winterbetrieb eröffnet. Dies ist nur dank Snowfarming möglich, einem Verfahren, Schnee des letzten Winters über den Sommer zu lagern, damit er als Grundlage für die Präparation der Pisten in der nächsten Saison verwendet werden kann. Auf dem Gebiet des Gemsstocks und der Gurschenalp geschieht dies ausser auf dem Gletscher auch noch in zehn grossen Schneedepots, die im Gelände verteilt sind und ein Gesamtvolumen von 200 000 Kubikmetern Schnee umfassen. Begonnen hat man mit dem Snowfarming in Andermatt nach dem Hitzesommer 2003. «Wir mussten den Gletscher stabilisieren», sagt Daniel Meyer, Leiter Schneeproduktion der SkiArena Andermatt-Sedrun. «Denn von der Bergstation Gemsstock führte zwischenzeitlich eine künstliche Rampe zur Piste, weil der Gletscherschnee durch die Schmelze im Sommer um zehn Meter abgesackt war.» 

Snowfarming auf dem Gemsstock ob Andermatt. Aufgenommen am 08.September 2021. ©David Birri

Zehn etwa 15 Meter hohe Schneedepots verteilen sich auf der Gurschenalp ob Andermatt.

David Birri
Einsparung von 500 000 Franken

Dank der Abdeckung mit Vlies im Sommer konnte in 17 Jahren die Gletscherdecke wieder so weit aufgebaut werden, dass die Skifahrer heute wieder direkt auf die Gletscherpiste gelangen. Ein grosser Erfolg, der zeigt, dass die Schutzmassnahmen Wirkung haben – auch wenn sie mit viel Aufwand verbunden sind. Denn für die Mitarbeitenden der SkiArena Andermatt-Sedrun ist es ein äusserst anstrengender Job, hier oben, auf knapp 3000 Metern über Meer, die schweren Vliesplanen – jede drei bis vier Meter breit und 50 bis 70 Meter lang – zu schleppen und zusammenzulegen. Insgesamt sind es über 11 000 Quadratmeter Gletscherabdeckung, die so jedes Jahr im Frühling ausgebreitet und im Spätherbst wieder zusammengetragen werden. Dazu kommt, dass die mächtigen Schneedepots – jedes etwa 15 Meter hoch – bewirtschaftet werden müssen. Zerrt der Föhnsturm am Abdeckvlies, so muss dieses wieder zurechtgerückt oder notfalls auch geflickt werden – obwohl es mit Sandsäcken und Wasserschläuchen befestigt ist. Und das Auswalzen des Schnees auf die Piste benötigt pro Depot mit dem Pistenbully um die 58 Arbeitsstunden. Dennoch lohnt sich die Mühe. Abgesehen vom nachhaltigen Schutz des Gletschers und vom Vorteil, relativ unabhängig von Wetterumständen termingerecht in die Wintersaison starten zu können, kann die Ganzjahresdestination Andermatt Swiss Alps dank Snowfarming deutlich Kosten sparen. «Müssten wir die Piste beschneien, käme das etwa 500 000 Franken teurer», sagt Daniel Meyer.

«Es braucht Herzblut für die Sache»
Snowfarming auf dem Gemsstock ob Andermatt. Aufgenommen am 08.September 2021. ©David Birri

Daniel Meyer, Leiter Schnee¬produktion der SkiArena Andermatt-Sedrun.

David Birri

Herr Meyer, was ist die grösste Herausforderung beim Snowfarming?
Im Herbst den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, die Gletscherabdeckung zu entfernen und die Schneedepots zu verstossen. Ist man zu früh, schmilzt zu viel Schnee, ist man zu spät, kann man das Vlies nicht mehr entfernen, weil zu viel Neuschnee darauf liegt. 

Was sind Ihre Aufgaben als Leiter Schneeproduktion der SkiArena Andermatt-Sedrun?
Die Planung und Leitung des Teams, das die Gletscherabdeckung und die Bewirtschaftung der Schneedepots umsetzt. Dazu braucht es Erfahrung und eine gute Kenntnis des Geländes – und Herzblut für die Sache.

am 29. November 2021 - 07:41 Uhr