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Der Traum vom Tiny House

Leben auf 27 Quadratmetern – so sieht das aus

Lea und Pierre Biege wohnen seit letztem Sommer in ihrem eigenen Mini-Haus, dem Holger. Sie erzählen, wie das Familienleben auf engstem Raum funktioniert, und wie sie den Traum eines Tiny House in die Realität umgesetzt haben. Ein Besuch im Wallis.

Lea & Pierre Biege leben mit der kleinen Juno in einem Tiny House (Halloholger ist ihr Podcast), Albinen (VS) - 11. Januar 2021 - Gruen Living - Copyright Olivia Pulver

Pierre, 27, und Lea Biege, 25, leben mit Tochter Juno, 1, im Dorf Albinen, VS, in einem autarken Tiny House. Über nachhaltiges Leben, Minimalismus und Zero Waste berichten sie regelmässig in ihrem Podcast «hallo holger!».

Olivia Pulver

«‹Was macht ihr, wenn die Kinder mal gross sind?› Diese Frage wird uns am häufigsten gestellt, und seit Lea zum zweiten Mal schwanger ist, erst recht. In unserer Generation sind alle mit einem eigenen Kinderzimmer aufgewachsen. Viele können sich das Leben als Familie in einem Tiny House nur schwer vorstellen. Wir machen uns diesbezüglich keine Gedanken. Es gibt tausend Möglichkeiten, das Haus auszubauen, und Sorgen auf Vorrat machen wir uns keine. Wir leben im Hier und Jetzt. Denn: Wer weiss schon, was in zehn Jahren ist?»

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«Die Initialzündung hatten wir vor ungefähr fünf Jahren. Lea und ich schauten eine Doku über Minimalismus, in der auch Tiny Houses gezeigt wurden. Wir wussten sofort: Das ist es! In Österreich entdeckten wir einen Anbieter solcher Häuser und begannen systematisch, unseren Besitz und den Wohnraum zu reduzieren. Wir verzichteten zum Beispiel ein Jahr lang auf einen Esstisch. In Thun wohnten wir erst auf 80 Quadratmetern, dann in Visp auf 39. In der Zeit, als Juno auf die Welt kam, waren es sogar nur noch 16 Quadratmeter. Das war aber sogar für uns zu eng. In Albinen fanden wir dann ein Grundstück und eine Gemeinde, die unseren Plänen mit dem Tiny House offen gegenüberstand. Ich bin hier aufgewachsen, trotzdem testeten wir erst, ob für uns das Leben im abgelegenen Dorf überhaupt funktioniert. Für meine Arbeit pendle ich regelmässig nach Bern. Wir können beide nicht Auto fahren, aber es geht auch ohne. Im Dorf fährt nur siebenmal am Tag ein Bus zum Bahnhof Leuk, aber ich kann die Strecke auch mit dem E-Bike machen und bin fast gleich schnell dort.
Ende 2018 haben wir Holger bestellt, im Sommer 2020 sind wir eingezogen. Da das Grundstück am Hang liegt, mussten wir erst ein Fundament bauen – unter Holger befindet sich Berta, unser Hobbyraum. Auch einen Anschluss für Wasser, Strom und an die Kanalisation haben wir. Das ist vorgeschrieben in der Schweiz, obwohl das Tiny House autark ist. Rückblickend sind wir froh um dieses Back-up: Der Wind hat auf dem Dach ein Solarpanel weggerissen. Unsere Photovoltaik-Anlage funktioniert zurzeit nicht mehr und muss geflickt werden. Wir sind zwar beide kreativ, aber handwerklich leider komplett unbegabt.»

Könnt ihr euch ein Leben auf so kleinem Raum vorstellen? Lasst es uns in den Kommentaren wissen.

Von Barbara Halter am 24.02.2021
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