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PETER ROTHENBÜHLER SCHREIBT Viktor Giacobbo

«Das Fernsehen hätte Sie rausgekippt»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal Viktor Giacobbo, der kundtat, mit einer Frau verheiratet gewesen zu sein, die lesbisch und Ausländerin ist und ohne Trauschein nicht mit ihrer Schweizer Partnerin zusammenleben konnte.

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Viktor Giacobbo gestand kürzlich, sieben Jahre in einer Scheinehe gelebt zu haben.

Dukas

Jetzt wissen wir es endlich: Sie haben keinen Charakter und keinen Verstand, sind nur ein linkes Grossmaul, die unlustigste Person der ganzen TV-Welt, haben Angst, sich als Schwuler zu outen. Sie können keinen Staubsauger bedienen! Sind der Prinz Charles der Schweiz (wegen der Ohren?), früher noch lustig, heute nur noch ein frustrierter, alter, weisser Mann. Und wahrscheinlich sind Sie noch stolz auf die strafbare Handlung. Lachen immer noch! Dabei schämt man sich als Schweizer bis durch sämtliche Erdkrusten hindurch.

Solchen Bullshit liest man zurzeit auf den sozialen Medien. Sie haben dem Schweizer Wutbürger – wieder einmal – eine super Vorlage geliefert. Natürlich bin ich auch schwer enttäuscht, dachte ich doch, Sie führten seit langen Jahren eine Scheinehe mit einem Oltner, der garantiert nicht lesbisch ist. Wie auch immer. Eigentlich müsste man Ihnen zu Ihrem Mut gratulieren: Man braucht sich nur vorzustellen, was geschehen wäre, wenn die Scheinehe aufgeflogen wäre. Prozess, böse Presse, saftige Busse. Das Fernsehen hätte Sie rausgekippt, der Circus Knie nie angestellt, und die Frau wäre ausgewiesen worden. Ein Drama. Wie konnten Sie dieses Ding nur so lange geheim halten?

Sie sind ein grosses persönliches Risiko eingegangen, um einer Frau zu helfen zu einer Zeit, wo Schwule und Lesben mit einem ausländischen Partner keine andere Lösung hatten, als Scheinehen einzugehen. Manchmal lief das übers Kreuz, schwules Paar heiratet lesbisches Paar für den Pass. Heute haben wir bessere Zeiten. Ihre Schein-Exfrau ist als Unternehmerin erfolgreich, zahlt Steuern und ist immer noch glücklich mit ihrer echten Partnerin. Ende gut, alles gut. Und: Dass Ihre Feinde so virulent reagieren, zeigt nur, dass Viktor Giacobbo immer noch zieht. Mehr denn je. Chapeau.

Mit freundlichen Grüssen

Die Fakten

Viktor Giacobbo, 67, war sieben Jahre mit einer Frau verheiratet, die lesbisch und Ausländerin ist und ohne Trauschein nicht mit ihrer Schweizer Partnerin zusammenleben konnte.
Er gestand kürzlich diese Scheinehe, die nach sieben Jahren geschieden wurde. Der illegale Akt ist verjährt, trotzdem verlangen SVP-Kreise eine Untersuchung. Und auf den sozialen Medien tobt ein Shitstorm. 2007 trat das Partnerschaftsgesetz in Kraft, das gleichgeschlechtlichen Paaren erlaubt zusammenzuleben.

Von Peter Rothenbühler am 11.12.2019
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