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Peter Rothenbühler schreibt Roger Schawinski

«Du hast es geschafft, kein TV-Liebling zu werden»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal Moderator Roger Schawinski, dessen Talk-Sendung dem Sparhammer der SRG zum Opfer fiel.

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Das SRF hat den Vertrag mit «Schawinski»-Interviewer Roger Schawinski, 74, nicht erneuert.

SRF

Lieber Roger Schawinski

Es dürfte gewisse Frauen freuen, dass ­eine Frau den alten weissen Mann, der oft als Macho verschrien wurde, rausschmeisst. «Aus Spargründen» werde «Schawinski» aus dem Programm genommen, heisst es offiziell. Denkste. Ausgerechnet die günstigste Sendung, 15 000 Franken pro Folge! Beim Sparen setzt man das Messer bei den grossen Zahlen an.

Ich kann es mir nur so erklären: SRF-­Direktorin Nathalie Wappler hat Dich bewusst zur Sparmassnahme degradiert. Ein gezielter Fusstritt der starken Frau in das weiche Teil des Mannes,das am meisten wehtut – das Ego. ­Irgendwas ist schiefgelaufen zwischen Euch. Oder handeln heute Apparat-Chicks einfach so?

Sicher hättest Du einen schöneren Abgang verdient, mit netter Begleitmusik und einem grossen Dankeschön. Denn Du bist der wichtigste Pionier der Schweizer Medienlandschaft, dem auch das Schweizer Fernsehen über fünfzig Jahre lang viel zu verdanken hatte. Hast Sendungen wie den «Kassensturz» geschaffen, stets die mutigste Kritik am Moloch SRG geführt (auch ein Verdienst) und mit Deinen stilprägenden Privatradios und -fernsehen die in­of­fizielle Ausbildungsstätte zugunsten der SRG geführt. Schawi-Rekruten, die bei SRF Karriere machten, sind Legion! Vor allem hast Du eins geschafft: kein TV-Liebling zu werden.

In einer Zeit, wo Moderatoren vor allem um die Liebe des Publikums buhlen, hast Du Dir den Luxus geleistet, geliebt und gehasst zu werden. Immer öfter. ­Damit gehörst Du zur aussterbenden Gattung der gefürchteten Interviewer. Ein Dino, der im Streichelzoo SRG keinen Platz mehr hat. Leider.

Auf Wiedersehn – anderswo.

Mit freundlichen Grüssen

Peter Rothenbühler

 
Von Peter Rothenbühler am 02.10.2019
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