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Peter Rothenbühler schreibt Ueli Maurer

«Irgendwann müssen Sie Ihr neues Weltbild erklären»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal Bundespräsident Ueli Maurer.

Ueli Maurer in China 2019

Neue Freunde? Bundespräsident Ueli Maurer zu Besuch in China.

2019 Getty Images

Ihr China-Enthusiasmus beim Belt-and-Road-Gipfel in Peking passt irgendwie nicht zu Ihnen. Sie waren doch mal Präsident einer Partei, die die Schweiz vor jeglicher Einflussnahme ausländischer Mächte schützen wollte.

Während Berlin, Paris und Washington eher skeptisch sind gegenüber dem Versuch Chinas, über eine «neue Seidenstrasse» den Machteinfluss in Europa zu stärken, sind Sie munter auf der Seite der Mitmacher und erklären (in der NZZ) Erstaunliches: «Man muss sich irgendwann auch entscheiden: Will man eine Entwicklung verhindern, oder will man daran teilnehmen, sich einbringen und Einfluss nehmen. Und ich denke, es ist besser, sich einzubringen und eine Entwicklung positiv verändern zu wollen.»

Das musste ich zweimal lesen. Denn mit genau diesen Worten begründen viele Schweizer(innen) eine Annäherung an die EU!

Wer frisst uns zuerst, Europa oder China?

Haben Sie ein neues Weltbild, Herr Maurer?

Irgendwann müssen Sie uns Ihr neues Weltbild erklären: Finden Sie es wirklich besser, sich bei einer kommunistischen Diktatur einzubringen, die Opponenten in den Knast wirft, den Menschen das freie Wort, das Reisen und die Kommunikation einschränkt, als bei der EU, wo Freiheit, Freizügigkeit, Demokratie und Rechtsstaat hochgehalten werden?

Ist Brüssel die böse Diktatur und Peking der ideale Partner, bei dem man als Schweiz besser mitmacht? Sie haben ja auch schon «einen Strich gezogen» unter das Massaker vom Tiananmen-Platz – für Sie eine alte Geschichte, kä Luscht, das aufzuwärmen.

Die Frage ist einfach: Wer frisst uns zuerst, Europa oder China, wenn wir uns nicht stärker einbringen? Ich denke, die Antwort sollte für unseren Bundespräsidenten auf der Hand liegen.

Mit freundlichen Grüssen

Von Peter Rothenbühler am 1. Mai 2019