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Die Rothenbühler Kolumne

Lieber Pascal Couchepin

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal Pascal Couchepin, der zur Wahl eines Sozialisten aufruft.

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Charakterkopf. FDP-Ur­gestein und alt Bundesrat Pascal Couchepin, 77, ruft zur Wahl eines Sozialisten auf.

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Sie sind der einzige alt Bundesrat, der sich nicht scheut, Wahlempfehlungen abzugeben. Und was für welche! Diesmal ist es ein regelrechter Fusstritt in den Ameisenhaufen, wie wir Welschen sagen. Sie empfahlen an der FDP-Parteiversammlung, beim Fondue, den Sozialisten Mathias Reynard in den Ständerat zu wählen anstelle der CVP-Frau Marianne Maret.

Die Aufregung ist gross. Aber Ihr Argument sticht: Das Wallis braucht eigentlich neben dem CVP-Mann Beat Rieder nicht eine zweite CVP-Vertretung im Stöckli. «Ich bin kein Sozialist, und ich bekämpfe die Sozialisten, aber eine Partei mit 35 Prozent Wählerschaft sollte den Anstand haben, nicht die Macht überproportional für sich in Anspruch zu nehmen», haben Sie plädiert. Dass damit die einzige Frau, die das Wallis neben acht Nationalräten nach Bern schicken würde, aus dem Rennen geschubst werden soll, lässt selbst Frauen kalt.

Die Präsidentin der welschen SP Wallis, Barbara Lanthemann, sagt es lakonisch: «Wenn die Frauen wünschen, dass jemand ihre Interessen vertritt, müssen sie Reynard wählen.»

Tatsächlich hat sich der junge Mann mehr für die Rechte der Frauen (und die LGBT) eingesetzt als Frau Maret. Wenn die Aversion Ihres Freisinns gegen die allmächtige CVP immer noch so gross ist wie 1997, als Sie zur Wahl des Sozialisten Peter Bodenmann in die Kantonsregierung auf­riefen, könnte Ihr Coup auch diesmal gelingen.

Ich finde es sowieso gut, dass in einer Gesellschaft, die zunehmend dem Jugendkult huldigt, weitsichtige alte Männer wie Sie sich so markant einmischen. Auch wenns Zoff gibt. Den Sie ja nie gefürchtet haben.

 

Mit freundlichen Grüssen

Von Peter Rothenbühler am 23.10.2019
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