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Peter Rothenbühler schreibt Michael Bloomberg

«Sie haben den Übernamen ‹Nanny› redlich verdient»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal Michael Bloomberg, der US-Präsident Trump bei der Wahl im kommenden Jahr herausfordern will.

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Keystone

Lieber Michael Bloomberg

Sie sind zwar schon recht alt, aber politisch ein permanenter Frühling. Darum freut es auch in der Schweiz, dass Sie 2020 gegen «The Donald» antreten wollen. Als steinreicher Mann sind Sie zwar nicht gerade rot, aber seit Langem ein echter Grüner. Haben bewiesen, dass man wirtschaftlich erfolgreich sein und sich trotzdem – oder gerade deshalb – für die Gesundheit der Menschen und des Planeten einsetzen kann: Wenn unsere grün-roten Politiker nur halb so viel Mut hätten wie Sie, um energisch gegen die Tabak- und Süssgetränke-Lobbys vorzugehen, kämen wir einen grossen Schritt weiter.

«Sie haben den Übernamen ‹Nanny› redlich verdient»

Sie haben immer gesagt, plappern hilft nichts, man muss handeln. Ich erinnere mich, wie Sie schon vor 25 Jahren in Ihren Büros täglich einen riesigen Früchtestand aufbauen liessen, fürs Personal, gratis und franko. Sie haben als Mayor von New York strikte Rauchverbote durchgesetzt, die Tabaksteuern massiv erhöht, die Fettleibigkeit mit einem Verbot für grosse Süssgetränkeflaschen bekämpft, die internationale Pariser Klimakonferenz COP 21 
mit 15 Millionen Dollar unterstützt. Und diesen Frühling Beyond Carbon gegründet mit dem Ziel, die Kohlekraftwerke innerhalb von elf Jahren zum Verschwinden zu bringen und Amerika so rasch wie möglich zu 100 Prozent mit alternativen Energien zu versorgen.

Sie kämpfen seit Jahren so militant für ein besseres Klima und die Gesundheit Ihrer Mitbürger, dass Sie den Übernamen «Nanny» (Kindermädchen) redlich verdient haben. Was mir auch gefällt an Ihnen und Ihren demokratischen Mitbewerbern: Der hierzulande grassierende «Jungismus» hat in den USA noch nicht gegriffen – Elizabeth Warren ist 70, Joe Biden 77, Bernie Sanders 78, und Sie sind 77. Viele Junge scheinen es okay zu finden, die politische Panik-Kampagne einer 16-jährigen Schülerin ernst zu nehmen. Mir ist ein 77-jähriger pragmatischer Grüner, der nicht nur redet, echt viel lieber.

Mit freundlichen Grüssen,
Peter Rothenbühler

Die Fakten

Michael Bloomberg, 77, Gründer der Finanzinformations-Agentur Bloomberg, war von 2002 bis 2014 Stadtpräsident von New York. Zuerst wurde er als Republikaner, dann als Unabhängiger wiedergewählt, im Wahlkampf von 2016 setzte er sich für Hillary Clinton ein. Mit einem Vermögen von 50 Milliarden gehört er zu den reichsten Amerikanern. Jetzt bewirbt er sich als Kandidat der Demokraten mit dem Ziel, 2020 eine Wiederwahl von Donald Trump zu verhindern.

Von Peter Rothenbühler am 27.11.2019
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