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Peter Rothenbühler schreibt Roger Federer

«Sie zur Zielscheibe zu machen, war marketingmässig prima»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal Roger Federer, der «grossen Respekt und Bewunderung» für die Klimajugend zeigte.

Roger Federer

Rothenbühler lobt Federer für seinen «Return» an die Adresse der Forderungen der Klimajugend.

Getty Images

Lieber Roger Federer

Diesen Ball haben Sie gut zurückgespielt. Als Tennisspieler verkleidete Protestler forderten in Lausanne, dass Sie, Herr Federer, sich von den nicht eben umweltfreundlichen Aktivitäten Ihres Sponsors, der Credit Suisse, distanzieren. Dass Sie aus der üblichen Reserve traten und erklärten, «grossen Respekt und Bewunderung» für die Klimajugend zu haben, hat diese wohl als Erste überrascht. Ihr brillanter Return: «Ich bin den Klimaaktivisten dankbar, dass sie uns alle dazu zwingen, unser Verhalten zu überprüfen und nach innovativen Lösungen zu suchen.»

Gut gebrüllt, Löwe! Aber Sie hatten keine andere Wahl. Schliesslich müssen Sie als Botschafter vieler Marken gerade bei der bewegten Jugend weiterhin gut ankommen. Schön, dass Sie gleich den Privatjet, mit dem Sie mitsamt Familie um den Erdball fliegen, in den Hangar stellen. Und wie Greta mit dem Segelboot CO2-neutral über den Atlantik schippern wollen. Sorry, das war nur ein kleines Witzchen …

Dass die Klimaaktivisten ausgerechnet Sie zur Zielscheibe machten, ist marketingmässig eine prima Idee. Die cleveren Reiter der Apokalypse, denen keine Bankhalle heilig ist (die aber in 30 Jahren vielleicht eine Bank leiten werden), denken wie die grossen Marken: Mit Roger als Aushängeschild ist die Aufmerksamkeit maximal. Selbst der Richter ist ihnen auf den Leim gegangen, offenbar tief beeindruckt von den recht antidemokratischen Argumenten: Die Aktivisten riefen einfach den Notstand aus und ignorierten damit Recht und Gesetz. So wie es viele selbst ernannte Pächter der Wahrheit weltweit praktizieren. Der Richter hat vor lauter Sympathie für das Jungvolk sein Latein vergessen und ein politisches Urteil gefällt, das viel zu reden gibt.

Den Freispruch haben die Aktivisten gleich als Freipass für einen weiteren Hausfriedensbruch (bei der UBS) genutzt. Das war zu erwarten, kann man da nur sagen. Sie selbst, lieber Herr Federer, bleiben weiterhin Everybody’s Darling. Gut gemacht.

Mit freundlichen Grüssen

 

Die Fakten

Am 22. November 2018 besetzten zwölf Klimaaktivisten eine Filiale der Credit Suisse in Lausanne aus Protest gegen deren Investitionen in fossile Energien. Gleichzeitig griffen sie Tennis-Champ Roger Federer an, der als Werbebotschafter der CS auftritt. Diese Woche sprach der Richter die Klimajugendlichen vom Vorwurf des Hausfriedensbruches überraschend frei. Und Roger Federer meldete sich mit einem noch überraschenderen Statement zu Wort.

Von Peter Rothenbühler am 15.01.2020
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