Bussi, Bussi - der Schickeria-Blog

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Zwischen Cüpli, Bier und Blitzlichtgewitter: Eine Schweizerin mischt sich unter die deutsche Prominenz.

Beziehungsstatus: Standby

Single zu sein ist toll. In einer Beziehung zu sein, auch. Doch von Status eins zu Status zwei ist ein langer, beschwerlicher Weg, findet Bloggerin Deborah Neufeld. Warum?
Gift für die Liebe: Wenn der Mann lieber an seinem Laptop als an ihr rumspielt, hält das auf Dauer keine Beziehung aus.
© Getty Images

On oder off?

Es war ein ereignisreiches Wochenende: Kein Red Carpet und keine Fashion Week, sondern eine Freundin, die ihren Beziehungsstatus geändert hat. Nathalie ist jetzt wieder Standby.

Nathi, dachten wir, habe ihren Schwarm endlich überwunden. Seit Jahren war Sascha mal da, mal nicht. War Sascha da, ging es Nathi gut. Dann war sie ausgeglichen, sie lachte und erzählte von ihm. Sie tat viel für ihn, weil sie es gerne tat und ihm damit eine Freude machte. Sie half ihm beim Umzug und beim Einrichten der neuen Wohnung, kochte für ihn, wenn er krank war, buchte gemeinsame Ferien und hörte ihm immer zu, wenn es ihm schlecht ging. Umgekehrt war es nicht so. Hatte Sascha gerade eine gute Phase, meldete er sich nicht. Dann ging er feiern, mit anderen in die Ferien und schrieb höchstens mal eine SMS, wenn er betrunken war.

Schaute sich Nathi die Szenerie genug lange an, platzte ihr regelmässig der Kragen. Dann sagte sie ihm, dass es so nicht weitergehe. Dass sie kein Spielball sei und das alles nicht nötig habe. Sie sammelte all ihre Kräfte und wehrte sich gegen seine Entschuldigungsversuche und schwor sich, ihn das nächst Mal ganz lange zappeln zu lassen, bevor sie wieder mit ihm redet. Dann hörten wir lange nichts von ihm und mussten schauen, dass Nathi abgelenkt war. 1000 Mal sagten wir ihr, er tue ihr nicht gut. Meistens glaubte sie uns. Bis sich Sascha nach einer Weile wieder rührte. Vorgestern. Als er ihr eine Nachricht schrieb, dass sie es nochmals versuchen sollten. Er hätte eine schwierige Phase hinter sich und vermisse sie. Er wisse jetzt, was ihm an ihr fehle. Jetzt ist sie glücklich...

Ich kenne beide Situationen - die aus der Sicht von Nathalie, aber auch die von Sascha. Wirklich neidisch kann man in beiden Fällen nicht sein. Nathi fährt 24 Stunden am Tag emotionale Achterbahn. Es ist nie schöner, verliebt zu sein als wenn einen die Person endlich wieder beachtet, die man so fest will. Man bekommt die Bestätigung, dass alles gut ist, weil Sascha ja zurückgekehrt ist und es all ihren Freunden gezeigt hat, dass er doch anders ist. Umso grösser ist der Schmerz, wenn er dann wieder abtaucht und in alte Rollenmuster zurückfällt. Und Nathi sich eingestehen muss, dass sie sich wieder einmal getäuscht hatte. Die Langeweile, die Sascha spürt, macht es auch nicht besser. Ihm tut das Beziehungsgeflecht nicht weh, aber mehr als ein bisschen Unterhaltung ist Nathi nicht. Vielleicht möchte er sogar verliebt sein, hofft, dass irgendwann die Gefühle wachsen, aber gerade tun sie es nicht. Trotzdem ist es immer noch schöner, wenigstens auf Wolke vier zu schweben, als gar keine Wolke zu haben. Wenn das nächste Mädchen kommt, das die Leere endlich ausfüllt, kann er ja immer noch gehen...

Nach dem letzten Wochenende (und der Erkenntnis, dass viele meiner Freunde auch zwischen 30 und 40 noch immer in unsteten Verstrickungen gefangen sind), plädiere ich für die «All or nothing»-Theorie: Heiratet, kriegt Kinder und werdet damit glücklich. Oder trennt euch und feiert es, Single zu sein. Aber hört auf, in einer ewigen «Vielleicht»- und «Hoffentlich»-Blase zu leben, in der ihr hofft, der andere werde sich noch ändern und irgendwann einsehen, dass ihr doch ganz cool seid. Wer schon in den Dating-Anfängen unstetig ist und zwischen Gleichgültigkeit und Liebesschwall-Attacken schwankt, wird sich kaum ändern. Schön wärs...

Wie schwierig es ist, eine solche Bindung zu lösen, weiss ich selbst. Ein kleiner ständiger Schmerz lässt sich immer noch besser aushalten, als sich der Angst zu stellen, was kommt, wenn man wirklich einen Schlussstrich zieht. Ausserdem sind die «guten Phasen» so wunderschön, dass man gerne jeden Preis zahlt, um irgendwann wieder dorthin zu kommen. Und wieder jemanden zu finden, der einem das geben kann, was der eine gibt, scheint irgendwie auch unerreichbar...

Dabei ist das Leben ist zu kurz um schlechten Wein zu trinken, nur alle Schaltjahre glücklich zu sein und hoffnungslose Verbindungen einzugehen. Seid mutig, seid ehrlich zu euch selbst und macht euer Herz frei. Amen.

Bussi, Bussi aus München.

Im Dossier: Alle Blogs von Deborah Neufeld