Bussi, Bussi - der Schickeria-Blog

Bussi, Bussi - der Schickeria-Blog

Zwischen Cüpli, Bier und Blitzlichtgewitter: Eine Schweizerin mischt sich unter die deutsche Prominenz.

Pleiten, Pech & Highlights als Journalistin

Vor rund zehn Jahren startete Bloggerin Deborah Neufeld als Celebrity-Reporterin. Wer meint, da lief immer alles wie ein junges Rennpferdchen, hat sich getäuscht...

Vergangenes Wochenende hat die diesjährige Red-Carpet-Saison gestartet. Eine nette Party im Club P1, von dem ich drei Minuten entfernt wohne. Perfect Workingday, I guess. Doch manchmal geht es eben auch anders. 1000 Anfragen bis es zum Interview kommt, mühsame PR-Agenten, die einem alles verbieten wollen oder Prominente, die nicht so Laune haben wie du es gern hättest. Deshalb hier ein paar lustige Debbie-meets-Promi-Momente.

So investigativ. Not.
Mein erster, richtig boulevardeske Job sah so aus, dass ich Polo Hofer bei einer Musical-Premiere beobachten sollte. Tage zuvor hatte er publik gemacht, dass es um seine Leber gar nicht gut stehe und es war allen klar: Dieser Mann sollte nicht mehr trinken. Also schickten sie die Praktikantin los und gaben mir so gute Tipps, wie: «Lass dich von deiner Freundin fotografieren und schau, dass er im Hintergrund steht - am besten mit einem Glas Wein.» Ich machte mir fast in die Hose und fand die Vorstellung ganz schrecklich. Deshalb ging ich abends auf ihn zu, stellte mich vor und fragte, ob er immer noch trinke - bei seiner Vorgeschichte. Ich hätte den Auftrag, ein Foto von ihm zu machen. Er sagte: «Setz dich hin, ich habe gerade Champagner bestellt, wir stossen an und du hast dein Bild.» Wir trafen uns in den nächsten Jahren unzählige Male wieder und es geht ihm wohl noch immer gut.

Eine Sängerin, die nicht mehr zu bremsen war
Ich war nach Las Vegas eingeladen. Für vier Tage, von denen 15 Minuten Gespräch mit Celine Dion eingeplant waren. Jackpot - dachte ich. Nur ganz so easy war es dann doch nicht. Das Interview war auf 20 Uhr angesetzt - ein Roundtable - was für viele Journalisten der grösste Mist auf Erden ist. Denn alle Angereisten müssen sich den Interviewten teilen, was bedeutet, dass für dich immer zu wenig Zeit bleibt, du nie eine Exklusivgeschichte bekommst und möglichst allgemeine Fragen stellen musst, damit alle was davon haben. Weil Frau Dion aber sooo gerne erzählt, sassen wir um 23 Uhr noch immer im Vorzimmer ihrer Suite im Caesars Palace und ich überlegte mir, mit offenen Augen zu schlafen. Doch dann kam sie und sprudelte wie ein Wasserfall, von Mann und Kindern und ihrem zu Hause. Doch irgendwann hätte es mir gereicht und es wurde langweilig. Nicht mal die Tatsache, dass sie schon den ganzen Tag Interviews gegeben hatte, ermüdete sie und sie redete wieder eine Stunde während ich schier vom Stuhl kippte. Der Tiefpunkt war erreicht, als ein deutscher Journalist wissen wollte, ob sie sich noch an dieses Kaffee vor dem Kölner Dom erinnern könne. Sie sei ja schon mal da gewesen. Da war es halb eins Uhr morgens. Ich hätte ihn umbringen können.

Ein Sänger, dem zum Kotzen war
In Pontresina wurde ein neues Musikfestival ins Leben gerufen. Erfahrungsgemäss sind solche Anlässe immer schwierig, da Bergdörfer immer viel zu weit weg von einer wichtigen Stadt sind und keine Prominenten auftauchen, da man den Event noch nicht kennt. Deshalb war es um so wichtiger, dass ich den Haupt-Act, Stephan Eicher, für ein Interview bekomme. Was ich nicht wusste: Der Arme hatte sich den Magen verdorben und starb schon den ganzen Tag sieben Tode. Wahrscheinlich wünschte er sich nach dem Konzert nichts mehr, als seine Ruhe zu haben. Doch nix Ruhe. Ich brauchte dieses Interview. Also setzten wir uns ins Treppenhaus, wo es schön kühl war und er seine Hitzeschübe kontrollieren konnte. Doch die Stimmung stieg nicht, denn alle drei Minuten ging das automatische Licht aus... Irgendwann war er so fertig, dass wir nicht mal mehr aufstanden und einfach im Dunkeln weiterredeten. Ich bin ihm heute noch dankbar, dass er trotz Kotz-Gedanken und ohne, dass wir uns sehen konnten, charmant und unterhaltsam blieb.

Ein Bad im Fettnapf
Mit meiner besten Freundin schrieb ich eine Kolumne - damals noch aus Zürich und deshalb oft über Leute, die auch unsere Freunde und Bekannte sind. Mein damaliger Freund fand meinen Job sehr uncool und sagte immer wieder: «Dir wird diese Kolumne noch so um die Ohren fliegen.» Er behielt Recht. Wir waren auf eine Hochzeit eingeladen und ich sass dummerweise genau neben dem Gastronomen, den ich eine Woche vorher noch schön in der Luft zerrissen hatte. Quasi von Lachs zu Sashimi. Und von Rind zu Hackfleisch. Mir war schlecht vor Peinlichkeit und er bekam eine Migräne während der Vorspeise. Sagte er jedenfalls. Er verschwand und wurde den ganzen Abend nicht mehr gesehen. Tut mir heute noch leid.

Prominente verarschen
Manchmal hat man das Pech, Kinder von berühmten Leuten zu interviewen. Meist sind die Girls Schmuckdesignerinnen und die Jungs DJs. So auch im Fall von Tom Cruises Sohn Connor Cruise. Doch irgendwas lief in der Kommunikation seiner Agenten und den Medien schief. Plötzlich hiess es, er dürfe nicht wissen, dass ich Journalistin bin - ich solle bitte ein Fan spielen. Selbstredend, dass unser Gespräch nie irgendwo erschien.

Musiker mit besonderen Wünschen
Universal Music in Zürich hatte ein Interview mit Sportfreunde Stiller angesetzt. Mein Journalisten-Kollege David Cappellini sass schon in der Eingangshalle. (Meistens sitzen dieselben drei, vier Nasen in solchen Vorzimmern und man kennt sich.) Cappellini war ein Gentleman und liess mich - obwohl später gekommen - vor. Ich gebe zu, die Musik von Sportfreunde Stiller ist jetzt nicht das, was ich mir zum Frühstück anhöre. Das war denen auch egal, denn sehr bald drehten alle etwas durch und sie erzählten nur noch Blödsinn, der nichts mit ihrer Musik zu tun hatte und den man wirklich nicht mehr drucken konnte. (Es war ein heisser Nachmittag.) Als sie meinten, sie fänden es toll, wenn ich ihnen den Hintern versohlen würde, war definitiv Zeit, das Interview zu beenden. Mir war alles sehr peinlich und ich fand, das sei das grösste Katastrophen-Interview meines Lebens gewesen. Am nächsten Tag konnte ich aber in Cappellinis Interview auf 20min.ch nachlesen, wie sie das Treffen so fanden...

Fortsetzung folgt...

Bussi, Bussi aus München.

Im Dossier: Alle Schickeria-Blogs von Deborah Neufeld