Bussi, Bussi - der Schickeria-Blog

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Zwischen Cüpli, Bier und Blitzlichtgewitter: Eine Schweizerin mischt sich unter die deutsche Prominenz.

P1 - der berühmteste Club Deutschlands

Es gibt keine Disco, die mehr geliebt und mehr gehasst wird. Auch wenn es scheint, dass die Blütezeiten vorüber sind: Das Einser («Oanser») in München ist eine kleine Legende. Bloggerin Deborah Neufeld hat die verrücktesten Geschichten aus 66 Jahren P1 aufgespürt...
Verena Kerth und Oliver Kahn 20015 im P1 München
© Getty Images

Eine von vielen Liaisons, die im P1 ihren Anfang nahmen: Verena Kerth und Oli Kahn im Jahr 2005.

Zürich und München hat vieles gemein: Die Landschaft ist schön, man kann super einkaufen und in beiden Städten gibt es einen Edel-Club, über den das ganze Land die Nase rümpft. Wenn heute das Stichwort «Kaufleuten» fällt, weiss jeder von vergangenen Zeiten zu schwärmen. Früher war es richtig cool. Gute Mucke, gute Leute und die Türsteher waren die strengsten des ganzen Landes.

Das gibt es in Deutschland auch. Auch hier gibt es einen Edel-Club, in dem früher alles besser war. Das Interior war cool, die Promis richtig wichtig und die Türsteher die strengsten des ganzen Landes. Der Club heisst P1 und befindet sich am südlichen Ende des Englischen Gartens und ist mit Sicherheit der berühmteste Ausgeh-Ort für In- und Ausländer, die nach München kommen.

Ob das Schnöden meiner Freunde gerechtfertigt ist, möchte ich nicht bewerten. Schliesslich bin ich die fleischgewordene Helvetia und somit neutral. Doch die Geschichten, die sich um das P1 ranken, sind so legendär, dass ich den Club alleine deswegen gut finde. Bereits zwei ehemalige Türsteher haben ein Buch über ihre Schaffenszeit geschrieben. Von ihnen, von Freunden und weiteren, ungenannten Quellen möchte ich erzählen und die besten, lustigsten und extrem-unbestätigten Storys weitergeben:

1. Die wohl berühmteste Liebschaft, die im P1 entstand, war die zwischen Titan Oliver Kahn und Barkeeperin Verena Kerth. Verena, damals süsse 23 Jahre alt, wollte unbedingt Kellnerin werden. Doch sie hatte null Erfahrungen und wurde zuerst weggeschickt. Erst ein halbes Jahr später, nachdem sie in einem Restaurant in München einige Erfahrungen gesammelt hatte, liessen sie die Geschäftsführer um Besitzer Gerd Käfer an die Bar. Sexy, nett, laut, witzig und intelligent sei sie gewesen, sagte Buchautor und Ex-Türsteher Klaus Guschmann später über sie. So intelligent, dass Superstar-Fussballer Oliver Kahn seine schwangere Frau für sie verliess. Fünf Jahre hielt die Beziehung.

2. Auch Barbara Becker (die am Samstag mit Boris’ zweiter Ehefrau Lilly gelassen feierte) soll nicht rein zufällig ihren Rothaarigen kennengelernt haben. Offenbar war sie mindestens so tight mit den Türstehern wie die Verena Kerth und gab ihnen zu verstehen, dass sie angerufen werden will, wenn der junge Boris Becker mal im P1 sei. Das haben die Türsteher offensichtlich gemacht...

3. Das wohl berühmteste Pärchen, das das P1 besuchte, waren P. Diddy und Jennifer Lopez. Mit 20 Bodyguards fuhren sie ein und tranken, was die Dom-Perignon-Bar hergab. Doch als es ums Zahlen ging, meinte jemand der berühmten Clique: «We don't pay for this.» Doch anstatt zu kuschen und das Geld abzuschreiben, schmissen sich die Türsteher mit der offenen Rechnung auf ihre Roller, klapperten die teuren Hotels in München ab und fanden sie schliesslich im Bayerischen Hof, wo sie dem Agenten von J.Lo begegneten. Drei Monate später wurde die Rechnung von 6000 Euro beglichen.

4. Es gab ein Gesetz: Die Jungs des FC Bayern kommen rein ins P1. Immer. Alle. Wie lieb das den Trainern war, weiss man nicht. Nur von einem weiss man, dass er es wohl nicht so toll fand. Louis Van Gaal kam 2009 zur Mannschaft und soll angeblich den Club überwacht haben: «Ich habe mich bereits über das P1 informiert. Es gibt Wege zu wissen, wo die Spieler wann sind.»

5. Wer zahlt, bestimmt. Das galt auch im P1. Es gab Scheiche, die 500 Mark verteilten, egal ob Türsteher, Barman oder der DJ. Nein, der bekam von einem arabischen Scheich gleich 2000 Mark, weil dieser das richtige Lied für den Gast spielte. Das waren aber die einzigen Freuden. Die Magnum-Champagner-Flaschen wurden nie angefasst. Auch nicht die tanzenden Girls. Sie alle waren nur Dekoration.

6. Wer mir heute erzählt, er würde NIE vor einem Club anstehen, der bedenke: Kurt Russell stand an, Sandra Bullock und Brad Pitt. Dustin Hoffmann musste leider eine geschlagene Stunde vor der Türe warten - weil er wegen seiner Grösse übersehen wurde. Ähnlich ging es Stéphanie von Monaco. Auch sie musste mit Massen von manchmal 200 Leuten vor dem Eingang ausharren. Nur bei den Toten Hosen und den Scorpions klappte es überhaupt nicht. Türsteher Gunschmann prügelte sich mit den Hosen und landete schliesslich im Krankenhaus. Und bei den Scorpions verweigerte er den Eintritt, worauf diese sagten: «Wir sind aber die Scorpions.» Und er: «Eben drum.»

7. Einig sind sich viele Münchner, was Stefan Effenberg angeht. Kein. Netter. Mensch. Sonst schon als arroganter Sack verschrien, musste er 2000 vor Gericht, weil er im P1 einen bestimmten Tisch wollte und andere Gäste anblaffte: «Ich bin der Effenberg. Ich will hier sitzen. Verpisst Euch!»

8. Die beste Geschichte hat mit keinem Promi zu tun. Eine Gruppe junger Studenten war es leid, den Spruch: «Heute nur Stammgäste» zu hören. Sie besorgten Holz, stellten sich vor den Türsteher und sagten: «Hier ist der Stamm, wir sind die Gäste.» Sie wurden reingelassen und bekamen alle Getränke spendiert.

9. Und hier die drei lustigsten Sätze von Buchautor und Ex-Türsteher Damir Fister:
«Zwei heisse Hasen durften immer ins P1, einen scheiss Typen mit zwei heissen Hasen liess ich auch noch rein, aber zwei scheiss Typen mit einem heissen Hasen, das ging nicht.»
«Erstaunlich, wie viele Frauen einfach ohne ihren Freund ins P1 gingen, wenn der Mann nicht reinkam. Ein Abschiedskuss und Tschüss.»
«Als Türsteher wirst du jeden Abend fünfzig Mal entlassen (...) Trotzdem sollte man als Türsteher nicht die Visitenkarte des Managers eines internationalen Grosskonzerns zerreissen und ‹Heul doch, du Wurst› sagen. Die Folge: eine dreiwöchige Suspendierung.»

Wer noch nicht genug hat, kann hier das Buch von Ex-Türsteher Klaus Gunschmann bestellen. Oder hier jenes von Damir Fister.

Oder selber nach München kommen und ausgehen!

Bussi, Bussi aus München.

Im Dossier: Alle Schickeria-Blogs von Deborah Neufeld