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Der ganz normale Wahnsinn

48 Stunden offline (mehr oder weniger)

Es klingt wie ein Experiment, war aber keines. Beziehungsweise kein geplantes. Swisscom sei Dank verbrachte Sandra C. 48 Stunden ohne W-lan daheim. Und das mit zwei Teenagern im Haus. Die bittere Erkenntnis unserer Familienbloggerin: Ihre Kids hatten weniger Probleme damit als sie selbst!

Sandra Casalini Blog der ganz normale Wahnsinn
Der Schein trügt: Sandra C. hatte wesentlich mehr Probleme mit dem nicht funktionierenden W-lan als ihre Kids! Lucia Hunziker

Ich habe keine Ahnung, was die da gebastelt haben. Das sei eine kurze Sache, sagte die Swisscom, zwei Stunden, danach sei alles wieder wie gehabt, nur viel schneller. Aus zwei Stunden wurden zwei Tage. Für jemandem wie mich, der im Homeoffice arbeitet, gibt’s Angenehmeres. Für mich als Mutter von zwei Pubertierenden war die Vorstellung der Horror. Dabei stellte sich heraus: die beiden kamen echt ganz gut klar.

«Nerf» vs Nachbars Katze

Nachdem mich beim Mittagessen noch zwei entsetzte Augenpaare angestarrt hatten, wurde der Mittwochnachmittag doch recht vergnüglich. Jedenfalls für einige von uns. Nicht für die Nachbarskatze, fürchte ich, denn mein Sohn verlegte sein «Fortnite»-Game nach draussen und schoss mit seinen «Nerf»-Pistolen rum. Nicht, dass er auf die Katze geschossen hätte – so viel hat er immerhin gelernt – aber das arme Tier hat sich ganz schön erschrocken, als da plötzlich diese Schaumstoff-Dinger durch unseren Garten flogen.

Telefonieren statt Chatten

Als alle Munition verschossen war kam er wieder rein und ich hörte ihn in seinem Zimmer rumoren. Schön ist, dass er längst vergessen geglaubte Schätze wieder ausgegraben und sich stundenlang damit beschäftigt hat. Das Puff, das dabei entstand, ist bis heute nicht aufgeräumt. Aber er vergnügt sich auch bis heute wieder mindestens so lange mit seinen Zauberwürfeln wie mit seinem Handy.

Meine Tochter verlegte sich halt vom Chatten aufs Telefonieren. Abends erklärte sie sich grosszügig bereit, statt Netflix mit mir TV zu schauen. Als ich ihr erklärte, dass unser Fernseher auch über Internet läuft, zog sie wieder davon. Und machte – irgend etwas. Keine Ahnung was. Vielleicht sogar Hausaufgaben. Oder lesen.

«Wisst ihr eigentlich, wieviele Grande Cappuccini ohne Schoggipulver man trinken kann, ohne Magenbrennen zu bekommen? Oder einen Milchschaum-Overkill?»

Und ich? Bin fast verzweifelt. Als die Kids in der Schule waren, hab ich mein Büro zu Starbucks verlegt. Wisst ihr eigentlich, wieviele Grande Capuccini ohne Schoggipulver man trinken kann, ohne Magenbrennen zu bekommen? Oder einen Milchschaum-Overkill? Drei. Der vierte ist zu viel.

Und zwei Tage ohne Soziale Netzwerke. Wie furchtbar. Nicht, dass mich interessiert, was X heute gegessen hat und wo Y schon wieder in den Ferien ist (vielmehr würde mich interessieren, warum Y so viel Ferienzeit hat und wie sie sich das leisten kann, und warum sie im Bikini immer so makellos aussieht, obwohl sie laut Instagram ständig Burger und Pizza isst). Echt nicht. Ich brauche diese Netzwerke zu Recherchezwecken. Im Fall. Und um meine Kinder zu kontrollieren. Ok, die sind ja grad auch nicht online. Das machts etwas einfacher.

Spaghetti Bolo statt Gesundes von der Online-App

Und dann das Kochen. Kein «Unter 500 Kalorien Rezept» von «Tasty» heute. Nichts Supergesundes von «Eat Smarter». Und auch nix von Jamie Oliver. Spaghetti Bolo. Die Kinder lieben mich!

Fakt ist: Ich habe in 48 Stunden offline nicht ein einziges mal «mir ist langweilig» gehört. Oder «Ich muss jetzt sofort im Chat antworten, sonst glauben sie, ich bin tot!» Oder was auch immer ich sonst so zu hören bekomme. Das könnten wir öfter machen. Aber bitte in den Ferien. Das wäre für meine Nerven definitiv besser!

Mehr von Familien-Bloggerin Sandra C. lest ihr hier 

am 19. April 2019