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Der ganz normale Wahnsinn

Auch Frauen sind sexistisch!

Die Themen waren in den vergangenen Wochen in aller Munde: Männlichkeit, Patriarchat, Sexismus, Feminismus. Am TV-Bildschirm diskutierten erst Männer, dann Frauen über die Verunsicherung der Männer, die nicht mehr richtig Mann sein dürfen, weil das sexistisch ist. Was dabei niemand sagte: Auch Frauen sind sexistisch. Nicht nur gegen Männer, sondern vor allem dem eigenen Geschlecht gegenüber.

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ZVG

Ja, wenn man sich die Umfragen zum Thema Sexismus ansieht, sind Männer sicher die grösseren Schweine als Frauen. Natürlich kommt es auch vor, dass Frauen vergewaltigen, nötigen oder in anderer Art gewalttätig sind. Aber im Vergleich sehr viel seltener als Männer. Tatsächlich aber grabschen auch Frauen und machen Männer blöd an, und zwar öfter, als man denkt. Auch als ich dachte.

Bei einer kleinen – zugegeben: nicht repräsentativen – Umfrage unter meinen männlichen Freunden und Bekannten, stellte ich fest: Fast jeder hatte was zu erzählen. Von bösen Kommentaren bei Sitzungen bis hin zu – ungebetenen und unangenehmen – anzüglichen Whatsapp-Nachrichten. 

Es geht gar nicht, dass Männer Frauen ungewollt anfassen oder in sonst einer Art und Weise herablassend behandeln

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es geht gar nicht, dass Männer Frauen ungewollt anfassen oder in sonst einer Art und Weise herablassend behandeln. Auch ich hab mir schon doofe Sprüche angehört. Aber jetzt mal ehrlich: «Das Interview machen wir dann heute Abend im Bett» ist doch nicht mehr als ein Gähnen wert! Und ganz sicher keinen zweiten Gedanken.

Die sexistischen Äusserungen und Handlungen, die mich wirklich verletzt haben, kamen immer von Frauen!

Ich sags jetzt mal, wies ist – und zwar vor dem Hintergrund, dass ich mich durchaus als Feministin bezeichnen würde: Die sexistischen Äusserungen und Handlungen, die mich wirklich verletzt haben, kamen immer von Frauen! Die Kindergärtnerin, die mir nahelegte, ich solle doch ein bisschen weniger arbeiten, dann wäre mein Kind vielleicht etwas normaler. Die Kollegin, die meinte, sie fände es unfair, wenn ich eine Lohnerhöhung bekäme, schliesslich könne ich mit zwei Kindern froh sein, dass ich überhaupt einen Job habe. Und die Mutter, die ungefragt mein Kind nach dem Kindergarten mit zu sich nach Hause nahm – mit der Begründung, ich sei ja eh nie zu Hause. Ich bin übrigens nicht die Einzige. Freundinnen und Bekannte berichten Ähnliches. 

Ich frage mich schon, warum wir das machen. Warum lassen wir einander nicht einfach leben? Gibt es tatsächlich Frauen, die so sehr an diesen traditionellen Rollenmodellen hängen, dass sie alle, die das nicht tun, niedermachen müssen? Das kann doch nicht sein! Warum machen Frauen das? Und tun Männer das eigentlich auch?

Ja! Das hat der SRF-«Club» mit den Männern gezeigt: Die zicken einander auch an, wenn ihr Lebensentwurf vom eigenen abweicht. Das ist doch auch ein bisschen beruhigend, irgendwie. 

Mehr von Familien-Bloggerin Sandra C. lesen Sie hier.

 
am 14. Februar 2019